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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Die Bären sind verschwunden"




18.02.21 09:00
Redaktion boerse-frankfurt.de

Deutsche Anleger zeigen eine bemerkenswerte Skepsis gegenüber den Kursgewinnen, was aber dem Umfeld eher ein entspanntes Szenario verschafft. 


Zusammenfassung

Internationale Investoren sind extrem bullish, hierzulande überwiegt die Skepsis. Eindeckungen von Short-Positionen bei 13.830 Punkten, vermutet Joachim Goldberg, drücken den Sentiment-Index der professionellen Investoren auf 0 Punkte, während der DAX unverändert nahe seines Rekords steht. Bemerkenswert: professionelle Bullen, Bären und Neutrale sind mit jeweils 33 bzw. 34 Prozent sehr ausbalanciert. Private Anleger haben sich in dieselbe Richtung bewegt, äußern mit +9 Punkten aber etwas mehr Optimismus. 


Nach Ansicht von Joachim Goldberg sind die Pessimisten von ihrer Haltung nicht wirklich überzeugt sondern warten auf günstigere Einstiegsgelegenheiten, vermutlich zwischen 13.650 und 13.700 DAX-Punkten. Unterm Strich sei die Ausgangslage gut für Kursgewinne deutscher Bluechips.


17. Februar 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Man könnte durchaus den Eindruck bekommen, dass die vergangenen Tage an den Aktienmärkten von Euphorie gekennzeichnet waren. Vor allem mit Blick auf die USA. Zum einen, weil globale Aktienfonds in der vergangenen Woche von einem noch nie da gewesenen Kapitalzufluss der Investoren profitierten.


Und zum anderen ergab die gestern publizierte Umfrage der Bank of America (BofA) für den Monat Februar, dass die internationalen Fondsmanager noch euphorischer als vor einem Monat waren. Denn Optimismus und Risikobereitschaft haben der Umfrage vom 5. bis 11. Februar zufolge neue Rekordstände erreicht.


Dies gilt auch für die Einschätzung der Entwicklung der Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten, die mit netto 91 Prozent der Befragten (dies entspricht dem Saldo zwischen positiven und negativen Antworten!) den bislang höchsten Stand bei der Umfrage markierte. Aber auch die Kassenquote der Fondsmanager befindet sich mit nur 3,8 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit Februar 2013. Und weil auch noch der Anteil der in Aktien übergewichteten Umfrageteilnehmer von netto 53 auf 61 Prozent gestiegen ist, kann man sich durchaus fragen, ob es überhaupt noch Aktienpessimisten gibt. Unterdessen fällt auf, dass der heimische DAX seit der vergangenen Stimmungserhebung weder von der Stelle gekommen, geschweige denn wie die US-Indices ein neues Allzeithoch markieren konnte.


… aber nicht hierzulande


Dass die Aktien-Bären in Deutschland noch nicht verschwunden sind, zeigt indes unsere heutige Sentiment-Umfrage unter den mittelfristig orientierten institutionellen Investoren. Deren Stimmung hat sich gegenüber der Vorwoche insofern etwas verbessert, als unser Börse Frankfurt Sentiment-Index von -5 auf einen Stand von absolut neutralen 0 Punkten gestiegen ist. Dabei konnten wir bei der heutigen Erhebung ein seltenes Ereignis feststellen, das seit Beginn unserer Erhebungen im Jahr 2002 bislang nur ein einziges Mal aufgetreten ist: Alle Gruppen des Panels sind mit je rund einem Drittel der Befragten praktisch gleich stark. Um eine ähnlich ausgeglichene Verteilung zu finden, muss man immerhin bis ins Jahr 2014 zurückgehen.


Die jüngste Verschiebung bei den institutionellen Akteuren geht im Großen und Ganzen auf Eindeckungen ehemaliger Pessimisten zurück, die, allerdings nur in überschaubarem Umfang, den zwischenzeitlichen DAX-Rücksetzer seit unserer vergangenen Erhebung auf 13.830 Punkten zu Rückkäufen genutzt haben dürften.


Auch bei den Privatanlegern hat sich die Stimmung in eher geringfügigem Maße gegenüber der Vorwoche verbessert: Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist um 4 Punkte auf einen Stand von +9 gestiegen. Eindeckungskäufe ehemaliger Pessimisten dürften den größten Teil der Verschiebung darstellen.


Warten auf günstigere Kaufgelegenheiten


Während also die internationalen Investoren extrem euphorisch gewesen sein müssen, sind hierzulande durchaus noch Skeptiker zu finden. Allerdings glauben wir nicht, dass es sich bei den verbliebenen Bären um fundamental pessimistisch eingestellte Akteure handelt. Vielmehr zeigt die Erhebung der Vorwoche, dass viele dieser Investoren vermutlich noch ihre Engagements, die auf Verkäufe der Vorwoche in großem Stil zurückgehen, eindecken werden. Denn der einzig nennenswerte Rücksetzer des DAX im Berichtszeitraum mit einem kurzzeitigen Minus von 1,4 Prozent war bislang nicht attraktiv genug, um zu größeren Kauforders zu verführen. Orders, die wahrscheinlich erst zwischen 13.650 und 13.700 DAX-Zählern greifen werden.


Bemerkenswert ist übrigens unter dem Strich, dass der Anteil derjenigen internationalen Fondsmanager, die in Aktien der Eurozone gemäß BofA übergewichtet sind, gegenüber Mitte Januar von netto 29 auf 20 Prozent gesunken ist, ohne dass dies dem DAX per Saldo geschadet hätte. Alle Faktoren zusammen genommen, bleibt das Umfeld für deutsche Aktien aus Sentiment-technischer Sicht weiterhin günstig, aber von Euphorie kann hierzulande keine Rede sein.


17. Februar 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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