Erweiterte Funktionen


Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Sell-in-May gab nicht den Ausschlag"




08.05.22 10:44
Redaktion boerse-frankfurt.de

https://cms.boerse-frankfurt.de/fileadmin/Bilder/Interviewpartner/Goldberg-Joachim/joachim_goldberg_753x200.jpg


In einem etwas weniger bewegten Markt fallen in dieser Woche Gewinnmitnahmen auf der Short-Seite ins Gewicht, die nach Goldbergs Ansicht wohl die Kursgewinne ausgelöst haben. Das belaste mehr als es nütze. 


Zusammenfassung


Obwohl die Aktienmärkte wieder etwas ruhiger geworden sind, haben sich von den mittelfristig orientierten Anlegern hierzulande nur professionelle Pessimisten bewegt. 11 Prozent sind aus dem Bärenlager raus und fast vollständig an die Seite gewechselt. "Gewinnmitnahmen", vermutet Joachim Goldberg. Private Anleger verharrten in ihren jeweiligen Positionen. Der Verhaltensökonom nimmt an, dass diese Bären noch nicht ausreichend im Plus waren. Die Sentiment-Indikatoren liegen mit +9 Punkten (Profis) und -9 Punkten (Private) wieder weiter auseinander. Wobei Goldberg ersteres als relativ neutral und letzteres als risikoaverser einstuft. 


Unterm Strich ist der Markt für Goldberg stimmungstechnisch belastet. Nach oben sieht er bei 14.450/14.500 Punkten eine Bremse, nach unten fehle jetzt Unterstützung.


4. Mai 2022. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Handelsgeschehen hat sich seit unserer vergangenen Stimmungserhebung deutlich beruhigt, und der DAX hat im Wochenvergleich sogar um rund 2 Prozent zulegen können. Diese Atempause könnte allerdings schon bald vorbei sein. Denn am heutigen Abend hiesiger Zeit geht die auch hierzulande vielbeachtete zweitägige Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) zu Ende. Eine Sitzung, als deren Ergebnis weithin erwartet wird, dass die Fed den Leitzins um 50 Basispunkte anhebt und außerdem Pläne zur Verringerung der Bilanzsumme von 8,9 Billionen US-Dollar bekannt gibt. Sollten sich diese Erwartungen erfüllen, würde dies die stärkste Zinsanhebung seit dem Jahr 2000 bedeuten. Indes: Die Finanzmärkte haben einen solchen Schritt bereits eingepreist, so dass das Hauptinteresse vieler Beobachter sicher der Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell im Anschluss an die Sitzung gelten wird.


Relative Ruhe verführt zu leichtem Optimismus


Unterdessen betrug die Handelsspanne des DAX seit vergangenen Mittwoch mit rund 3,8 Prozent nur etwas mehr als die Hälfte derjenigen aus der Vorwoche, während Rückschläge für das Börsenbarometer auf der anderen Seite überschaubar blieben – der Erhebungskurs der Vorwoche wurde nur noch einmal kurzzeitig unterlaufen. Dies mag vielleicht auch ein Grund dafür gewesen sein, dass sich die von uns befragten mittelfristig orientierten Investoren offenbar vorgenommen haben, mit etwas mehr Optimismus auf das Börsengeschehen zu blicken. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche immerhin um 13 Punkte auf einen neuen Stand von +9 gestiegen. Dabei ist es im Großen und Ganzen zu Gewinnmitnahmen vormaliger Pessimisten gekommen, wodurch sich die Gruppe der Bären um mehr als ein Viertel verringert hat. Die große Mehrheit der Wechselwilligen, ca. 80 Prozent, hat sich übrigens zu den neutral gestimmten Akteuren begeben, während die verbliebene Minderheit per Saldo immerhin ein neues bullishes Engagement wagte.


Privatanleger längerfristig orientiert


Die Privatanleger haben sich unterdessen kaum bewegt – der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels stieg um einen Punkt auf einen neuen Stand von -9. Gut möglich, dass die Gewinne der seit fünf Wochen sich in der Mehrheit befindenden Pessimisten nicht hoch genug waren, um zu Gewinnmitnahmen in Form von Rückkäufen zu verleiten. Der wichtigere Grund für die Skepsis in diesem Panel mag allerdings in einer ausgeprägteren Risikowahrnehmung als bei ihren institutionellen Pendants liegen.


Unter dem Strich hat sich wieder einmal eine Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Investoren aufgetan. Möglicherweise, weil letztere zurzeit in einem etwas größeren zeitlichen Rahmen denken und sich mehrheitlich nicht vorstellen können, dass die negativen Einflussfaktoren für Aktien so schnell verschwinden werden. Auf jeden Fall glauben wir nicht, dass die ohnehin umstrittene Börsenregel „Sell in May“ das entscheidende Motiv für das Festhalten an bearishen Engagements gebildet hat.


Auf der anderen Seite kann man auch die Einstellung der institutionellen Investoren bestenfalls als leicht bullish bezeichnen, wenn man etwa die Stimmung in der relativen Sicht auf drei und sechs Monate bewertet. Unter dem Strich hat sich die Ausgangslage für den DAX jedenfalls nicht wesentlich verbessert, zumal der jüngste Anstieg des Börsenbarometers wahrscheinlich auch noch hausgemacht scheint. Somit bleibt die Oberseite des Kursbildes höchstwahrscheinlich durch eine ordentliche Erholung limitiert, die im Bereich von 14.450/14.500 Zählern möglicherweise durch abermalige Abgaben der zuletzt erfolgreichen Bären behindert wird.


Die Unterseite zeigt sich im Vergleich zur Vorwoche schlechter unterstützt, da ein Teil der heimischen Nachfrage im Falle abermaliger Kursrückgänge durch die jüngsten Rückkäufe nun bereits verbraucht ist. Im besten Fall gibt es nun eine Konsolidierung für den DAX.


4. Mai 2022, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



powered by stock-world.de




 

Finanztrends Video zu DAX


 

Werte im Artikel
13.982 plus
+0,72%
0,00010 plus
0,00%
0,16 minus
-8,21%
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...