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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Grüner Fisher: "Ein Sommer voller Sorgen"




02.09.17 09:46
Redaktion boerse-frankfurt.de

Thomas Grüner plädiert dafür, sich von Schwankungen des Euro nicht von den langfristigen Trends ablenken zu lassen.


 


Nach den jüngsten Provokationen aus Nordkorea sind die Sorgen der Anleger wieder größer geworden, dass eine mögliche Eskalation des Konflikts mit den USA die Märkte erschüttern könnte. Der DAX taucht zwischenzeitlich unter 12.000 Punkte und entfernt sich damit gut 7 Prozent von seinem Allzeithoch. In den USA zeigt sich der marktbreite S&P 500 robuster und bleibt in Schlagdistanz zu seiner Bestmarke. Diese Zahlen deuten nicht auf eine heftige und schmerzhafte Korrektur hin, aber sie sind in diesen nervösen Zeiten bereits ausreichend, um die Angst wieder ansteigen zu lassen.


 


Gegenwind auf der Währungsseite


 


Das Problem für Euro-Investoren besteht in 2017 darin, dass die äußerst robuste Entwicklung in den US-Aktienmärkten durch den starken Euro torpediert wird. Dynamische Bewegungen an den Devisenmärkten tragen zur Volatilität bei, und werden dementsprechend negativ aufgenommen. Der Schmerz über Währungsverluste überwiegt die Freude über Währungsgewinne: So machen sich deutsche Anleger mehr Sorgen über die eigene Exportwirtschaft, als dass sich die Stimmung der US-Investoren über die eigene schwache Währung verbessert. Eher halten global aufgestellte US-Investoren die Euro-Stärke für übertrieben und fürchten eine Gegenbewegung, die für den Fremdwährungsanteil erneut eine Performance-Bremse darstellen würde. Kurios: Schlechte Stimmung auf beiden Seiten des Atlantiks.


 


Nebeneffekte ausblenden


 


Währungsschwankungen sollten nicht überbewertet werden. Ich schrieb dazu bereits in der vergangenen Woche: Devisenmärkte und Aktienmärkte verfügen nicht über eine festgelegte Wechselbeziehung. Es ist eine Fehlannahme, dass Devisenmärkte den wirtschaftlichen Ausblick widerspiegeln. Ein schwacher US-Dollar deutet nicht auf verschlechterte Wachstumschancen für die Aktienmärkte hin - die Historie hat schon mehrfach gezeigt, dass Währungen nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung fallen oder steigen. Am Ende verhält es sich mit Währungsschwankungen wie mit der Volatilität der Aktienkurse auch: Kurzfristig unberechenbar und von zufälligen Komponenten gesteuert. Der Unterschied: Langfristig sind Währungsschwankungen ein Nullsummenspiel, während Aktienmärkte ein Abbild der wachsenden Weltwirtschaft sind.


 


Lassen Sie sich nicht von einem schwachen oder starken Euro beeindrucken - Währungen sorgen für Nebeneffekte in einem Bullenmarkt, wodurch die Führungsrolle zwischen Anlegern aus verschiedenen Währungsräumen stetig hin und her wechselt. Aber sie entscheiden nicht über Erfolg oder Misserfolg - der Bullenmarkt auf globaler Ebene belohnt am Ende die geduldigen Anleger, nicht die Euro- oder US-Dollar-Fans.


 


Überbewertung?


 


Nicht nur Währungen, auch die Bewertung der Aktienmärkte wird kritisch beäugt. Vermeintlich "teure" und "überbewertete" Aktien hindern viele Anleger daran, tatsächlich in die Aktienmärkte zu investieren. Für Anhänger des Growth- oder Value-Ansatzes gilt jedoch gleichermaßen: Es ist typisch für den reifen Bullenmarkt, dass sich das Sentiment verbessert und Anleger bereit sind, mehr für zukünftige Gewinne zu zahlen. In den USA und in Europa sprudeln die Unternehmensgewinne und sorgen für eine solide Basis. Und solange KGV-Diskussionen die Schlagzeilen befüllen, ist die gefährliche Euphorie weit entfernt.


 


Fazit


 


Anleger müssen im "Sommer der Sorgen" ihre Geduld beweisen. Der jüngste Optimismus hat seine Nachhaltigkeit noch nicht bewiesen - sinkende Kurse, sinkende Stimmung. Im Sinne eines Kontraindikators ist das gut so. Die Mauer der Angst ist wieder gewachsen. Bullenmärkte lieben das!


 


31. August 2017, © Grüner Fisher


 


Über den Autor


 


Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren "Forbes"-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen "Forbes"-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.


 


Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.



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