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Kolumnist: EUWAX Trends

Keine Zeichen einer Pleitewelle




07.09.21 09:27
EUWAX Trends

Euwax

Die Zahlungsausfälle in den USA waren während der gesamten Pandemie überraschend niedrig. Das dürfte sich in absehbarer Zeit nicht ändern.
Es ist eine der ältesten Faustregeln in der Wirtschaftsprognose: bei wirtschaftlichen Abschwüngen nehmen Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu. Man kennt das Thema bereits aus der Literatur des viktorianischen Englands, noch lange bevor Ökonomen viel über Konjunkturzyklen zu sagen hatten. Was sollten Anleger also von den überraschend niedrigen US-Zahlungsausfällen während der Pandemie halten?
Covid-19 versetzte sowohl den USA als auch der Weltwirtschaft den wohl heftigsten Schock seit Beginn der Sammlung zuverlässiger Daten. Nicht, dass man das an den US-Insolvenzstatistiken erkennen könnte, wie unser „Chart of the Week“ zeigt. Die Zahl Unternehmen, die nach Chapter 11 ein Insolvenzverfahren anstrebten, blieb verhalten, ebenso wie die allgemeinen Ausfallquoten (die hauptsächlich auf den Ausfall von Krediten an private Haushalte zurückzuführen sind). Für Haushalte sind die Erklärungen einfach. Schließlich
war die Covid-Rezession nicht nur im Hinblick auf einen starken, aber sehr kurzen, Abschwung ungewöhnlich, gefolgt von einer ebenso schnellen Erholung. Letzteres wurde durch beispiellose fiskalische und monetäre Anreize, einschließlich Direktzahlungen an die Haushalte, ermöglicht.
Die geringe Zahl an Insolvenzanmeldungen von Unternehmen ist überraschender und potenziell beunruhigend. Zu Beginn der Pandemie gab es weit verbreitete und nicht ganz unberechtigte Befürchtungen, dass wahllose Rettungen eine wirtschaftliche „Zombifizierung“1 riskieren könnten. Kreative Zerstörung ist schmerzhaft, aber ein wesentlicher Bestandteil von Anpassungen in Marktwirtschaften. Unternehmen, die als wandelnde Tote überleben, können Produktivität und Wachstum dämpfen. Es gibt jedoch auch zahlreiche
Beispiele, bei denen sich Durchhaltevermögen nachhaltig für Länder wie für Firmen ausgezahlt hat. Zum Beispiel gelang es japanischen Chipherstellern ab Mitte der 1970er Jahre schließlich, die Dominanz der USA bei Speicherchips zu brechen. Ihr Geheimnis? Aufrechterhaltung ihrer Belegschaft und Produktionskapazität während der Rezession, die auf den ersten Ölschock folgte – was im deutlichen Gegensatz zu den meisten US-Halbleiterfirmen stand.2 Jüngere Beispiele sind die europäischen Kurzarbeitsregelungen während der Finanzkrise um 2009. Insgesamt erwarten wir für US-Hochzinsanleihen in den nächsten zwölf Monaten lediglich eine Ausfallrate von 1,5 Prozent. Angesichts der engen Spreads werden wir jedoch die Statistiken weiter genau im Auge behalten.
Zum Glück für Dax-Anleger soll man ja am Kapitalmarkt nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen und können die Titel, die sich gestern noch unterdurchschnittlich entwickelt haben, sich morgen schnell überdurchschnittlich entwickeln. Im transatlantischen Vergleich dauert dieses „morgen“ bisher recht lange. Doch durch die Aufnahme neuer Wachstumsthemen könnte der Dax attraktiver werden. Wir hoffen zumindest auf eine kleine Beschleunigung. Nicht zuletzt auch durch eine weitere Nachfrage- und Gewinnerholung bei zyklischen, exportorientierten Unternehmen. Dem Dax trauen wir immerhin 16.700 Punkte binnen zwölf Monaten zu und dem S&P 500 4.600 Punkte. Stand heute würde der Dax somit prozentual etwas mehr zulegen – sofern wir Recht behalten.
1Umgangssprachlicher Ausdruck dafür, Unternehmen am Leben zu erhalten, die unter normalen Umständen bereits unfähig wären, ihre
Geschäfte fortzuführen
2 Reid, T. (1986), The chip: how two Americans invented the microchip and launched a revolution, Touchstone, p. 222
Quelle: DWS

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