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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Immer wieder gegen den Trend"




08.04.21 08:54
Redaktion boerse-frankfurt.de

Während deutsche Aktien weiter am Allzeithoch rütteln, kleben viele Anleger an ihren pessimistischen Erwartungen. Was keine schlechte Ausgangslage für weitere Rekorde sein kann.


Zusammenfassung

Der DAX ist mit einem neuen Allzeithoch in die kurze Handelswoche gestartet, hiesige Anleger zeigen sich aber eher skeptisch. Zumindest die professionellen Investoren, von denen 6 Prozent Aktien verkauft und direkt short gegangen sind. Der Sentiment-Index dieser Gruppe fällt auf -7 Punkte. Wobei Joachim Goldberg dahinter weniger echte Skepsis, sondern eher den Versuch vermutet, auf niedrigerem Niveau wieder einzusteigen. Private Anleger sind mit einem Sentiment-Index von +4 Punkten eher passiv geblieben. Der Verhaltensökonom findet es aber bemerkenswert, dass diese Gruppe kaum Gewinne mitnehmen will.


Unterm Strich sieht Goldberg den Markt in einer guten Position für weitere Gewinne. Nach unten stützt potenzielle Nachfrage zwischen 14.900 und 14.950 Punkten und nach oben droht den hartnäckigen Bären, die vermutlich schon unter Wasser liegen, ein Short-Squeeze.


7. April 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Während die Aktienmärkte hierzulande aufgrund des langen Osterwochenendes geschlossen blieben, ging die Börsenrallye in den USA ungebremst weiter. Und dies nicht ohne Grund. Denn die US-Wirtschaft erholt sich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. So überraschte vor allen Dingen der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat März in der vergangenen Woche auf der positiven Seite, was die US-Aktienmärkte am Ostermontag teilweise mit neuen Allzeithochs honorierten.


Aber auch das rund 2,3 Billionen US-Dollar starke geplante Infrastrukturpaket von US-Präsident Joe Biden ließ mancherorts die Konjunkturfantasien regelrecht explodieren. Obwohl das Paket unter anderem durch eine Anhebung des Unternehmenssteuersatzes finanziert werden soll. Ja, die US-Finanzministerin Janet Yellen ging in einer eindrucksvollen Rede zu Wochenbeginn noch einen Schritt weiter, indem sie sich für einen globalen Mindeststeuersatz für Unternehmen stark machte. Dessen ungeachtet hat der DAX im Wochenvergleich ebenfalls profitiert und zeitigt zum sechsten Mal hintereinander einen Gewinn, dieses Mal von 1,5 Prozent im Punktvergleich.


Mit der Absicht, die Performance zu verbessern


Nun müssen wir ein weiteres Mal feststellen, dass die Mehrheit der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Ausblick der laufenden DAX-Rallye zu misstrauen scheint. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist nach dem leichten Anstieg der Vorwoche wieder und sogar etwas deutlicher gefallen. Und zwar um 12 Punkte auf einen neuen Stand von -7 Punkte. Dabei haben sich 6 Prozent aller Befragten nicht nur damit begnügt, die aufgelaufenen Gewinne zu realisieren, sondern haben sich fast vollumfänglich direkt auf die Bärenseite geschlagen. Es ist vermutlich im Kern eine Gruppe von Akteuren, die immer wieder versucht, eher kurzfristig bei Rücksetzern des DAX ihre Performance zu verbessern. Indes: Nennenswerte Rückschläge sind zuletzt ausgeblieben.


Bei den Privatanlegern hat sich die Stimmung gegenüber der Vorwoche dagegen fast gar nicht verändert. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist gerade einmal um 2 Punkte auf einen neuen Stand von +4 Punkte gefallen. Bemerkenswert: Die bullishe Mehrheit in diesem Panel ist zwar während der vergangenen Wochen etwas geschrumpft, aber die Gewinnmitnahmen halten sich angesichts der Tatsache, dass wir für den DAX zum sechsten Mal hintereinander zum Zeitpunkt unserer Sentiment-Erhebung einen höheren Kurs ermitteln, doch in Grenzen. Es handelt sich immerhin um 40 Prozent aller Befragten, die selbst nach einem Anstieg des DAX von mehr als 9 Prozent während dieses Zeitraums nicht ihre Gewinne realisieren wollen.


Geduldige Privatanleger


Abgesehen davon, dass sich die Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Akteuren mit der heutigen Befragung wieder vergrößert hat, sind erstere pessimistischer eingestellt, als dies auf den ersten Blick aussehen mag. Denn wenn man für unseren Börse Frankfurt Sentiment-Index den Drei- bzw. Sechsmonats-Vergleich heranzieht, sind die institutionellen Investoren nämlich so pessimistisch eingestellt wie zuletzt im August vergangenen Jahres. Damit ist jedoch nicht notwendigerweise eine tatsächlich mittelfristig negative Einschätzung des Börsengeschehens verbunden. Vielmehr dürfte es sich um den Versuch handeln, auf niedrigerem Niveau günstiger in das Handelsgeschehen als Käufer wieder einzusteigen, möglicherweise bereits zwischen 14.900 und 14.950 Zählern. So gesehen ergibt sich dort eine Stütze für den DAX.


Unklar ist allerdings auf der anderen Seite, wie lange nicht nur die Pessimisten von heute tatenlos zusehen werden, falls der DAX weitere Höhen erklimmen sollte. Fest steht jedenfalls: Die Stimmung ist angesichts des Kursanstiegs der vergangenen Wochen zu schlecht und ein Indiz dafür, dass nicht wenige Akteure einen großen Teil der Rallye verpasst haben. Für den DAX bleibt daher das Sentiment-technische Bild nach wie vor günstig, und das Risiko einer Short-Squeeze im Falle neuer Rekordhochs ist mit der heutigen Befragung gestiegen.


7. April 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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