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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Die Luft ausgegangen?"




10.06.21 09:02
Redaktion boerse-frankfurt.de

Zum fünften Mal hintereinander konnte der DAX bei unserer Stimmungserhebung gegenüber der Vorwoche ein Plus verbuchen. Mit unterschiedlichen Folgen für institutionelle Investoren und Privatanleger.


Zusammenfassung

Trotz zweier neuer Allzeithochs seit unserer letzten Sentiment-Erhebung scheint dem DAX etwas die Luft auszugehen. Das niedrige Aufwärtsmomentum hat zumindest bei den institutionellen Investoren einige vormalige Pessimisten zu neuen Positionierungen verlockt. Dabei handelt es sich vermutlich nicht um einen grundsätzlichen Pessimismus, sondern nach Ansicht von Joachim Goldberg eher um den Versuch, mit möglichen DAX-Rücksetzern etwas Extra-Rendite zu generieren. Diesem Erfolgsdruck sind Privatanleger nicht ausgesetzt. Das erklärt nach Auffassung des Verhaltensökonomen den recht hohen Anteil neutral gestimmter Akteure in diesem Panel. Gleichzeitig hat sich die Stimmungskluft zu den institutionellen Pendants weiter vergrößert. Insgesamt sind dies keine schlechten Vorzeichen für den DAX.


9. Juni 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eine Handelsspanne von rund 1,6 Prozent ergab sich seit unserer vergangenen Stimmungserhebung für den DAX, immerhin verbunden mit zwei neuen Allzeithochs! So könnte man die Handelstage seit dem vergangenen Mittwoch knapp zusammenfassen. Aber eines ist auch offenkundig: Es ist merklich ruhiger geworden um den DAX, als ob die Akteure nicht mehr so recht weiter wüssten und als ob dem Aufwärtsmomentum die Luft ausgegangen wäre. Aber es scheint auch die Fantasie für stärkere Gegenbewegungen nach unten zu fehlen. Tatsächlich befinden sich nicht nur die Börsianer jenseits des Atlantiks in einer Art Hängepartie. Wobei – absolut gesehen – ein gar nicht mal so schlechter US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag hinter, und das wohl wichtigste Ereignis in dieser Woche, die Publizierung der Entwicklung des US-Konsumentenpreis-Index am morgigen Donnerstag (für den Monat Mai), vor uns liegt. Auch wenn man sich vielerorts von diesen Daten einen Hinweis darauf erhofft, wie es in Sachen Inflation weitergehen könnte – zumindest die Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank dürfen sich aufgrund der Schweigeperiode vor der Sitzung am 15./16. Juni dazu ohnehin nicht äußern.


Pessimisten sind zurück


Und so wundert es auch nicht, dass sich die Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont kaum verändert hat. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist wieder um 4 Punkte auf einen Stand von -14 gefallen. Damit befindet sich das Stimmungsbarometer exakt auf dem gleichen Stand wie vor zwei Wochen, auch die Verteilung zwischen Bullen und Bären ist identisch. Mit anderen Worten: Per Saldo sind die Pessimisten, die sich in der Vorwoche zurückgezogen hatten, wieder zurückgekehrt. Wahrscheinlich auf deutlich höherem Niveau, als dies die Veränderung des DAX im Wochenvergleich von lediglich +0,4 Prozent vermitteln mag. Im gleichen Zuge hat sich auch das Bullenlager leicht erhöht.


Bei den Privatanlegern hat sich der gegenläufige Trend aus der Vorwoche weiter verstärkt. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist nun zum vierten Mal hintereinander gestiegen – dieses Mal um 4 Punkte auf einen neuen Stand von +10. Dabei geht dieser Zuwachs nicht etwa auf eine größere Zahl von Optimisten zurück. Im Gegenteil: Der Indexanstieg verdankt sich zu großen Teilen Pessimisten, die ihre Haltung überdacht und sich zu den neutral gestimmten Akteuren gesellt haben. Tatsächlich befindet sich diese Gruppe mit einem Anteil von 32 Prozent aller Privatanleger auf Jahreshöchststand!


Starke Stimmungskluft


Per Saldo lässt sich anhand der heutigen Erhebung eine noch größere Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Investoren feststellen. Mehr noch: Während die Gruppe der neutral gestimmten Akteure bei den Privatanlegern auf dem höchsten Stand des Jahres liegt, befindet sich im Gegensatz dazu die gleiche Gruppe bei den institutionellen Investoren auf dem niedrigsten Niveau des Jahres.


Es wäre jedoch voreilig, daraus eine fundamental gegensätzliche Markteinschätzung zwischen diesen beiden Panels ableiten zu wollen. Dass sich fast ein Drittel der Privatanleger an die Seitenlinie begeben hat, mag dem Umstand geschuldet sein, dass für diese – im Gegensatz zu manchem aktiven institutionellen Investor – nicht der Zwang besteht, den Markt schlagen und die Performance des DAX übertreffen zu müssen. Letztlich hoffen zumindest die neuen Pessimisten, mithilfe von DAX-Rücksetzern die eigene Erfolgsbilanz etwas aufzubessern. Geht die Rechnung auf, dürfte die Nachfrage dieser Akteure aufgrund von Eindeckungen dem DAX im Bereich zwischen 15.250 und 15.300 Zählern eine Stütze sein. Unter dem Strich hat sich die Lage des DAX gegenüber der Vorwoche geringfügig verbessert.


9. Juni 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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