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Kolumnist: Michael Beck, Leiter Portfolio Management

POPULISTEN ENTERN EUROPA-WAHL




15.05.19 14:37
Michael Beck, Leiter Portfolio Management

Die vom Brexit-Initiator Nigel Farage neu gegründete „Brexit-Partei“ liegt in Großbritannien bei Umfragen mit 34 % deutlich in Führung. Dies wird argwöhnisch beobachtet, erhofft man sich doch von der in Großbritannien absurderweise stattfindenden Europa-Wahl ein deutliches Bekenntnis zu Europa. Man könnte bei genauerem Hinsehen nun meinen, dass dies bedeuten würde, dass 66 % der befragten Wähler in Großbritannien nicht so deutlich für einen Brexit sind, dass sie dem Populisten Farage ihre Stimme geben würden. Farage, der zwar aus der EU austreten möchte, aber seit drei Jahren seine Abgeordneten-Diät von der verhassten EU-Administration gerne entgegennimmt, düpiert zumindest die etablierten Parteien, die aktuell in den Umfragen abgeschlagen hinter seiner neu gegründeten Partei hinterherhinken. Da diese weiterhin nicht in der Lage scheinen, auch nur annähernd einen Kompromiss in der verfahrenen Brexit-Lage auszuarbeiten, dürfte die Unsicherheit bis Ende Oktober anhalten und wiederum Lösungen in letzter Minute notwendig machen.

 Das Wirtschaftswachstum in Deutschland lag im ersten Quartal vermutlich dennoch über den Erwartungen (+0,4 %). Die neuerliche Eskalation im Handelsstreit der USA mit China und die Befürchtung, dass dasselbe mit Europa geschieht, trübt die Konjunkturerwartung jedoch merklich ein, wie der deutlicher als erwartet gesunkene ZEW-Konjunkturindex zeigt. In Japan hat der Handelsstreit schon kräftigere Spuren hinterlassen und sogar schon für Unterbrechungen von Lieferketten gesorgt. In der Folge wird erwartet, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um –0,20 % geschrumpft sein könnte. Ein großer, glänzender Deal Donald Trumps im Handelsstreit mit China dürfte wohl nicht mehr erreichbar sein. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass die gesamte Thematik in viele kleine Problemfelder unterteilt werden wird und so Schritt für Schritt Lösungen gesucht werden können. Dies kann aber unter Umständen Jahre dauern.

 Inzwischen sind die Marktteilnehmer sogar schon so weit, dass das bloße Ausbleiben von Trump-Tweets oder scharfen Tönen für Beruhigungstendenzen an den Finanzmärkten sorgt. Diese scheinen der US-Administration doch noch etwas am Herzen zu liegen, denn sowohl durch konziliantere Töne im Handelsstreit als auch in der Beteuerung, keinen Krieg mit Iran anzustreben, ist das Bemühen zu erkennen, die Strategie des maximalen Drucks zwar weiter zu verfolgen, aber den US- bzw. „Welt-Karren“ doch nicht ganz an die Wand fahren zu wollen. Für die Finanzmärkte bedeutet dies ein Anhalten der Unsicherheitsphase und ein Wechselbad der Gefühle, je nach Wasserstandsmeldungen in den verschiedenen Krisenthemen. Das Aufwärtspotential der Aktienmärkte scheint vor diesem Hintergrund bis auf weiteres begrenzt.

www.ellwanger-geiger.de/privatbank


Hinweise:


Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.


 





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