Kolumnist: Max Otte

Die Lage in Syrien




16.04.18 10:19
Max Otte

Kriegsgefahr so hoch wie zuletzt 1962


von Max Otte


Syrien darf nicht zur Ruhe kommen. Wieder ein angeblicher Giftgasangriff. Frankreichs Präsident Macron gibt vor, Beweise zu haben. Wir erinnern uns: Englands Premier Tony Blair sagte kurz vor dem zweiten Irakkrieg, dass es unzweifelhafte Beweise gebe, dass der Irak Massenvernichtungswaffen habe. Gefunden hat man die Waffen nie. Und so werden wir hoffentlich irgendwann erfahren, was es mit diesem mutmaßlichen Gifgasangriffen auf sich hat, die erstaunlicherweise immer dann stattfinden, wenn sich die Lage in Syrien beruhigt. Jedenfalls vestehe ich nicht, welches Interesse der hoch intelligente in England ausgebildete Arzt Baschar al Assad daran haben sollte, wo er doch faktisch diesen Bürgerkrieg für sich entschieden hat.


Die Gefahr eines amerikanisch-russischen Krieges war seit der Kubakrise 1962 noch nie so hoch


Kuba gehört zu den Gründerstaaten der UNO, erhielt von der Weltfriedensorganisation jedoch keine Hilfe, als die USA mit der Schweinebuchtinvasion von 1961 einen illegalen Krieg begann. Einige der Männer, die ab diesem Zeitpunkt Sabotage-Anschläge auf Kuba ausübten, wurden von der CIA aus den Reihen der Kuba-Emigranten in Florida rekrutiert.


Im Dezember 1961 sprengte ein CIA-Team eine kubanische Eisenbahnbrücke. Später brannten sie einen Zuckerspeicher nieder. Andere Einsatzgruppen zerstörten Ölraffinerien, Chemiewerke, Hotels und Zuckerfabriken. Gleichzeitig legten US-Diplomaten die UNO mit Lügen lahm. Diese gefährliche Entwicklung führte dazu, dass die Sowjetunion im Geheimen 1962 Raketen auf Kuba stationierte, was die Welt an den Abgrund eines Atomkrieges brachte. Die kubanische Raketenkrise war ein gefährlicher Augenblick in der Menschheitsgeschichte. „Die kubanische Raketenkrise vom Oktober 1962“, so der Historiker Tad Szulc, „war eine historisch unausweichliche Konsequenz der Ereignisse in der Schweinebucht“.


Anno 2018 berichtet die Presse immerhin etwas neutraler: „Russland bestreitet die Vorwürfe.“ Russland darf sogar zu Wort kommen. Nicht berichtet wird allerdings, dass Russland internationale Inspektoren eingeladen hat, sich vor Ort ein Bild zu machen und dass dies abgelehnt wurde. Vor dem US-Kongress warte Verteidigungsminister Jim „Mad Dog“ Matthis am Donnerstag immerhin: „Wir sind in Syrien, um den IS zu besiegen und haben gesagt, dass wir uns aus dem Bürgerkrieg heraushalten. Das Risiko eines größeren Krieges ist zu groß.“Das klingt gar nicht so „mad“. Danke, Jim Mattis!


Auch in der Türkei wird das Gemisch zunehmend explosiver. Auf meiner Rede auf dem Fondskongress in Mannheim am 26. Januar diesen Jahres habe ich darüber gesprochen.


400 Milliarden Dollar Auslandsschulden in Fremdwährung (die Investmentbank Lehmann hatte vor der Finanzkrise Verbindlichkeiten von 600 Milliarden Dollar). Dazu eine schon damals schnell sinkende Währung. Das ist ein Rezept für die Staatspleite. Unter diesem Licht betrachtet, stellen sich die Abenteuer von Recep Tayyib Erdogan ganz anders dar. Und nun hat sich der Absturz der Lira weiter beschleunigt.


Je weiter die Lira sinkt, desto verzweifelter wird die Lage der Türkei, denn die Auslandsschulen sind in US-Dollar und die Zinszahlungen werden in Lira erwirtschaftet.







Das US-Unternehmen Crescat Capital hat die Kreditblasen der letzten knapp 40 Jahre anschaulich dargestellt. Dabei wurden nur die Schulden der Privathaushalten und Unternehmen berücksichtigt. Danach sind einige Märkte wieder auf Blasenniveau.







Nimmt man die Staatschulden hinzu, wird auch die Lage in den USA bedenklich


Zwar konnten die Schulden der Privathaushalte und der Unternehmen leicht abgebaut werden, aber das wurde mehr als überkompensiert durch eine Explosion der Staatsschulden.









Noch sind die Zinsausgaben trotz hoher Schulden relativ moderat, weil die Zinsen durch die Notenbankpolitik absurd niedrig gehalten werden. Ewig kann das nicht gehen. Die Welt ist überschuldet, und sie wird immer „überschuldeter“.


Schon jetzt ist das US-Haushaltsdefizit von 209 Milliarden Dollar im März 2018 das höchste jemals in den USA verzeichnete, höher als die Defizite 2009 und 2010 unmittelbar nach der Finanzkrise. Im März 2017 waren es 176 Milliarden. Die gesamten Schulden der amerikanischen Bundesregierung haben 21 Billionen überstiegen, für 2018 werden neue Schulden von 1,2 Milliarden erwartet.


Auf gute Investments,


Ihr


Max Otte





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