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Kolumnist: Michael Beck, Leiter Portfolio Management

Marktpsyche neigt zu Sorglosigkeit




08.11.17 13:00
Michael Beck, Leiter Portfolio Management

Die Häufung der Amokläufe speziell in den USA und der Terroranschläge weltweit erschrecken. Selbst Donald Trump kommt zu der Erkenntnis, dass die Vereinigten Staaten ein Problem mit psychischen Störungen zu haben scheinen. Dabei ist es doch der 45. US-Präsident, dem eine Vielzahl von Fachspezialisten in den USA, allerdings nur per Ferndiagnose und entgegen den normalen Gepflogenheiten, öffentlich psychische Störungen unterstellt. Ein Fanal, das zeigt, wie groß der Graben zwischen US-Regierung und Teilen des Volkes geworden ist. Dies hindert jedoch die US-Aktienmärkte nicht, beinahe täglich neue Rekordstände aufzustellen. Es scheint so zu sein, dass in Zeiten der Globalisierung und des ungehemmten Bevölkerungswachstums die gesellschaftlichen und individuellen Strukturen immer komplexer und weniger beherrschbar werden. Dasselbe scheint man auch für die Finanzmärkte konstatieren zu können. Die per Algorithmen automatisierten Handelssysteme und die Bündelung von umfangreichen Anlageassets in den Händen sehr großer Kapitalsammelstellen führen zu Marktbewegungen, die zunehmend gleichgerichtetes Anlageverhalten erahnen lassen. Schön, wenn es ruhig nach oben geht, nicht so schön, wenn es einmal zu einer ausgeprägten Marktkorrektur kommen sollte.
 

Die jüngsten Veröffentlichungen über Steuerumgehungspraktiken, die in den „Paradise Papers“ aufgedeckt werden, verdeutlichen bestehende und sich bildende Steuersystem-Konkurrenzen. Unabhängig von der Frage, ob diese Art von Steuervermeidung legal, legitim oder auch nur tolerabel sein kann, stellt sich die Frage, ob das Vorhandensein von Steuerparadiesen in Europa (z. B. Isle of Man, Malta etc.) Grundlage eines weiter zusammenwachsenden Europas sein kann. Das nächste Steuerparadies dürfte mit Großbritannien entstehen, das wahrscheinlich über eine günstige Steuergesetzgebung nach dem wohl eher harten Brexit wieder Wettbewerbsvorteile erlangen möchte.     
 

Wie reagieren die Finanzmärkte? Gänzlich unbeeindruckt. Die Wirtschaftsdaten sind nach wie vor im Rahmen der Erwartungen oder übertreffen diese sogar. Bei einzelnen Aktienwerten trennt sich so langsam die Spreu vom Weizen, denn Unternehmen, die in ihren Quartalsausweisen enttäuschen, werden durchaus an der Börse abgestraft. Die Luft wird an den Aktienmärkten erkennbar dünner, die Neigung zu Gewinnmitnahmen wächst. Solange jedoch die Zinsen in der Nähe ihrer historischen Tiefs verharren, bleiben Aktien erste Wahl in jeder Asset-Allocation. Marktkorrekturen dürften daher von vielen Investoren genutzt werden, um Positionen aufzubauen oder bestehende Positionen zu verstärken.

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