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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "DAX-Korrektur mancherorts willkommen"




22.07.21 08:19
Redaktion boerse-frankfurt.de

Trotz guter Gelegenheit haben nur einige Profis auf der Börenseite Kasse gemacht, währen private Anleger weitere Verluste erwarten.


Zusammenfassung

Wenige Gewinnmitnahmen der professionellen Bären und vermehrte Antizipation fallender Preise bei den privaten Anlegern - die Reaktionen auf die DAX-Delle von 4,8 Prozent im Verlauf sind bei den bei den Anlegergruppen recht unterschiedlich ausgefallen. In der Summe ist die Stimmung der Anleger wieder auf einem ähnlichen Niveau mit -6 bzw. -8 Punkten. Was Joachim Goldberg in der relativen Betrachtung als neutral bis positiv bewertet. 


Nach Ansicht des Verhaltensökonoms haben sich die Rahmenbedingungen für Kursgewinne eher verschlechtert. Goldberg sieht den DAX in einer breit angelegte Konsolidierung mit einer wackeligen Stütze durch Käufe bei 14.850 bis 14.900 Punkten. Insbesondere wenn sich ausländische Investoren von deutschen Aktien trennen sollten, die im Moment stark investiert seien.


21. Juli 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von ruhigen Urlaubsmärkten konnte man seit unserer vergangenen Erhebung weiß Gott nicht sprechen. Denn der DAX markierte nicht nur ein neues Allzeithoch, sondern zeigte sich auch von seiner anderen Seite, die der Mehrheit der von uns befragten institutionellen Investoren sicherlich gefallen haben dürfte: Die Rede ist vom größten Rücksetzer, den das Börsenbarometer seit Januar diesen Jahres über sich ergehen lassen musste. Möglicherweise war die Korrektur mit einem Minus von zeitweise 4,8 Prozent gegenüber dem Allzeithoch auch stärker als mancherorts gedacht ausgefallen.


Auch wenn es keinen direkten fundamentalen Auslöser für diesen Rücksetzer gegeben haben mag, konnte man sich aus dem Baukasten der bearishen Argumente einiges aussuchen. Sei es die plötzlich aufgekommene Risikoaversion, die sich in gestiegenen Anleihekursen dies- und jenseits des Atlantiks manifestierte – vielerorts war plötzlich von den möglicherweise negativen Auswirkungen der Delta-Virus-Variante auf die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie die Rede. Obwohl sich die Teilnehmer an den Aktienmärkten seit mehr als einem Jahr über weite Strecken wenig um derartige Ängste geschert hatten.


Vergleichsweise wenig Gewinnmitnahmen


Als schließlich zum Erhebungszeitpunkt unserer Sentiment-Umfrage noch ein Wochenverlust von 2,9 Prozent übrig blieb, stellte sich mancherorts dennoch die Frage, ob der DAX wie schon so oft wieder durch Käufe in die Schwäche gerettet würde oder ob diesmal alles anders kommen würde. Immerhin traut ein Teil der von uns befragten institutionellen Investoren dem DAX eine weitergehende Erholung als die bisherige zu. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 9 Punkte auf einen Stand von -6 gestiegen. Nicht zuletzt, weil per Saldo eine Gruppe von rund 4 Prozent aller Befragten ihre Meinung um 180 Grad von bearish auf bullish gedreht hat. Dennoch hat ein Teil der Bären aus der Vorwoche bemerkenswerterweise seine pessimistische Einstellung beibehalten und auf Gewinnmitnahmen verzichtet.


Bei den zuvor optimistischer eingestellten Privatanlegern gab es indes einen Stimmungswechsel in die andere Richtung. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index fällt mit der heutigen Befragung um 8 Punkte auf einen Stand von -4 und liegt dadurch genau auf dem Niveau von vor 14 Tagen. Dabei kam es zu relativ wenigen Stopp-l oss-Verkäufen – das Gros der neuen Bären geht auf vormals neutral eingestellte Investoren zurück.


Wird sich die DAX-Geschichte wiederholen?


Mit der heutigen Sentiment-Erhebung sind Privatanleger und institutionelle Investoren hinsichtlich ihrer Stimmung wieder fast gleichauf. Dennoch ist es bemerkenswert, dass nur etwas mehr als 60 Prozent der institutionellen Bären aus der Vorwoche bislang ihre Gewinne realisiert haben. Aber auch wenn der Börse Frankfurt Sentiment-Index noch einen Pessimismus von -6 aufweist, muss man in der relativen Betrachtung auf sechs Monate eher von einer neutralen Einstellung sprechen – bezogen auf drei Monate lässt sich sogar ein leichter Optimismus bei den Investoren erkennen.


Unter dem Strich ist festzuhalten, dass sich die Situation für den DAX mit der heutigen Befragung tendenziell eher verschlechtert hat. Denn die Rückkäufe der institutionellen Investoren haben noch nicht zu einer durchschlagenden Erholung geführt. Vieles spricht dafür, dass das Börsenbarometer seine breit angelegte Konsolidierung fortsetzen wird, wobei die Unterseite bei ca. 14.850 bis 14.900 Zähler die verletzlichere sein dürfte. Insbesondere, wenn es noch zu Abflüssen ausländischer Kapitalströme kommen sollte, die in Aktien der Eurozone immer noch sehr stark übergewichtet sein dürften. Die heimischen Anleger allein werden jedenfalls Schwierigkeiten haben, den DAX noch einmal höher als bis zum bisherigen Allzeithoch von rund 15.810 zu treiben.


21. Juli 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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