Kolumnist: Feingold-Research

Das Rätsel um den ganz besonderen Zins




16.04.18 08:40
Feingold-Research

Sparer haben seit Jahren wenig zu lachen, wenn es um Zinsen geht. Nun könnte auch Profis das Lachen vergehen. Denn ein ganz spezieller Zins sorgt für Unruhe. Man sollte ihn kennen, vor allem wenn man Häuslebauer, Sparer oder auch Mieter ist. Die US-Notenbankerin Janet Yellen hat bestimmt nicht das Einrichtungsmagazin „Schöner Wohnen“ abonniert…

Ihr Beispiel zu Zinsen war in den letzten Jahren aber gar nicht so schlecht gewählt. Yellen hat stets erläutert, dass  die Verschärfung der Geldpolitik wie das Trocknen von Farbe sein werde, also keine bedeutenden Unruhen in der Wirtschaft und am Finanzmarkt hervorrufen werde. Janet Yellen ist mittlerweile aus ihrem Amt geschieden und ihr Nachfolger Jay Powell steht Turbulenzen bei einem ganz bestimmten Zinssatz gegenüber – dem Libor.


„Der Libor wird für fünf Währungen berechnet: Dollar, Euro, Yen, britischem Pfund und Schweizer Franken, wobei der Großteil der Kredite auf Dollar-Basis ist“, erklärt Jochen Stanzl, Chefstratege beim englischen Broker CMC Markets. Wegen des Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank sind nicht nur die Zinsen für kurzfristige US-Anleihen, sondern auch für Libor-Kredite auf Dollar-Basis kräftig geklettert.


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Libor zeigt seine Power

Börse_USA_NewYork_4Der Zinssatz für den Drei-Monats-Libor auf Dollar-Basis ist innerhalb eines Jahres um 110 Basispunkte (1,1 Prozentpunkte) auf aktuell 2,27 Prozent nach oben geschossen. Die Refinanzierungskosten für die Kreditinstitute haben sich in den vergangenen zwölf Monaten also beinahe verdoppelt. „Das bekommen nicht nur die US-, sondern auch die ausländischen Institute wie die Deutsche Bank zu spüren, weil viele von ihnen erhebliche Dollar-Libor-Kredite haben“, sagt Stanzl.


Wer als deutscher Anleger Deutsche Bank-Aktien hat, muss sich nicht wundern, wenn hier und da die Tage noch turbulenter sind als ohnehin schon. „Bankaktien waren eigentlich über einen langen Zeitraum eine ziemlich “sichere Bank” für Anleger. Aber spätestens die Finanzkrise hat gezeigt, dass das Geschäftsmodell nicht einfach ist. Die internationale Verstrickung und die große Abhängigkeit von politischen Entscheidungen machen ein Investment in Banken schwer kalkulierbar. Hinzu kommt noch der Angriff der FinTechs auf wesentliche Geschäftsprozesse der Finanzinstitute und der hohe Aufwand, der die Regulierung kostet. Die nächsten Jahre bleiben für Banken extrem spannend, aber es ist fraglich, ob der Anleger diese Art von Spannung im Depot haben möchte. Vielleicht lohnt auch ein Auge auf kleinere, stark spezialisierte und so relativ unabhängig agierende Bankinstitute – aber da kommt es auf die Einzelfallprüfung an, die nicht immer einfach sein dürfte“, erläutert Norbert Betz, Leiter Handelsüberwachung der Börse München/gettex.


Aktuell treibt Investoren die Sorge über eine mögliche Rückkehr der Bankenkrise in Europa um. Allerdings ist der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks Index, der die Entwicklung der 48 führenden Institute der Region abbildet, bereits besonders stark auf das niedrigste Niveau seit April 2017 gefallen. Mutige Anleger kaufen daher Indexzertifikate auf den Stoxx Europe 600 Banks Index (WKN: 703688) oder für Hebelpapier-Fans moderat gehebelte K.o.Bull-Papiere auf die Deutsche Bank (WKN: CQ60N3). Defensiver ist das Discountzertifikat mit der WKN CY29RG und einem Rabatt zum aktuellen Aktienkurs von 11,6 Prozent.


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Libor hat Billionen im Rücken

Die Rückkehr der Krise hätte massive Auswirkungen für die reale Wirtschaft – wie sie so schön unzutreffend genannt wird – denn wenn es den Banken nicht gut geht, dürften sie sich bei der Kreditvergabe zurückhalten, was viele hochverschuldete Verbraucher und Unternehmen erheblich belasten würde. Das Problem ist, dass weltweit Kredite im Volumen von rund 350 Billionen Dollar an den Libor gekoppelt sind. 350 Billionen im Feuer, kein Monopoly-Geld. Insgesamt ist das ist kein Umfeld, in dem die EZB gerne die Zinsen erhöhen würde. Schlechte Nachrichten also für Sparer, die der Libor damit auch interessieren sollte.


Der Libor hat aber noch eine andere Wirkung, nämlich auf Häuslebesitzer und Häuslebauer. So schlägt der Libor zusehends auf US-Hypothekenkredite durch. Der Zinssatz für US-Hypotheken mit variabler Verzinsung ist seit dem Tief von Ende Mai 2017 um 60 Basispunkte auf 3,67 Prozent gestiegen. Viele Normalverdiener in den USA, die in den vergangenen Jahren diese Kredite in Anspruch genommen haben, in der Erwartung, dass die Zinsen unten bleiben würden, sehen sich plötzlich steigenden Belastungen gegenüber.


Die seit Monaten schlechten Daten vom US-Immobilienmarkt sprechen Bände. Bisher ist dies auf Deutschland nicht übergeschwappt, doch auch die Immobilienkrise 2008 begann in den USA. Alle sollten daher wachsam sein für den Libor, auch wenn Bankenwerte zuletzt bereits deutlich verloren haben.



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