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Kolumnist: D. Kirschbaum

Riskieren Sie keinen Bandscheibenvorfall...!




09.11.09 19:38
D. Kirschbaum

Da an den weltweiten Finanzmärkten derzeit ein klarer Trend fehlt und wir uns nicht der Gefahr aussetzen wollen, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, richten wir die Depots unserer Kunden derzeit möglichst stabil aus, d.h. wir achten auf möglichst "sichere" Renditen, die uns nicht zwingen, uns auf eine bestimmte Seite zu schlagen und uns allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, um keinen „Bandscheibenvorfall“ zu riskieren, sondern unabhängig vom Börsenumfeld positive Erträge abwerfen. Vor allem sogenannte „Alpha“-Strategien, die auf relative (statt auf absolute) Performance der Basiswerte abzielen, versprechen in solchen Marktphasen nachhaltigen Erfolg. Weil Sie aufgrund ihrer geringen Korrelation zu anderen Investments das Delta eines Portfolios reduzieren, sind Sie im Depotmanagement zwar unbeliebt aber so unverzichtbar wie Knoblauch in einem leckeren Tzazikki.


 


Die Bezeichnung "Alpha" steht in der Börsenwelt allgemein für einen "Renditevorteil". Wie ein "Alpha-Männchen" in der Tierwelt ein Synonym für einen Anführer einer Gruppe ist und auch unter Menschen dieser Begriff die Meinungsmacher und Führungspersönlichkeiten, die vorangehen und an denen sich die Gesellschaft orientiert, beschreibt, spricht man in der Börsenwelt vor allem dann von einem "Alpha", wenn unter identischen Bedingungen eine bestimmte Strategie gegenüber anderen einen Mehrertrag abwirft. Fondsmanager z.B., die durch aktiven Handel einen Vergleichsindex schlagen, generieren "Alpha".


 


"Alpha-Zertifikate" vergleichen zumeist zwei verschiedene Indizes einer Gattung miteinander. Auch wenn viele Emittenten ihren Produkten eigene, komplizierte Namen geben, sind diese Produkte im Grunde doch immer gleich aufgebaut und recht einfach konstruiert: Es wird ein Basiswert und dazu einen Vergleichsindex definiert. Schneidet der Basiswert am Ende der Laufzeit besser ab als der Vergleichsindex, erhält der Anleger die Differenz als Gewinn ausgezahlt.


 


Der große Vorteil dieser Zertifikate liegt in ihrer Marktneutralität. Man wettet lediglich auf eine relative (!) statt auf eine absolute Wertentwicklung. Ob der Basiswert steigt oder fällt, spielt dabei nicht die geringste Rolle, solange er eben besser ist als seine Benchmark. Selbst wenn der Basiswert einbricht, der Vergleichswert aber noch stärkere Verluste erleidet, ist das Ziel erreicht.


 


Eine interessante Konstellation für diese Form der Arbitrage bietet der chinesische Aktienmarkt. Chinesische Unternehmen sind häufig sowohl in Hongkong (H-Aktien) als auch an einer Festlandsbörse in Shenzhen Püppi oder Shanghai (A-Aktien) gelistet sind. In der Regel sind die „A-Aktien“ deutlich höher bewertet als ihre "Brüder" in Hongkong, was auf die unterschiedlichen Zugangsregelungen zurückzuführen ist. Mit „Spread-Zertifikaten“ lässt sich auf eine Angleichung der Bewertung spekulieren. Sollte es zu einer Änderung kommen – z.B. wenn Inlandschinesen erlaubt wird, auch in Hongkong zu investieren –, profitieren entsprechende "China H vs. China A Spread"-Zertifikate. Die Wertentwicklung dieser Produkte hängt also von der Preisentwicklung von H-Aktien (HSCEI Index) im Vergleich zu A-Aktien (CSI 300 Index) ab. So lange sich H-Aktien besser (beziehungsweise weniger schlecht) entwickeln als A-Aktien, steigt der Kurs des Zertifikats. Umgekehrt fällt der Zertifikate-Preis bei schlechterer (beziehungsweise weniger guter) Entwicklung der H-Aktien. Die Zertifikate verfolgen demnach eine auf die Angleichung der Bewertung von A- und H-Aktien abgestellte „Alpha“-Strategie.


 



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