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Kolumnist: Dominik Auricht

Jetzt steigen die Renditen aber, oder?




10.06.21 08:25
Dominik Auricht

Auch wenn man weit zurückblicken muss – die Zinsen waren nicht immer so niedrig. Unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung lagen die Renditen für Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit noch bei über 9 Prozent. Dann hat ein 30-jähriger Abwärtstrend begonnen.


Bis zur Gründung der Europäischen Währungsunion 1999 hatte sich die Bundesrendite auf 4 bis 5 Prozent halbiert, ein Niveau, welches sich bis zur Finanzmarktkrise 2008/09 hielt. Im Zuge dessen wurde erstmals die 3-Prozent-Marke unterboten. Die 2-Prozent-Marke fiel dann drei Jahre später während der europäischen Staatsschuldenkrise. Im August 2016 rutschte die Bundesrendite unter 1 Prozent und im Juni 2016 stand erstmals eine negative Rendite auf der Kurstafel.


Wir sind davon überzeugt, dass die EZB die geeigneten Instrumente besitzt, einem aus ihrer Sicht verfrühten Anstieg der Renditen entgegenzuwirken. (Kornelius Purps, Fixed Income Strategist, UniCredit Bank AG)


Angesichts zuversichtlicher Wachstumserwartungen und zunehmender Inflationssorgen könnten die Tage mit unter 0 Prozent bald gezählt sein. Aber wie realistisch ist die Hoffnung auf positive Renditen tatsächlich? Blicken wir auf die Entwicklungen im ersten Jahr der Corona-Pandemie: Nach den Marktverwerfungen im März letzten Jahres pendelte die 10-jährige Bundrendite über Monate hinweg seitwärts um die Marke von –0,5 Prozent. Während dieser Zeit stiegen die marktbasierten Inflationserwartungen um rund 70 Basispunkte an. Trotz dieser Entwicklung blieb die Rendite jedoch stabil. Inflationserwartungen werden abgeleitet aus der Differenz zwischen der Nominalrendite herkömmlicher Bundesanleihen und der Realrendite inflationsgelinkter Papiere. Bei nahezu konstanten Nominalrenditen waren zunehmende Inflationserwartungen gleichbedeutend mit fallenden Realrenditen. Im Februar dieses Jahres stieg die Nominalrendite in der Spitze plötzlich um bis zu 30 Basispunkte an. Ausschlaggebend hierfür waren aber nicht zunehmende Inflationserwartungen, sondern ein Anstieg der Realrendite, was wiederum Folge eines Überschwappens der Bewegungen im amerikanischen Rentenmarkt war. Seit Anfang März ähnelt das Marktbild wieder jenem der Monate vor Februar: Die Inflationserwartungen nehmen zu, die Realrendite geht zurück und die Nominalrendite tendiert seitwärts, wenngleich auf einem etwas höheren Niveau um –0,3 Prozent.


Die entscheidende Kraft hinter der jüngsten Stabilisierung der Nominalrenditen war die Europäische Zentralbank. Zunächst warnte sie vor den Risiken eines verfrühten Renditeanstiegs, später weitete sie den Umfang ihrer Anleihekäufe im Rahmen ihres Pandemie-Notkaufprogramms aus. Seither zeigt sich die EZB zuversichtlich, die Rentenmärkte im Euroraum erfolgreich gegen die Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten abschirmen zu können. Wir sind davon überzeugt, dass die EZB die geeigneten Instrumente besitzt, einem aus ihrer Sicht verfrühten Anstieg der Renditen entgegenzuwirken. Unserer Ansicht nach wird sie allenfalls einen ganz leichten Aufwärtsdrift von vielleicht 5 Basispunkten pro Quartal zulassen. Wir teilen damit die Ansicht, derzufolge die Renditen nach ihrem über 30-jährigen Abwärtstrend ihren Tiefpunkt hinter sich gelassen haben und fortan eher ansteigen werden. Wir bleiben allerdings skeptisch, ob dieser graduelle Aufwärtstrend ausreichen wird, um die Rendite noch vor Ende 2022 in positives Terrain zu führen.


Bildnachweis: UniCredit Bank AG


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