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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Nutzen und Nachteil von Absicherungen der Wechselkursrisiken




11.11.20 15:47
Redaktion boerse-frankfurt.de

Dollarscheine

Etwa 10 Prozent aller ETFs werden inzwischen in einer Variante mit Währungssicherung angeboten. Ziel ist, Schwankungen der Devisenkurs auszublenden. Wie sinnvoll das ist, hängt u.a. von der Anlageklasse, der Region und dem Zeithorizont ab. 



Ein zentraler Vorteil von ETFs liegt in ihrer kostengünstigen und wenig aufwendigen Risikostreuung. Mit einem Anteil investieren Anleger in viele verschiedene Wertpapiere. Eine Handvoll Index-Tracker ermöglichen bereits ein breit diversifiziertes Portfolio, das in verschiedenen Anlageklassen und vielen Unteranlageklassen investiert ist. Mit dem Ziel, gegen zukünftige Krisen gerüstet zu sein.


Die Nebenwirkungen solch eines gut balancierten Portfolios: ganze Anlageklassen in Fremdwährungen, hauptsächlich US-Dollar, wie Rohstoffe oder Edelmetalle. Und wer Klumpenrisiken durch Investments vor allem im Heimatland vermeiden will, kommt um internationale Aktien in der jeweiligen Landeswährung nicht herum. Der besonders bei Privatanlegern beliebte MSCI World enthält Aktien in 13 Währungen und der MSCI World All Countries etwa in 20.


Wertpapiere, die in einer anderen Währung gehandelt werden, bringen ein zusätzliches Risiko mit sich. Deswegen bieten Emittenten für viele ETFs auch eine währungsgesicherte Variante an. Von insgesamt gut 1.500 ETFs im Handel auf Xetra sind mit 142 rund ein Zehntel mit einem Mechanismus ausgestattet, der Schwankungen der Wechselkurse nach Möglichkeit ausschalten soll.


  • Heimatwährung. Währung, in der Anleger kalkulieren, die der Mehrheit ihrer Ein- und Ausgaben zugrunde liegt
  • Basiswährung. Währung der Wertpapiere im ETF. Weicht die Basiswährung von der Heimatwährung ab, entsteht ein Währungsrisiko.
  • Fondswährung. Währung, in der ETF-Anbieter abrechnen.
  • Handelswährung. Währung, in der der ETF an der Börse gehandelt wird. Auf Xetra sind das bei wenigen ETF nicht Euro, sondern britische Pfund, US-Dollar, Schweizer Franken, etc.

Die wichtige Frage für Anleger an der Stelle: Was sichert der Hedge ab und welchen Preis zahlen Anleger dafür?


Wichtig für die Bewertung von Währungsrisiken ist die „Heimatwährung“ der Anleger, in welchem Währungsraum ihr Lebensmittelpunkt liegt, ihr Einkommen und ihre Ausgaben. Werden die Wertpapiere im ETF in einer anderen Währung gehandelt, kann sich der Wechselkurs negativ (aber auch zu Gunsten) der Rendite auswirken. Unabhängig von der Fondswährung, die nur angibt, in welcher Währung ein ETF-Emittent berichtet, d.h. an welcher Stelle die Umrechnung stattfindet. Ebenfalls keine Rolle für dieses Risiko spielt aus Sicht der Anleger die Handelswährung des ETFs selbst.


Toetzke


Fremdwährungen sind eine eigenständig unkorrelierte Anlageklasse. Sie legen sich verzerrend über die eigentliche Performance der Wertpapiere im ETF. Steigt zum Beispiel der Goldpreis um 10 Prozent und fällt der US-Dollar gleichzeitig um 10 Prozent, ist die Rendite in Euro unterm Strich bei null.


Risiken von Haus aus ausschalten


ETFs, bei denen dieser ungewünschte Effekt neutralisiert werden soll, lassen sich häufig am Namen erkennen, der die abgesicherte Währung mit Zusatz "hedged" enthält.


Es werden einzelne Wechselkurspaare abgesichert, wie der Euro zum US-Dollar, oder gleich mehrer, Multi-currency-hedges genannt. Letztere sind seltener und beziehen sich in der Regel auf Regionen, wie Emerging Markets, oder ein bestimmtes globales Aktiensegment, z.B. Small-Caps.


Wie funktioniert eine Währungssicherung?


