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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Der Realität Tribut gezollt"




17.09.20 10:09
Redaktion boerse-frankfurt.de

Erneut tragen vor allem ausländische Investoren den Markt, wobei sie langsam die hiesigen anstecken. Kein gutes Zeichen, findet Joachim Goldberg.


Zusammenfassung

Abflauten ihrer Ausdauer zeigten diesmal die Pessimisten unter den mittelfristig orientierten hiesigen Anlegern. 6 Prozent der professionellen und 14 Prozent der privaten Anleger haben seit vergangenem Mittwoch ihre Short-Positionen geschlossen und immerhin 9 Prozent der Privaten auch Aktien gekauft. Da diese nicht so sehr ins Gewicht fallen, waren es für Joachim Goldberg vor allem internationale Investoren, die die Preise nach oben geschoben haben, nämlich um 135 Punkte im eher ruhigen Handel.


Nach Ansicht des Verhaltensökonoms steht ein Sinneswandel hinter der Bewegung in Form von langsam aufkeimendem Konjunkturpessimismus. Das seien aber keine richtig guten Nachrichten für den DAX. An der Unterseite fehle nun Unterstützung. Steige der Optimismus weiter, müsste man langsam anfangen, sich um den DAX Sorgen zu machen.


16. September 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit unserer vergangenen Stimmungserhebung hat der DAX lediglich eine Handelsbandbreite von etwas mehr als 2 Prozent produziert – eine vergleichsweise enge Spanne, die man normalerweise eher während der Sommerferien erwarten würde. Immerhin hat das Börsenbarometer per Saldo noch ein Plus von 1,2 Prozent in der Punktbetrachtung zugelegt. Sicherlich ist die relative Ruhe auch der heute endenden Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) zuzuschreiben. Aber es hätte dennoch etwas mehr Schwung in der leichten Aufwärtsbewegung geben können. Nicht etwa aus Sentiment-technischer Sicht. Aber sofern man der jüngsten Fondsmanager-Umfrage der Bank of America (BofA) Vertrauen schenken mag, gehen nun immerhin netto 84 Prozent der Fondsmanager – also der Saldo aus denjenigen, die das glauben, abzüglich derjenigen, die das nicht tun – davon aus, dass sich das globale Wachstum in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird. Netto 40 Prozent, so viele wie noch nie seit Beginn der Umfrage, glauben sogar an einen starken Wachstumsschub. Das Gros (netto 58 Prozent der Befragten) ist außerdem davon überzeugt, dass sich die Aktien in einem Bullenmarkt befinden, während im Mai noch netto 68 Prozent der Fondsmanager von einer Rallye im Bärenmarkt sprachen!


Pessimisten zeigen Reaktion


Nun scheint sich dieser Optimismus zumindest ein wenig auch bei den von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren niedergeschlagen zu haben. Denn der Börse Frankfurt Sentiment Index ist gegenüber der Vorwoche um 7 Punkte auf einen Stand von -1 Punkt gestiegen. Somit verfügen die Pessimisten nur noch über eine hauchdünne Mehrheit, nicht zuletzt, weil es so etwas wie eine Einsicht gegeben zu haben scheint, dass Abwärtsbewegungen derzeit nicht weit genug tragen, um richtig Kapital aus ihnen schlagen zu können. Zumindest haben Pessimisten zum ersten Mal seit Wochen Reaktion gezeigt und ihre vermutlich unprofitabel gewordenen Engagements glattgestellt. Damit ist die Gruppe der Bären auf den niedrigsten Stand seit dem 25. März geschrumpft.


… bis hin zur Kapitulation (Privatanleger)


Eine ähnliche Entwicklung, wenngleich viel stärker, hat es auch bei den Privatanlegern gegeben. In diesem Panel hat tatsächlich eine Kapitulation der Pessimisten stattgefunden, so dass unser Börse Frankfurt Sentiment-Index um 23 Punkte auf einen Stand von +9 gestiegen ist. So hoch stand er zuletzt in diesem Jahr am Ende des Monats März. Dabei ist das Bärenlager um fast ein Drittel geschrumpft, wobei sich rund 65 Prozent der Abwanderer direkt zu den Optimisten bewegt und somit ihre Engagements um 180 Grad gedreht haben. Das Motiv für diesen Sinneswandel dürfte ähnlich wie bei den institutionellen Pendants gewesen sein, möglicherweise unterstützt durch einen neuen Konjunkturoptimismus.


International weniger gefragt


Bemerkenswert ist allerdings, dass sich die Kapitulation der Pessimisten nicht stärker in steigenden DAX-Kursen gezeigt hat. Die Ursache für diese recht überschaubare Reaktion mag auf Abflüsse langfristigen Kapitals zurückzuführen sein. Denn die vorgenannte BofA-Umfrage hatte außerdem ergeben, dass die internationalen Fondsmanager ihre deutlich Übergewichtung in Aktien der Eurozone zurückgenommen haben: Per Saldo erklärten nur noch 22 Prozent (Vormonat 33 Prozent) der Befragten, in Euro-Aktien übergewichtet zu sein.


Auch wenn die heutige Befragung absolut betrachtet nur bei den Privatanlegern einen neuen Optimismus erkennen lässt, ist dieser in der relativen Betrachtung auf Sicht von sechs Monaten erheblich ausgeprägter: Bei dieser Betrachtung ergeben sich sowohl für die privaten als auch für die institutionellen Investoren recht ähnliche Werte von +18 Punkten. Unter dem Strich sind dies keine richtig guten Nachrichten für den DAX. Denn künftig dürfte die Unterseite nicht mehr so gut wie zuvor unterstützt sein, weil die früheren Pessimisten beider Panels im Falle von Rücksetzern als Nachfrager ausfallen. Wäre der Optimismus bei den institutionellen Investoren größer, müsste man langsam anfangen, sich um den DAX Sorgen zu machen.


16. September 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



Sentiment-Index institutioneller Anleger
  Bullish Bearish Neutral
Total 35% 36% 29%

ggü. letzter Erhebung


+1% -6%

+5%


DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.220 (+155 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -1 Punkt (Stand Vorwoche: -8 Punkte)


Sentiment-Index privater Anleger
  Bullish Bearish Neutral
Total 40% 31% 29%

ggü. letzter Erhebung


+9% -14% +5%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.220 (+155 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +9 Punkte (Stand Vorwoche: -14 Punkte)


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 




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