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Kolumnist: Max Otte

IBM und die Blockchain




07.12.18 14:44
Max Otte

Der IT-Dino baut seine Führungsposition aus


von Prof. Dr. Max Otte


In den Augen vieler Anleger sind Bitcoin und Blockchain ein und dasselbe. Dabei ist die Blockchain-Technologie, losgelöst von all den dubiosen Kryptowährungen, eine eigene Art von Netzwerk. Und es birgt Chancen für viele Anwendungsbereiche.


Das Blockchain-Netzwerk funktioniert allgemein wie ein öffentliches, dezentrales Buchungssystem. Alle Vorgänge werden hier transparent und nahezu fälschungssicher gespeichert. Das bedeutet: Alle Informationen, die verschlüsselt in eine Blockchain integriert werden, sind dauerhaft abrufbar. Eine Blockchain kann im Grunde also die Existenz, Integrität und Authentizität jeder beliebigen Datei oder Information belegen.


Im Grunde könnte jede Art von Netzwerk oder Institution eine Blockchain für eine transparente und sichere Verwaltung ihrer Daten nutzen. Genau dies hat natürlich schon vor geraumer Zeit das Interesse der großen IT-Konzerne geweckt. IBM gilt als einer der Vorreiter und erweitert beständig sein Füllhorn seiner auf Blockchain basierten Patente. Am 8. November reichte das Unternehmen beispielsweise ein Patent namens „Blockchain for Open Scientific Research“ zur Nutzung der Blockchain für wissenschaftliche Studien ein.


IBM zielt darauf ab, seine IT-wissenschaftlichen Untersuchungen gegen Manipulationen abzusichern. Das Vorgehen wird folgendermaßen beschrieben: Ein Nutzer der Plattform legt für sein neues Projekt eine eigene Blockchain an. In diese fließen später alle Daten, Analysen und Interpretationen seiner Studien ein. Dabei referenziert jeder neue Datenblock seinen Vorgänger. Auf diese Weise wird eine nachträgliche Manipulation der eingepflegten Daten verhindert.


Wirklich neu ist dieses Verfahren nicht. Es ist die standardmäßige Vorgehensweise einer jeden Blockchain. Doch IBM verweist darauf, dass es derzeit kein konkurrierendes dezentrales System gebe, das auf die Ansprüche der IT-Forschung zugeschnitten sei.


Im Patentantrag schreiben die Anwälte von IBM:


„Derzeit gibt es nur wenige Plattformen, die es ermöglichen, Informationen über wissenschaftliche Forschung auszutauschen und transparente Datenerhebungs- und Analyseschritte aufzuzeigen. Die bestehenden Plattformen verfügen allerdings nicht über die erforderlichen Mechanismen, um vertrauenswürdige Datensätze zu ermöglichen. Denn es gibt nur wenige Optionen, um sicherzustellen, dass die Daten gegen Änderungen geschützt sind.“


Ob das ausreichen wird, lasse ich an dieser Stelle einmal dahingestellt… Treue Leser von Der Privatinvestor DividendenKönige kennen meine kritische Einstellung zum Hype, der seit einigen Monaten um die Blockchain-Technologie veranstaltet wird.


Die Liste der Patentanmeldungen von IBM wird länger


Der Markenname IBM steht für sich allein bereits für hohe Qualität, Dauerhaftigkeit und Verlässlichkeit – ein Mehrwert, der dafür sorgt, dass es kleinere Konkurrenten schwer haben, sich gegenüber „Big Blue“ (ein häufig verwendetes Synonym für IBM) durchzusetzen. Dazu kommen die zahlreichen Patente, die IBM weiteren Abstand zur Konkurrenz verschaffen.


Seit 1993 bestehen mittlerweile über 100.000 US-Patente. Damit führt IBM die Liste der jährlichen Patentanmeldungen schon das 25. Jahr in Folge an. Allein im vergangenen Jahr wurden über 9.000 Patente von IBM angemeldet, wovon sich ca. die Hälfte mit den Sparten Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Cloud-Services und Blockchain befassen. Einmal mehr lässt sich daran die Zukunftsausrichtung des Unternehmens in Wachstumsmärkten erkennen.


Der Dino kann sich für die Zukunft gut positionieren


62 Punkte erreichte IBM in unserem Königstest. Nach dem Abgang des Ankeraktionärs Berkshire Hathaway gibt es keinen signifikanten Anteilseigner im Hintergrund. Die Vergütungsstruktur ist recht intransparent. Im Verhältnis zum Betriebsergebnis und Free Cashflow ist die Vergütung des Managements gering. CEO Virginia Rometty besitzt eine signifikante Aktienposition im Vergleich zum Gehalt. IBM tätigt kleinere Übernahmen, um das Portfolio zu stärken.


Es wurde keine Kapitalerhöhung durchgeführt, die Übernahmen wurden aus dem operativen Geschäft bezahlt. Die Bilanz ist gut, doch es ist wichtig, das klassische Industriegeschäft und die Finanzierungssparte separat zu betrachten, denn die Finanzierungssparte ist für 31 Mrd. US-Dollar der Schulden (Gesamthöhe 46,4 Mrd. US-Dollar) verantwortlich. Hingegen ist das klassische Industriegeschäft gesund, wenn IBM den Gewinn im Kerngeschäft nutzt, um die Verschuldung zu reduzieren.


Die Pensionsverbindlichkeiten betragen bei IBM 16,7 Mrd. US-Dollar. Sie sind damit niedriger als das Eigenkapital und stellen kein nennenswertes Risiko dar. Steigen die Zinsen, erhöht sich auch der Diskontierungszinssatz der Pensionsverbindlichkeiten. Infolge reduziert sich der Buchwert der Verbindlichkeiten und das Eigenkapital steigt.


Mit einer aktuellen Dividendenrendite von 5,07 Prozent und einer Ausschüttungsquote von 42 Prozent ist IBM durchaus auch als Dividendentitel interessant. Doch die komplex angelegte B2B-Finanzierungssparte ist recht hoch verschuldet. Aus diesem Grund erreichten andere Dividendenaktien aus dem IT-Sektor ein deutlich besseres Ranking bei unserem Screening in der DividendenKönige-Ausgabe 07/2018.


Auf gute Investments,


Ihr


Max Otte


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