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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Dramatische Nachrichten – gelassene Anleger"




08.10.20 08:16
Redaktion boerse-frankfurt.de

Preisschwankungen bringen wenig Anleger in Bewegung, die Stimmung bleibt neutral im engen Band.


Zusammenfassung

Nachrichtliche Wechselbäder aus den USA haben den DAX erst nach unten, dann wieder nach oben gedrückt. Während 7 Prozent der professionellen Anleger nach Ansicht von Joachim Goldberg die Kursdelle zum Eindecken der Short-Engagements genutzt haben, seien etliche Privatanleger mit Gewinnen aus ihren Aktien ausgestiegen und direkt auf die Short-Seite gewechselt. Beide Sentiment-Indizes stehen jetzt mit +11 bzw. +5 Punkten wieder näher beieinander.


Der Verhaltensökonom sieht ein eher unverändertes Stimmungsbild: Unten sollte zwischen 12.550 und 12.600 Punkten die Nachfrage grundsätzlich positiv gestimmter Investoren stützen. An der Oberseite rechnet Goldberg zwischen 13.200 und 13.250 Punkten mit einer Bremse. "Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Situation des DAX gegenüber der Vorwoche leicht verbessert hat."


7. Oktober 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es waren die Schlagzeilen um US-Präsident Donald Trump, die seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung die Nachrichtenlage auch hierzulande beherrschten. Natürlich hatten die Aktienmärkte als Reaktion auf die dramatische Nachricht, dass Donald Trump an Covid-19 erkrankt sei, am vergangenen Freitag erst einmal nachgegeben. Aber doch weitaus weniger, wie dies einige Kommentatoren anfangs befürchtet hatten. Und so fand etwa der DAX im von uns für erste Nachfrage anvisierten Bereich zwischen 12.500 und 12.550 Zählern vergleichsweise früh seinen Boden. Und nach dem Wochenende schien sowieso erst einmal alles Negative vergessen, als Trump von seinem Krankenhausaufenthalt heimkehrte.


Tatsächlich nahmen die Finanzmärkte davon aber kaum Notiz und konzentrierten sich wohl auf die Verhandlungen zum Stimulus-Paket in den USA zwischen Republikanern und Demokraten. Verhandlungen, die Donald Trump gestern Nacht erst einmal bis nach dem Wahltag am 3. November völlig überraschend auf Eis legte. Allerdings ohne Folgen für den DAX, der trotz erneuter Panikmache vieler Kommentatoren lediglich auf eine Handelsbandbreite von rund 3,3 Prozent seit vergangenem Mittwoch kam.


Rücksetzer zum Einstieg genutzt


Bei der Stimmung der von uns wöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren hat sich allerdings trotz all dieser möglicherweise aufwühlenden und alles andere in den Hintergrund drängenden Nachrichten nicht viel geändert. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gerade einmal um 6 Punkte auf einen Stand von +11 Punkte gestiegen. Dies ist übrigens der höchste Stand seit dem 18. März. Dabei kann man davon ausgehen, dass ein paar Investoren – es handelt sich lediglich um 4 Prozent aller Befragten – die vergleichsweise günstigen Einstiegsniveaus aus der Vorwoche zur Glattstellung ehemals bearisher Engagements genutzt haben dürften.


Profitable Privatanleger


Die entgegengesetzte Entwicklung gab es fast schon zwangsläufig bei den Privatanlegern, die in der Vorwoche im Gegensatz zu den institutionellen Pendants ausgesprochen optimistisch eingestellt waren. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels fiel um 12 Punkte auf einen Stand von nur noch +5. Dabei gab es nicht nur Gewinnmitnahmen von rund einem Zehntel aller früheren Optimisten. Diese drehten sogar mehrheitlich ihre Positionen um 180 Grad, um von nun an auf der Bärenseite mitzuspielen. Die Nachrichtenlage scheint diese Verhaltensweise – neben dem Motiv, Gewinne sichern zu wollen – begünstigt zu haben.


Mit der heutigen Erhebung haben sich die institutionellen Investoren und die Privatanleger aus verschiedenen Richtungen kommend einander wieder angenähert. Dabei ist der Optimismus der Institutionellen absolut betrachtet mit +11 nicht weiter auffällig. Allerdings ist der relative Optimismus in diesem Panel auf Sicht von sechs Monaten deutlich gestiegen und befindet sich nun auf dem höchsten Stand seit November 2018. Damit ergibt sich zwar kein euphorisches Umfeld, aber doch eine Verbesserung in der optimistischen Grundstimmung. Darüber hinaus dürfte der 1,2-prozentige Anstieg des DAX im Punktvergleich überwiegend hausgemacht gewesen sein.


Per Saldo hat sich an der stimmungstechnischen Lage des DAX jedoch nicht viel verändert. Dabei hilft dem Börsenbarometer im Falle erneuter Rücksetzer möglicherweise weitere Nachfrage im Bereich zwischen 12.550 und 12.600 Zählern von grundsätzlich positiv gestimmten Investoren. Allerdings scheint die Oberseite zwischen 13.200 und 13.250 Punkten gedeckelt, so dass dort stärkere DAX-Avancen gebremst würden. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Situation des DAX gegenüber der Vorwoche leicht verbessert hat.


7. Oktober 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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