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Kolumnist: Feingold-Research

Robinhood, Trade Republic – jetzt beginnt die Auslese




06.09.21 15:06
Feingold-Research

Neobroker wie Robinhood und Trade Republic erlebten einen beispiellosen Aufstieg und verdrängten eigentlich etablierte Anbieter. Jetzt droht aber neuer Ärger, denn die Finanzwächter schauen sich die Rückvergütungen genauer an. Nur wer sich schnell anpasst, wird im Wettbewerb weiter bestehen. 




 


Ohne Zweifel war der Börsengang von Robinhood Ende Juli vom Zeitpunkt gut gewählt. Ein Mix aus ständig neuen Rekorden am Aktienmarkt und finanziellen Hilfen aus Washington lockte viele Amerikaner an die Börse. Nie zuvor war der Sprung aufs Parkett auch für Neulinge so einfach, Trading-Apps wie die von Robinhood machen es möglich. Doch der Erfolg könnte für die Anbieter zum Bumerang werden. In der Spitze kostete die Aktie gut 85 Dollar, aktuell sind es nur noch gut 40 Dollar.




Hintergrund ist das umstrittene Geschäftsmodell der Amerikaner, das auch von anderen Brokern wie Charles Schwab eingesetzt wird. Beim sogenannten Payment for Order Flow (PFOF) vermitteln Broker die Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze und erhalten dafür eine Vergütung. Diese sogenannten Kickbacks sind ein wesentlicher Grund, warum die US-Broker sehr günstige Ordergebühren anbieten können. „So hat Robinhood knapp 23 Millionen aktive Nutzer und vereint rund die Hälfte aller neuen US-Einzelhandelskonten auf sich“, erklärt Gil Shapira, Chefstratege beim Broker eToro.






Robinhood mit Interessenskonflikt




Nach Einschätzung der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA könnte dies aber gegen das Wertpapiergesetz in der EU verstoßen und verweist auf mögliche Interessenkonflikte zwischen Broker und Anleger. Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen die Aufträge nicht zu den Handelshäusern mit den besten Kursen, sondern zu denen mit den höchsten PFOF-Zahlungen weiterleiten.




SEC-Chef Gary Gensler sagte der Finanzzeitung „Barron’s”, dass ein Verbot von PFOF auf dem Tisch liege. Die SEC prüfe die Praxis und könnte in den kommenden Monaten Empfehlungen vorlegen, hieß es. Weltweit droht dem Geschäftsmodell durch Regulierungsbehörden das Aus, in Kanada, Großbritannien und Australien ist es bereits verboten.




Für Robinhood wäre dies ein herber Schlag: Mehr als drei Viertel des Umsatzes entfallen auf PFOF. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Auch wenn das PFOF-Geschäft bisher die zentrale Säule für den enormen Aufstieg der Neobroker war, sind nun neue Dienstleistungen notwendig, um den Erfolg auf eine breitere und solidere Basis zu stellen.






Neue Möglichkeiten für Neobroker




Einheitliche Apps für verschiedene Funktionen von Finanzdienstleistungen wie Bankgeschäfte, Debit- und Kreditkonten sowie Wertpapier- und Kryptohandel gelten in der Branche als das Gold der Zukunft. Allein in den USA beläuft sich der Markt für Bankkonten auf rund 500 Millionen Kunden, von denen Robinhood bisher nur fünf Prozent bedient. Für Neobroker eröffnen sich hier neue Monetarisierungsmöglichkeiten und noch attraktive Margen. Zudem kann das Geschäft leicht skaliert werden. Das US-Finanzdienstleistungsunternehmen Square bietet sich als Blaupause an, Größe ist entscheidend für den Erfolg.




Auch die deutschen Neobroker stehen daher unter Zugzwang, ihr Geschäftsmodell breiter aufzustellen. Hier hat der Smartbroker bereits viel geleistet und Transparenz gezeigt, wie finanz-szene jüngst analysierte. Denn das Kundenwachstum ist solide und man hat schon mehr als 80.000 Kunden, von denen 50.000 bereits aktiv gehandelt haben. Dazu verfügen sie mit 40.000 Euro im Schnitt über ein üppiges Finanzpolster, was Smartbroker zur Nummer eins unter den Neo-Brokern macht. Der Konkurrenzkampf wird bei den zahlreichen Neo-Brokern immer intensiver geführt, Kunden sind dabei der Gewinner: Nur wer im Wettbewerb mit günstigen Konditionen, Verlässlichkeit und Innovationen punktet, wird den bevorstehenden Ausleseprozess meistern.



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