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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Inflation und schwacher Euro




17.05.18 10:39
Sven Weisenhaus

Die schwachen Wachstumszahlen zum 1. Quartal 2018 aus den USA, der Eurozone und Deutschland sorgten bei einigen Experten für die Befürchtung, dass eine Stagflation drohen könnte. Dabei handelt es sich um eine nachlassende Wirtschaftsdynamik bei gleichzeitig zunehmender Inflation. Diese Befürchtungen sind aber noch sehr verfrüht, da es dafür noch keine handfesten Anzeichen gibt.


Inflation bleibt in den USA unter den Erwartungen


So steckt die Inflation in den USA zwar in einem klaren Aufwärtstrend (siehe folgende Grafiken) und auch das Ziel der Notenbank wurde bereits erreicht. Doch die Preisentwicklung blieb jüngst unter den Erwartungen. Den sowohl das geschätzte 0,3 % Monatsplus bei der Gesamtrate der Konsumentenpreise als auch die geschätzte Kernrate von 0,2 % wurden nicht erreicht. Am Ende war es nämlich nur ein Anstieg von 0,2% bzw. 0,1 %.


Entwicklung der Verbraucherpreise in den USA


Damit beträgt die Gesamtrate jetzt +2,5 % bzw. die Kernrate +2,1 %.


Inflation in den USA


Fallende Inflationsrate in Deutschland und der Eurozone Die Verbraucherpreise in Deutschland erhöhten sich im April „nur“ um 1,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Dabei verharrte die Inflationsrate auf den selben Stand vom Vormonat und aus einem europäischen Blickwinkel ist sie sogar eher gesunken. Denn der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) befand sich zwar im April 2018 um 1,4 % über dem Stand von April 2017. Der Index sank aber im Vergleich zum März 2018 um 0,1 % (siehe Grafik).

Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland


So lassen überzeugende Anzeichen für einen neuen bzw. weitergehenden Aufwärtstrend bei der Inflation auf europäischer Ebene noch auf sich warten. Auch die Jahresrate des HVPI für die Eurozone fiel gemäß der Schnellschätzung von Eurostat um 0,1 % auf 1,2 % (März: 1,3 %). Im Vorjahr lag sie noch bei 1,9 % und seither steckt die Inflationsrate in einem Abwärtstrend (siehe Grafik).


Inflation im Euroraum
(Quelle: Eurostat)


Dabei sticht vor allem der relativ starke Rückgang der Kernrate (ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak) von 1,0 % auf nur noch 0,7 % im April heraus. Denn dies ist der niedrigste Wert seit rund einem Jahr, und das obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) versucht die Kernrate auf eine Teuerung von knapp 2,0 % im Euroraum zu bekommen. Dieser als ideal für die Konjunktur geltende Wert wird seit langem und wohl auch noch für viele weitere Monate nicht erreicht.


Anleihenkäufe werden vermutlich verlängert


Zumal das Erreichen der Zielrate gemäß der „forward guidance“ der Notenbank die Voraussetzung dafür ist, die derzeit sehr expansive Geldpolitik zurückzufahren. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass die Anleihenkäufe nicht wie geplant Ende September beendet werden. Wahrscheinlich werden nur die monatlichen Käufe reduziert und das Kaufprogramm bis zum Ende des Jahres verlängert.


EUR/USD steht durch Zinsdifferenz zunehmend unter Druck


Gleichzeitig dürfte die US-Notenbank bis Jahresende noch (mindestens) zwei Leitzinserhöhungen durchführen, wodurch sich die Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone weiter vergrößern wird. Und da die Eurozone ihren Wachstumsvorteil des Jahres 2017 nicht beibehalten konnte, sollte der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter abwerten. Dass der Wechselkurs inzwischen unter die 1,18er Marke gefallen ist, dürfte also nicht überraschen.


EUR/USD - Chartanalyse


Nachdem der Kurs an der langfristigen Abwärtstrendlinie (dicke rote Linie) eine Trendwende vollzog, schaffte er nur eine sehr kleine Gegenbewegung und fiel bereits wieder auf ein neues Trendtief (siehe roter Pfeil im Chart). Damit ist der Abwärtstrend klar intakt und es ist mit dessen Fortsetzung in den kommenden Monaten sowohl aus charttechnischer als auch fundamentaler Sicht zu rechnen.


In der Börse-Intern vom 11. April erstmals und am 3. Mai beschrieb ich einen prozyklischen Short-Trade. An diesem sollten Sie also weiter festhalten und ihn am unteren Bereich der gebrochenen Seitwärtsrange (gelbes Rechteck) oder auf Einstandskurs absichern. Im letzteren Fall wären Verluste sogar schon ausgeschlossen. Diejenigen, die gerne kurzfristig agieren, können den Stopp auch auf das Hoch der kleinen Gegenbewegung bei 1,19962 USD legen. In diesem Fall hätte man sich die ersten Gewinne schon gesichert.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage


Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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