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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Nur keine Panik"




07.01.21 08:05
Redaktion boerse-frankfurt.de

Die Profis haben zum Jahreswechsel ihre Performance aufgehübscht und die Privatanleger Gewinne mitgenommen. Nun sitzt die Referenz für Wohl und Wehe 2021 einige Punkte tiefer.


Zusammenfassung

Vor allem professionelle Anleger fallen bei der heutigen Stimmungserhebung durch einen krassen Meinungswechsel auf. 27 Prozent haben Aktien verkauft, 12 Prozent sind direkt short gegangen. Der Sentimentindex fällt um 39 (!) auf -16 Punkte. Zwar verursacht die Nachrichtenlage nach Ansicht von Joachim Goldberg wohl eine gewisse Skepsis. Aber unterm Strich seien es vermutlich Verschönerungskäufe vor dem Jahreswechsel gewesen. Nun stünden die Uhren wieder auf Null.


Anders die Privatanleger, die in Teilen Gewinne mitgenommen hätten. 7 Prozent weniger auf der Long- und 9 Prozent mehr auf der Short-Seite drücken den Sentimentindex dieser Gruppe auf +9 Punkte. In Summe sieht der Verhaltensökonom stimmungstechnisch eine gute Ausgangslage. Nach unten sei zwischen 13.250 und 13.300 Punkten mit Rückkäufen zu rechnen.


6. Januar 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nun liegt unsere letzte Stimmungserhebung bereits einige Zeit zurück; sie datiert vom 16. Dezember 2020. Und in der Woche vor Weihnachten konnte man eine durchweg positive Stimmung für Aktien feststellen: Bei den internationalen Fondsmanagern fast schon euphorisch, aber hierzulande vergleichsweise optimistisch mit angezogener Handbremse. Dies dürfte dazu geführt haben, dass bis zum Jahresende hier und da noch Adjustierungen von Positionen vorzunehmen waren, die dem DAX immerhin ein neues Allzeithoch bescherten.


Dass die zwischenzeitlichen Kursgewinne von rund 2,6 Prozent seit der vergangenen Erhebung im neuen Jahr bislang nicht konserviert werden konnten, mag zumindest kurzfristig den Stichwahlen im US-Bundesstaat Georgia geschuldet sein, die vielerorts mit Spannung erwartet wurden. Denn der Ausgang dieser Wahlen würde die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat möglicherweise verändern und letztlich darüber entscheiden, ob der designierte Präsident Joe Biden in Zukunft gegen eine republikanische Senatsmehrheit oder mit Unterstützung der eigenen Partei, den Demokraten, regieren könnte. Ob Letzteres der Fall sein würde, stand indes bis zum heutigen Erhebungsende noch nicht fest.


Deutlicher Stimmungswechsel


Trotz dieser noch offenen Stichwahl hat sich die Stimmung der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren gegenüber der letzten Erhebung aus dem Vorjahr drastisch verschlechtert. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 39 Punkte auf einen Stand von -16 regelrecht abgestürzt.


Auf den ersten Blick zumindest könnte man durchaus auf die Idee kommen, dass plötzlich Panik aufgekommen sei, zumal sich das Bullenlager um mehr als die Hälfte auf einen Stand von 25 Prozent aller Befragten reduziert hat. Allerdings trägt diese Veränderung zu großen Teilen dem Umstand Rechnung, dass mit dem Jahreswechsel vielerorts die Uhren gewissermaßen auf null gestellt werden und bis dato aufgelaufene Gewinne und Verluste mental ausgebucht werden. Deswegen kann von plötzlich aufgekommener Panik keine Rede sein, bestenfalls von einer gewissen Skepsis.


Tatsächlich dürfte dem letzten Referenzpunkt von 2020, dem Jahresschlusskurs von rund 13.720 DAX-Zählern, für die künftige Wahrnehmung von Gewinnen und Verlusten die eigentliche Bedeutung zukommen.


Privatanleger vergleichsweise gelassen


Für diese Interpretation spricht auch die Stimmungsentwicklung bei den Privatanlegern, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index zwar ebenfalls, auf einen Stand von +9, gesunken ist, wobei das Minus mit 16 Punkten aber vergleichsweise gering ausgefallen ist. Angesichts des seit der vorherigen Erhebung vom 16. Dezember zwischenzeitlich erreichten neuen Allzeithochs (rund 13.907 Zähler) zeigen die Verschiebungen zwischen den einzelnen Gruppen, dass es nicht nur zu Gewinnmitnahmen gekommen ist. Vielmehr haben sich die abgewanderten Bullen direkt zu den Pessimisten gesellt und somit ihre Engagements um 180 Grad auf „short“ gedreht.


Mit der heutigen Befragung hat sich also eine deutliche Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Investoren aufgetan. Nicht zuletzt, weil der Bilanzstichtag insbesondere für die institutionellen Anleger eine besondere Rolle gespielt haben mag und mit dem neuen Jahr automatisch eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Und so ist es auch verständlich, wenn die institutionellen Investoren gerade angesichts der per Saldo guten DAX-Performance des Vorjahres am Anfang etwas vorsichtiger agieren. Für die Privatanleger dürfte der Jahresultimo indes weitaus weniger bedeutend gewesen sein, aber dennoch mancherorts zu Gewinnmitnahmen gereizt haben. Vielleicht nicht einmal primär wegen vorgenannter US-Stichwahl, sondern womöglich auch unter dem Eindruck der jüngsten hiesigen Verlängerung bzw. Verschärfung des Covid-19-Lockdowns.


Für den DAX ergibt sich damit eine insgesamt günstige Situation, denn im Falle von größeren Rücksetzern würden die Pessimisten von heute dem DAX in Form von Rückkäufen, möglicherweise zwischen 13.250 und 13.300 Zählern, eine gute Stütze sein.


6. Januar 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



Sentiment-Index institutioneller Anleger
  Bullish Bearish Neutral
Total 25% 41% 34%

ggü. letzter Erhebung


-27% +12%

+15%


DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 13.660 (+110 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -16 Punkte (Stand vergangene Erhebung: +23 Punkte)


Sentiment-Index privater Anleger
  Bullish Bearish Neutral
Total 44% 35% 21%

ggü. letzter Erhebung


-7% +9% -2%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 13.660 (+110 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +9 Punkte (Stand vergangene Erhebung: +25 Punkte)


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 




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