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Kolumnist: Ralf Flierl

Nebenwerte mit Hauptrolle




19.11.20 15:03
Ralf Flierl

… und zwei unendliche Geschichten

Es ist vollbracht
Nach der üblichen Wochenend- und mehreren Abendschichten gingen die Heftdateien des neuen Smart Investor 12/2020 gestern Nacht an die Druckerei. In der Dezember-Ausgabe konzentrieren wir uns traditionell auf die sogenannten Nebenwerte, die aus Anlegersicht allerdings oft eine Hauptrolle spielen. Dennoch war in diesem Jahr fast alles anders und insbesondere die Small- und MidCaps litten zum Teil deutlich unter den neuen Rahmenbedingungen der Lockdown-Wirtschaft. Allerdings kamen aus dem Bereich der Nebenwerte auch einige der attraktivsten Börsenstorys des laufenden Jahres, die sich auch weiter durch exzellente Wachstumsperspektiven auszeichnen. Welche das sind, lesen Sie im neuen Smart Investor 12/2020, der zum Wochenende erscheint.

Zahlenwirrwarr, mit alarmistischem Grundton
Daneben haben wir aber auch die erwähnten Rahmenbedingungen etwas genauer betrachtet. Da beschäftigen uns weiter zwei nahezu unendliche Geschichten: Die Corona-Krise und der Kampf ums Weiße Haus. In der Corona-Krise wird die Fülle der verfügbaren Zahlen zunehmend Richtung alarmistisch genutzt, während die wenigen positiven Facetten des Datenkranzes kaum noch Beachtung finden. Gewiss, Sensationen sind ein Kerngeschäft der Medien und auch die Regierung schien kurz vor der Verabschiedung des „Dritten Bevölkerungsschutzgesetzes“ durchaus daran interessiert zu sein, den psychologischen Druck aufrechtzuerhalten. Im Ergebnis passiert, was passieren musste: Die anhaltende Verängstigung der Menschen spielt der Bürokratie weiter in die Hände, die sich nun mit großen Schritten zu einer Art Vormund in allen Lebenslagen zu entwickeln droht.

Parlamentarische Hürden genommen
Nun hat das Gesetz die parlamentarischen Hürden genommen. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse konnte es kaum einen Zweifel daran geben, dass die Regierung gestern mit dieser weitgehenden Ermächtigung der Exekutive durchkommen wird. Widerstand kam vor allem aus den Reihen von AfD, FDP und Die Linke. Auch auf der Straße gab es erhebliche Bürgerproteste. Einer der Hintergründe dieses Gesetzes war, dass die Sofortmaßnahmen der Exekutive immer häufiger einer Überprüfung durch die Gerichte nicht standhielten und entsprechend wieder aufgehoben wurden. Genau für solche Fälle ist aber die gerichtliche Überprüfung des Regierungshandelns gedacht. Auch sind die Angehörigen der dritten Gewalt in der Beurteilung dieser Maßnahmen mit Sicherheit nicht dümmer als die der ersten.

„Bremsklotz“ weggeräumt
Nun wurde dieser „lästige Bremsklotz“ für eine zunehmend losgelöste Corona-Politik mit ihren teils absurden Eingriffen in die Grundrechte der Bürger aus dem Weg geräumt. In der Grundausrichtung von Rechtsstaat und Gewaltenteilung wurden damit die Gewichte deutlich zur Exekutive hin verschoben. Der  18. November 2020 wird wohl einmal als einer der schwärzeren Tage in den Geschichtsbüchern stehen.

Die Frau an Trumps Seite
Auf der anderen Seite des Atlantiks geht die Hängepartie um die US-Präsidentschaftswahl weiter. Mit zahlreichen Verfahren überzieht die Trump-Kampagne die derzeit umstrittenen Bundesstaaten. Dabei sind zuletzt insbesondere die Zählmaschinen von Dominion Voting Systems ins Visier geraten. Deren Verwendung hatte beispielsweise der US-Bundesstaat Texas wegen Sicherheitsbedenken abgelehnt. Sidney Powell sprach davon, dass Trump eigentlich mit einem Vorsprung von Millionen Stimmen gewonnen habe, diese aber von einer speziellen Software zu Biden verschoben worden seien. Frau Powell ist zwar in Trumps Anwaltsteam – und somit Partei –, aber eben auch eine der Top-Juristinnen des Landes, die ihren Ruf kaum mit erfundenen Räuberpistolen aufs Spiel setzen würde. Entsprechend stellte sie klar, dass sie nichts sagen würde, was sie nicht auch beweisen könnte.

Spannender als mancher Krimi
Natürlich klingen diese Einlassungen für deutsche Ohren erst einmal völlig absurd. Auch hat Frau Powell – wohl aus prozesstaktischen Gründen – bislang keine Beweise für ihre Behauptungen vorgelegt. Dennoch erlaubt die klare Ansage zumindest einen Rückschluss: Das Trump-Team macht im Moment keine Anstalten klein beizugeben. Denn solche Behauptungen setzt man nicht in die Welt, um kurz darauf einzuknicken. Die Auseinandersetzungen um die US-Wahl bleiben spannender als mancher Krimi.

Zu den Märkten
Beim DAX hat sich das Bild nach dem turbulenten Handel der letzten Wochen wieder deutlich beruhigt. Nach dem der Index aus dem flachen blauen Aufwärtskeil herausgefallen war, stoppte er erst wieder oberhalb des markanten Abwärts-Gaps aus dem Frühjahr (grüner Bereich). Innerhalb des Keils hatte sich seinerzeit auch eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS-Formation, rote Bögen) herausgebildet. Mit dem Durchbruch unter die untere Begrenzung des Keils wurde das Mindestkursziel dieser Formation schnell erreicht (vgl. Abb., rote Dreiecke). Danach ging es wieder so zügig nach oben, dass schließlich sogar das Ausbruchsniveau mit einer einzelnen großen Tagesbewegung zurückerobert werden konnte. Seitdem konsolidiert der DAX innerhalb des Keils in einer engen Handesspanne. Solche Wimpelformationen signalisieren eine Trendfortsetzung. Aus dieser Betrachtungsweise heraus sollte also als nächstes die obere Begrenzung des Keils getestet und – falls kein erneutes Störfeuer kommt – auch durchbrochen werden.
Musterdepots & wikifolio
In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über unser wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit
Heute war es also soweit. Die Bundesregierung hat sich umfassend bevollmächtigen bzw. ermächtigen lassen – natürlich zum Besten der Menschen. In den USA dauert dagegen die juristische Schlacht um das Weiße Haus mit unverminderter Härte an. Die Märkte reagieren auf beide Entwicklungen vergleichsweise gelassen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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