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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Der lange Atem der Pessimisten"




14.05.20 07:50
Redaktion boerse-frankfurt.de

Der Pessimismus der Anleger bleibt stabil – trotz guter wie schlechter Nachrichten. Das birgt weiterhin Potenzial für Kursgewinne.


Zusammenfassung

Joachim Goldberg sieht die Anleger im Moment eher auf positive Nachrichten mit Nachfrage reagieren denn auf die vielen negativen Signale mit Abkehr von Aktien. Dennoch bleibt der Pessimismus der mittelfristig orientierten heimischen Anleger stabil. Wenige haben verkauft, zudem sind 4 Prozent der professionellen Investoren short gegangen. Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht nun bei -23 Punkten. Die Privatanleger haben sich noch weniger bewegt, deren Sentiment-Index markiert -13 Punkte. Der DAX hat auch auf Wochensicht unter Schwankungen "nur" 80 Punkte verloren.


Deswegen ist der Markt für den Verhaltensökonom weiter in einer guten Ausgangslage für Kursgewinne. Die deutliche Mehrheit der bearishen Anleger scheine auch gegen deutliche Rücksetzer gut abgesichert zu sein. Die potenzielle Unterstützung von der Seite sei zumindest auf deutlich niedrigerem Niveau hoch, etwa ab 10.100 und 10.200 Punkten. Auf der anderen Seite stehe ab 11.000 Punkten weiter ein Short-Squeeze im Raum.


 


13. Mai 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit unserer vergangenen Stimmungserhebung hat der DAX abermals zu einer Aufwärtsbewegung angesetzt, die aber im Gegensatz zur Vorwoche bereits kurz vor der 11.000er Marke zum Erliegen kam. Und am Ende schlug sogar ein kleiner Wochenverlust von 0,7 Prozent zu Buche. Dabei waren drei Dinge augenfällig. Zum ersten kam es an den Aktienmärkten vor allem dann zu einer Bewegung, wenn hinsichtlich der Corona-Krise positive Entwicklungen vermeldet wurden. Wie zum Beispiel die Nachricht, es gebe Fortschritte bei der Entwicklung eines neuen Medikaments oder Impfstoff gegen das COVID19-Virus. Zum zweiten fällt auf, dass die Akteure auf miserable Wirtschaftsdaten – etwa den in der vergangenen Woche publizierten US-Arbeitsmarktbericht – kaum reagieren. Stattdessen konzentriert sich das Interesse der Börsianer vor allen Dingen auf eine positivere ökonomische Zukunft, etwa im zweiten Halbjahr.


Und zum Dritten kursieren mittlerweile vermehrt Nachrichten zu einer erneuten Eskalation im US-chinesischen Handelskonflikt – vielerorts wird bereits eine Neuauflage des Handelskriegs befürchtet. Denn nicht nur US-Präsident Donald Trump macht China für die starke Ausbreitung des Corona-Virus verantwortlich. Diese von einigen bereits unter der Version 2.0 verbuchte drohende Eskalation bekam vor allen Dingen gestern neuen Nährboden. Denn es gibt im US-Senat Bestrebungen, nicht nur China wegen etwaiger Menschenrechtsverletzungen zu sanktionieren. Vielmehr steht zu befürchten, dass die Trump-Administration mit einer schon seit Monaten diskutierten Beschränkung US-amerikanischer Kapitalströme in Richtung China ernst machen könnte.


Zwischenzeitliche Verluste bringen Anleger nicht aus der Ruhe


Und so wundert es auch nicht, dass sich an der Stimmung der von uns wöchentlich befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont nicht allzu viel geändert hat. Immerhin zeigt unser Börse Frankfurt Sentiment-Index gegenüber der Vorwoche einen etwas stärkeren Pessimismus an: Der Index ist um 5 Punkte auf einen neuen Stand von -23 gefallen Punkte. Dabei hat sich das Bärenlager leicht vergrößert – überwiegend zulasten vormals neutral gestimmter Akteure. Gut möglich, dass auch bereits bestehende Engagements auf der Short-Seite erhöht wurden.


Bei den Privatanlegern hat sich die Stimmungslage noch weniger verändert, so dass sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels aufgrund einer fast gleichmäßig sinkenden Polarisierung zwischen Bullen und Bären lediglich um 1 Punkt auf einen neuen Stand von -13 Punkte verringert hat.


Aus der heutigen Stimmungsanalyse wird ersichtlich, dass sich die Pessimisten derzeit nicht aus der Ruhe bringen lassen. Daran hat auch der zwischenzeitliche Anstieg des DAX von rund 2,7 Prozent seit unserer vergangenen Stimmungserhebung nicht viel geändert. Zumal beim erneuten Versuch, zu einer Rallye anzusetzen, noch nicht einmal die 11.000er Marke überwunden werden konnte. Offenbar ist die Angst vor neuen negativen Nachrichten größer als die vornehmlich von Analysten zitierte Angst, einen weitergehenden Aufschwung der Aktienkurse zu verpassen.


Damit ist die Ausgangslage ähnlich wie in der vergangenen Woche: Eine deutliche Mehrheit von bearishen Akteuren scheint gegen einen erneuten, möglicherweise auch deutlichen Rücksetzer gut abgesichert zu sein. Insofern kann der DAX als recht ordentlich unterstützt gelten. Allerdings erst auf deutlich niedrigerem Niveau. Denn die zu Grunde liegenden Short-Engagements bzw. Absicherungen der Pessimisten werden möglicherweise erst zwischen 10.100 und 10.200 DAX-Zählern wieder eingedeckt.


Auf der anderen Seite steht aber bereits wie in der Woche zuvor die Gefahr einer Short-Squeeze im Raum, sollte es dem Börsenbarometer tatsächlich gelingen, noch einmal deutlich über die 11.000er Marke zu steigen.


13. Mai 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Sentiment-Index institutioneller Anleger
  Bullish Bearish Neutral
Total 26% 49% 25%

ggü. letzter Erhebung


-1% +4%

-3%


DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.620 (-80 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -23 Punkte (Stand Vorwoche: -18 Punkte)


Sentiment-Index privater Anleger
  Bullish Bearish Neutral
Total 32% 45% 23%

ggü. letzter Erhebung


-2% -1% +3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.620 (-80 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: -13 Punkte (Stand Vorwoche: -12 Punkte)


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 




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