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Kolumnist: Bernd Niquet

Meine Air Berlin




16.09.17 11:51
Bernd Niquet

Ich bin ja kein großer Globetrotter oder anderweitig Vielflieger, doch ich bin Berliner. Und es ist wirklich erstaunlich, wie mich diese Fluglinie über eine lange Zeit meines Lebens hinweg begleitet hat – und das gleich in mehreren Hinsichten.

Wie oft im Leben war diese Zeit eine gute Zeit, aber eben auch nicht ohne Niederschläge. Erstaunlich ist dabei die Parallelität, dass ich mir den Absturz, den wir jetzt miterleben, schon länger richtiggehend gewünscht habe, ihn aber dennoch eigentlich total ungerecht finde.


In den Jahren 1995 bis 1997 habe ich in der Firmenkundenabteilung der Commerzbank in Berlin gearbeitet. Damals war Joachim Hunold, der Geschäftsführer und Eigner dieser mir völlig unbekannten Fluglinie oft bei meinem Kollegen im Nebenzimmer, um über Kreditlinien zu verhandeln.


Aus meiner Sicht hat man ihn damals ziemlich abschätzig angeschaut. Eine eigene Fluglinie gründen? Da könnte man ja gleich zum Mars fliegen. Das geht doch nicht. Und trotzdem hat man wohl Geld gegeben. Doch wie ich die Brüder in der Bank kenne, haben sie ihre Kredite zu mehr als hundert Prozent besichert.


Als ich dann später eine Familie hatte und wir auf die Kanaren flogen, wurde immer Air Berlin gebucht. Auch nach Mallorca. Die Airline war zum Anfang der 2000er Jahre ja eine Riesennummer und hatte die besten Slots. Stets genau die Zeiten, die ich wollte. Und natürlich immer direkt, ohne umsteigen. Auch die Essensvorbestellung klappte stets super, und das Essen schmeckte so lecker, dass jeder Gedanke daran bereits die erste Urlaubsvorfreude darstellte.


Doch irgendwann war dann der Wurm drin. Da befand sich die Sitzreservierung nicht im System oder der bereits ein dreiviertel Jahr vorher gebuchte Fensterplatz lag genau in der einzigen Reihe des Flugzeugs, in der es auf dem Außenplatz kein Fenster gab. Das war zwar kein Beinbruch, doch man stellte sich stets zickig an und verweigerte die Rückerstattung der lächerlichen zehn Euro Reservierungsgebühr.


Im Frühjahr 2015 habe ich dann entschieden: Mit mir nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich bin zwar mit diesen Flugzeugen als Passagier großgeworden, doch ich fühle mich nicht mehr gut behandelt. Und wenn die so weitermachen, stürzen die sowieso bald ab.


Nie hätte ich jedoch gedacht, dass es wirklich dazu kommt. Da hätte ich herrlich ein paar Puts kaufen können. Doch schon den Börsengang des Unternehmens habe ich nicht wirklich mitbekommen und besaß keinerlei Bezug zu dieser Aktie.


Dass das Unternehmen jetzt jedoch ein so bitteres Ende nimmt, stimmt mich nicht einmal ansatzweise fröhlich. Denn ich bin der Meinung, der Hauptgrund für die Schieflage des Unternehmens liegt in der BER-Flughafenkatastrophe, die maßgeblich die Berliner Politik verbockt hat.


Air Berlin hatte alles auf das Drehkreuz Berlin ausgelegt, musste dann jedoch in Tegel in Behelfsbaracken zurecht kommen, wie sie die Vopos früher an den Grenzübergangsstellen zu West-Berlin zur Verfügung hatten. Und so kann natürlich kein Unternehmen gedeihen.


Doch was klage ich. Schließlich ist es ein Wunder, dass in Berlin überhaupt noch etwas funktioniert. Als Unternehmer würde ich mir allerdings meinen Firmensitz woanders suchen.




Bernd Niquet







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