Zu einem bestimmten Stichtag, meist monatlich, sehr selten täglich, gehen die Anbieter ein Devisengeschäft am Terminmarkt ein, einen Forward, mit dem sie das zu diesem Zeitpunkt verwaltete Vermögen für einen Monat absichern. Der Devisenterminkurs unterscheidet sich allerdings vom aktuellen Spot-Kurs um die Zinsdifferenz zwischen beiden Währungen.


Die Währungsabsicherung in einem ETF kann aus zwei Gründen nicht genau sein:


Das Timing. Es lassen sich nur die verwalteten Assets zu einem bestimmten Stichtag absichern. Zu- und Abflüsse innerhalb des Monats werden im Hedge nicht nachträglich korrigiert.


Die Absicherung. Es gelingt nicht, den Spot-Wechselkurs abzusichern, sondern nur den Terminkurs, der um Zinsdifferenzen abweicht. Hat die Fremdwährung einen höheren Zinssatz als die eigene Währung, geht diese Zinsdifferenz zu Lasten der Anleger. Da die Zinsen in den Schwellenländern viel höher als in den Industrieländern sind, haben diese währungsgesicherten ETFs aus dieser Komponente höhere Verluste gegenüber den ungesicherten Versionen.


Edda Vogt

Vogt


Erwartungen an die Wechselkursentwicklung zählt


Zumindest kurz- bis mittelfristig kann ein währungsgesicherter ETF von Vorteil sein. Wenn die eigene Währung gewinnt, kostet der Währungsverlust ohne Hedge Performance. Allerdings im umgekehrten Fall, wenn die eigene Währung gegenüber der Währung im ETF verliert, steigt die Rendite der Anleger durch den Währungsgewinn. Was einem gehedgten ETF entgeht.


Langfristig folgen die Währungen der Industrienationen der "Mean Reversion". Das heißt, sie schwanken in strukturell stabilen Zeiten um einen Mittelwert. Damit sind Anleger zeitweise Gewinner und zeitweise Verlierer, die Absicherung verursacht Kosten ohne echten langfristigen Nutzen.


Diese Kosten sind nicht unerheblich, viele gesicherte ETF-Klassen haben höhere Gesamtkosten, im Schnitt etwa 0,3 bis 0,4 Prozent. Zudem könnten Teile der Hedge-Kosten zu einer negativen Tracking-Differenz gegenüber dem Index führen. Beides schlägt besonders bei sehr langfristigen Engagements zunehmend auf die Performance durch.


Exotischere Währungen sind anfälliger für langfristige Abwertungen gegenüber den Leitwährungen wie dem Euro. In diesen Fällen sind aber auch die Kosten der Absicherung deutlich größer, weil höhere Forward-Prämien gezahlt werden müssen.


Sinn oder Unsinn eines Hedges hängen von der langfristigen Wechselkurserwartung der Anleger ab, ob sie erwarten, dass ihre Heimatwährung steigt oder fällt bzw. ob sie keine Meinung haben.


Hierzu zwei weitere Überlegungen:


Aktien großer Konzerne werden zwar in nur einer Währung gehandelt, ihre Geschäftsergebnisse befinden sich aber über die Liefer- und Absatzketten in einer Wechselwirkung zu regionalen Märkten und ihren jeweiligen Nationalwährungen.  


Der Wert einer Währung und der Erfolg der Unternehmen im Land stehen in Beziehung zueinander, so dass die Wechselkurse über die Unternehmensergebnisse auch mittelbar auf die Aktienmärkte durchschlagen.


Fazit


Die Entscheidung zwischen währungsgesicherten und nicht währungsgesicherten Versionen des gleichen ETFs ermöglicht erfahrenen ETF-Anlegern, die Währungskomponente aktiv in die Portfoliosteuerung zu integrieren. Dies ist allerdings nur innerhalb der taktischen Asset-Allocation als zusätzliche Ertragskomponente möglich. Langfristig orientierte Anleger erkaufen sich die Ausschaltung kurzfristiger Schwankungen mit nicht unerheblichen Performance-Verlusten.


Mit einer Ausnahme: Wer zur Stabilisierung seines Depots in ETFs in internationale Staatsanleihen investiert, tauscht vermutlich gerne Renditepunkte gegen Volatilität im Depot.


Von Stefan Toetzke und Edda Vogt
© November 2020, Deutsche Börse AG




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