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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Nicht zu viel des Guten"




11.01.18 07:20
Redaktion boerse-frankfurt.de


Hiesige Anleger beantworten den rasanten Kursgewinn der vergangenen Tage mit Gewinnmitnahmen, was die Rahmenbedingung für steigende Preise weiter verbessert. Zusammenfassung Der DAX hat nach seinem zögerlichen Jahresauftakt inzwischen Gas gegeben und seit der vorherigen Erhebung 410 Punkte zugelegt. Das scheint etlichen Institutionellen ausreichend Gewinn zum Mitnehmen gewesen zu sein. 6 Prozent der Befragten haben sich aus Aktien und sogar 7 Prozent an den Seitenrand verzogen, also ganz raus aus dem Markt. Das drückt den Sentiment-Index auf +12 Punkte. 

Nach Ansicht von Joachim Goldberg warten diese Anleger jetzt auf günstigere Einstiegspreise. 

Anders haben die privaten Anleger reagiert, von denen 2 Prozent Aktien gekauft und sich immerhin 6 Prozent von ihren Short-Engagements getrennt haben. Auch wenn bei dieser Anlegergruppe das neutrale Lager um 4 Prozent der Befragten gewachsen ist, steht der Sentiment-Index hier mit +28 Punkten weit über dem der Profis. Dennoch hält der Verhaltensökonom den Optimismus der Privatanleger noch nicht für übertrieben, setzt man ihn in Verhältnis zu den Vorjahreswerten. 

Für das Kursplus hierzulande scheinen also andere Kräfte verantwortlich zu sein, vermutlich internationale Investoren. Das bringt zumindest die Profis in eine Schieflage - wachsender Pessimismus bei steigenden Kursen mit der Gefahr, später teuer hinterherlaufen zu müssen. Für den DAX zieht Goldberg weiter ein positives Fazit. Nach unten sei die Gruppe der potentiellen Unterstützer weiter gewachsen, nach oben sollte ein mögliches neues Allzeithoch, an das der Index in den vergangenen Tagen immerhin auf knapp 100 Punkte heran kam, die Skeptiker überzeugen.


10. Januar 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es mag derzeit viele Anleger geben, die sich angesichts der globalen Aktienrallye von Tag zu Tag verwundert die Augen reiben und sich immer wieder die Frage stellen: "Kann das wirklich so weitergehen?" Natürlich gibt es vor allen Dingen für US-Aktien einen Grund, der für steigende Kurse auf der Hand liegt: die dortige Steuerreform. Aber hierzulande scheint man etwas vorsichtiger zu sein. Zumindest hat der jüngste Aufschwung des DAX einige Akteure auf dem falschen Fuß erwischt, denn das Börsenbarometer ist seit vergangenen Mittwoch um 3,2 Prozent gestiegen. Vor allen Dingen die Angst zu Jahresbeginn, es könnte erst einmal zu einem Abverkauf deutscher Aktien kommen, hat sich erwartungsgemäß nicht bewahrheitet. 

Allerdings scheinen die institutionellen Anleger überwiegend nicht für den jüngsten Anstieg deutscher Standardwerte verantwortlich gewesen zu sein. Denn unsere heutige Stimmungsumfrage belegt, dass es sogar zu Positionsglattstellungen bzw. Gewinnmitnahmen vormaliger Börsenbullen gekommen ist. Dies zeigt der Börse Frankfurt Sentiment-Index, der um 5 Punkte auf einen Stand von +12 Punkte gefallen ist. Allerdings haben sich die vormaligen Optimisten nicht wirklich auf die Bärenseite getraut, sondern scheinen eher auf einen Wiedereinstieg auf günstigerem Niveau zu warten - fast alle finden sich nun wieder im Lager der neutral Gestimmten. Tatsächlich dürfte es für die Gewinnmitnahmen ökonomisch wenige Gründe gegeben haben. Auch wenn gerade zu Jahresanfang immer wieder behauptet wurde, der starke Euro sei Gift für feste Aktienkurse, ist dieses Argument nicht wirklich überzeugend. Gerade wenn man etwa gestern den deutschen Handelsbilanzüberschuss betrachtet, der im Dezember die Erwartungen auf der positiven Seite übertraf. 

Im Rückenwind der Hausse


Bei den Privatanlegern ergibt sich indes ein völlig anderes Bild. Nicht nur weil deren Börse Frankfurt Sentiment-Index um 8 Punkte auf einen Stand von +28 Punkte gestiegen ist. Vielmehr gab es in dieser Gruppe sogar eine kleine Kapitulation vormals pessimistisch eingestellter Akteure, während die Gruppe der Optimisten allerdings kaum angestiegen ist. Dennoch sind die Privatanleger in diesem Jahr deutlich positiver gestimmt als ihre institutionellen Pendants. 

Während sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index der Privatanleger verglichen mit Vorjahreswerten immer noch nicht übertrieben positiv, also nicht zu viel des Guten zeigt, ist die Stimmung bei den Institutionellen bezogen auf das letzte Quartal sogar relativ schlecht. Zumindest wird deutlich, dass die jüngsten Abgaben dem DAX kaum geschadet haben. 

Tatsächlich könnte der deutliche Anstieg des Börsenbarometers während des Berichtszeitraums auch auf das Konto ausländischer Kapitalzuflüsse gehen. Zumindest hat sich durch die heutige Erhebung die Gefahr einer sogenannten Bias, also eine sich verschlechternde Stimmung bei gleichzeitig steigenden Kursen unter den institutionellen Anleger ergeben. Sollte das Börsenbarometer tatsächlich unter Druck geraten, wäre auf jeden Fall genügend Nachfrage durch einen Neueinstieg mancher Investoren in die Schwäche vorhanden, womit um größere Korrekturen vermieden werden dürften. Noch interessanter würde sich das Geschehen indes gestalten, falls der DAX sein bisheriges Allzeithoch bei 13.525 Zählern knacken sollte. Dann würden auch die letzten Skeptiker in Erklärungsnöte kommen. Stimmungstechnisch sind wir also für den DAX nach wie vor positiv eingestellt.


Börse Frankfurt Sentiment-Index



  

Institutionelle Anleger



Bullish Bearish Neutral
Total 42% 30% 28%
ggü. letzter Erhebung -6% -1% +7%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.350 (+410 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +12 Punkte (Stand Vorwoche: +17 Punkte)


DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum




 

Private Anleger



Bullish Bearish Neutral
Total 53% 25% 22%
ggü. letzter Erhebung +2% -6% +4%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.350 (+410 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +28 Punkte (Stand Vorwoche: +20 Punkte)


10. Januar 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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