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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Lassen Sie sich nicht einlullen!




15.07.21 09:19
Sven Weisenhaus

In der Redaktion waren wir uns gestern einig, dass die Kursbewegungen im Chart des DAX kurz vor der „Nulllinie“ sind, der Index also quasi klinisch tot scheint. Das zeigt sich insbesondere im 5-Minuten-Chart aus dem Target-Trend-Spezial, wo der DAX vorgestern und gestern in einer extrem engen Range um die Rechteckgrenze bei 15.781 Punkten pendelte.


DAX - kurzfristige Target-Trend-Analyse


Derweil arbeiten sich die US-Indizes von Rekordhoch zu Rekordhoch. Dies geschieht aber wie am Schnürchen gezogen ebenfalls unter einer sehr geringen Volatilität. „Sowohl die realisierte als auch die implizite Volatilität befinden sich auf dem niedrigsten Stand seit Ausbruch der Pandemie“, stellte die Berenberg Bank schon in der vergangenen Woche fest. Und daher kann man sagen, dass die Aktienmärkte im Sommerloch angekommen sind.


S&P 500: Kursentwicklung und Volatilität
(Quelle: Berenberg Bank)


Selbst wichtige Konjunkturdaten können die Märkte derzeit nicht aus der Ruhe bringen, selbst wenn sie, wie vorgestern die Inflation in den USA, deutlich von den Erwartungen abweichen. Scheinbar haben die Marktteilnehmer derzeit das Gefühl, dass alles längst bekannt ist. Auf welche Neuigkeiten sollte man also noch setzen?


Gewöhnungseffekt bei Inflationsdaten


Ja, die Inflation steigt. Doch ist das längst keine Überraschung mehr. Es wurde genügend auf diesem Thema herumgekaut. Und selbst, dass die US-Inflationsdaten über den Erwartungen lagen, war nur noch begrenzt überraschend. Schließlich geschah dies nun schon den vierten Monat in Folge. Auch hier kann man also von einem Gewöhnungseffekt sprechen.


Inflationsängste kamen zudem wohl auch deshalb nicht mehr auf, weil die Notenbanken inzwischen mehr als deutlich klargemacht haben, dass sie diese Inflationsanstiege nur als vorrübergehend erachten und daher vorerst nicht von ihrem geldpolitischen Kurs abrücken werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich die Konjunktur zwar inzwischen sehr stabil erholt, Corona-Mutationen aber noch zu einer gewissen Unsicherheit beitragen und der Arbeitsmarkt noch nicht dort angekommen ist, wo er hin soll. Mit einem fortschreitenden Impf-Erfolg sollte die Unsicherheit aber nachlassen und die Konjunkturerholung weitergehen. Mit weitergehenden Lockerungen werden die Konsumenten Gespartes in den Wirtschaftskreislauf geben, was auch dem Arbeitsmarkt zu Gute kommt. Das alles ist längst bekannt.


Berichtssaison beginnt erwartet stark


Die ersten Quartalsberichte der in dieser Woche gestarteten Berichtssaison fielen extrem gut aus und lagen, wie die US-Inflation, ebenfalls über den Erwartungen. Aber auch das konnte dem Markt keine neuen Impulse liefern. Schließlich waren die Gewinnschätzungen bereits extrem hoch, und sie wurden in den vorangegangenen Quartalen regelmäßig übertroffen. Also ist auch dies keine Überraschung mehr, zumal es durch die neuen Rekordhochs an den Aktienmärkten offenbar bereits eingepreist wurde.


Relative Ruhe auch an anderen Märkten


Da sich die Anleihemärkte beruhigt haben, die Renditen zurückgekommen sind und sie damit derzeit keine Gefahr mehr für die Aktienmärkte darstellen, bewegt sich auch der Goldpreis als möglicher sicherer Hafen kaum nennenswert von der Stelle. Und am Devisenmarkt gibt es ebenfalls keine Überraschungen in Form von größeren, unerwarteten Bewegungen. Selbst die Ölpreise zeigen sich trotz der Uneinigkeiten in der OPEC+ ziemlich stabil auf dem erreichten Niveau. Der Öl-Markt bleibt durch die unveränderte Förderbegrenzung vorerst im Angebotsdefizit, womit die Ölpreise gut unterstützt sind.


Lassen Sie sich nicht einlullen!


Es scheint also alles in geregelten Bahnen. Und so braucht es womöglich neue Themen, damit sich an den Börsen wieder mehr tut. Vielleicht braucht es sogar ein unerwartetes externes Ereignis, das derzeit kaum jemand auf dem Schirm hat, um die Anleger aus ihrer Lethargie zu befreien.


Genau auf ein solches Ereignis sollte man auch jederzeit vorbereitet sein. Denn die sehr ruhigen Kursbewegungen, die im Sommerloch typischerweise zu beobachten sind, haben die Eigenschaft, die Anleger einzulullen. Kommt es dann zu plötzlichen Kursausbrüchen, die in umsatzschwachen Sommermonaten schon durch weniger große Marktorders ausgelöst werden können, kann dies Anleger aus ihrer Sommerruhe aufschrecken und zu überhasteten Reaktionen verleiten.


Womöglich ist auch dies ein Grund, warum es gerade am Ende des Sommers häufig zu plötzlichen Kurseinbrüchen kommt. Da kann ein kleiner Stein eine ganze Lawine ins Rollen bringen. Und schon haben wir es mit der typischen Herbstkorrektur zu tun.


Bleiben Sie also wachsam und jederzeit auf größere Marktbewegungen vorbereitet. Beachten Sie dabei aber, dass es in Sommermonaten gerne zu Fehlsignalen kommt. Einzelne Marktorders können in dieser Zeit zwar zu plötzlichen Kursausbrüchen führen, häufig wird dadurch aber kein neuer Trend ausgelöst, sondern die Kurse pendeln sich anschließend wieder in ihren vorherigen Tendenzen ein. Nutzen Sie daher die Zeit, Ihre Stopps möglichst noch etwas enger, aber nicht zu eng (Fehlsignale) nachzuziehen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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