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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Grüner Fisher: "Unsichere Zeiten"




13.01.19 07:45
Redaktion boerse-frankfurt.de


Grüner sieht die DAX-Prognosen der Banken, basierend auf Mittelwerten, sehr kritisch und hält sie für zu optimistisch, die Stimmung der Anleger gleichzeitig für viel zu pessimistisch. Er argumentiert mit dem Wirtschaftswachstum. 11. Januar 2019. FRANKFURT (Grüner Fisher). Vor allem eines prägt momentan die Aktienmärkte: Unsicherheit. Auslöser gibt es ausreichend: Der bevorstehende Brexit, die Verhandlungen zwischen den USA und China, der Shutdown in den Vereinigten Staaten oder auch Ängste vor einer möglichen Rezession in Deutschland. Auch wenn Anleger in guten Phasen davon überzeugt sind, Volatilität im Depot auszuhalten, vergessen sie meist, dass Abwärtsphasen immer mit negativen Schlagzeilen einhergehen. Hierdurch wird es erschwert, seine Emotionen im Griff zu halten und nicht an einem Tiefpunkt aus den Aktienmärkten auszusteigen.

Doch während allerorts noch diskutiert wird, ob es sich nun um eine sentimentgetriebene Korrektur oder einen Mini-Bärenmarkt handelt, verbleibt eine entscheidende Tatsache: Vortrefflich verantwortlich für das Jahr 2018 ist eine stark veränderte Stimmungslage. Was liegt also näher, als einen genaueren Blick auf die aktuellen Stimmungsbarometer zu werfen?

Was erwartet uns 2019?


Ein guter Blick auf die Stimmungsbarometer der Banken wird durch die Jahresprognosen zum Jahresanfang ermöglicht. Schon häufiger haben wir kritisiert, dass hierbei nur der Jahresendstand mit einem Durchschnittswert als Aufschlag genommen wird. In diesem Jahr sieht dies jedoch etwas anders aus. Da die meisten Prognosen Anfang Dezember erstellt wurden, ist der Abwärtstrend des Dezembers noch nicht enthalten. Somit kann man aktuell in vielen Publikationen lesen, dass die Finanzinstitute außerordentlich positiv in das Jahr 2019 gehen. Dabei werden schon erste Anpassungen nach unten vollzogen, um dem Dezember nachträglich Sorge zu tragen. Banken kehren zu ihrem alten "Muster" zurück. Und wieder einmal zeigt sich die Unsinnigkeit kurzfristiger Punktprognosen.

Globales Wachstum setzt sich fort


Während die Stimmung der Anleger vor allem von Unsicherheit geprägt ist, wird die fundamentale Stimmungslage völlig vergessen. Die wichtigen Einkaufsmanagerindizes in den Industrienationen bewegen sich tendenziell (teilweise noch sehr deutlich) über 50, ein Wert, der weiteres Wachstum verspricht. Unternehmen, insbesondere in Europa, können sich noch immer historisch günstig verschulden. Das Wachstum der 36 OECD-Staaten für 2019 wird aktuell mit 2,4 Prozent vorhergesagt. Wichtige Wachstumsmärkte wie China, Brasilien oder Indien sind hier noch gar nicht enthalten.

Die wirklich wichtige Frage leitet sich daraus ab: Sind die Worst-Case-Szenarien des Jahres 2018 in der Lage, das globale Wachstum abzuwürgen? Eine solche Entwicklung, die in einer Rezession gipfeln würde, hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit einen typischen Bärenmarkt mit negativen Renditen von noch deutlich mehr als 20 Prozent zur Folge. Setzt sich jedoch das globale Wachstum fort, ist es wichtig, Zeit in den Märkten und nicht am Seitenrand zu verbringen, um von der Anlageklasse Aktien zu profitieren.

Fazit


Lösen Sie sich von den Diskussionen um die Frage, ob es sich nun um eine Korrektur oder einen Mini-Bärenmarkt handelt. Ebenso unbedeutend sind die ständig wechselnden Prognosen der Indexstände zum Jahresende 2019 durch so genannte Experten. Kurzfristige Ausblicke in Punkteständen auszudrücken ist nun einmal reines Glück. Viel wichtiger sind die harten Fakten. Fragen Sie sich also, ob all die Negativszenarien in der Lage sein werden, das Weltwirtschaftswachstum zu beenden. Wer die Frage verneint, sollte investiert sein, um langfristig die überlegene Aktienmarktrendite ins eigene Portfolio zu transportieren.

von Thomas Grüner
11. Januar 2019 © Grüner Fisher

Über den Autor


Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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