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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Grüner Fisher: "Die Berichtssaison im Fokus"




11.08.18 09:44
Redaktion boerse-frankfurt.de


Grüner leitet aus dem Quartalsergebnissen und den Ständen der Kursindizes ab, dass auch deutsche Aktien noch Luft nach oben haben. Viel höher sei allerdings das Potential weltweit diversifizierter Depots.


 


Die Berichtssaison läuft auf vollen Touren. Rund um den Globus veröffentliche derzeit börsengelistete Unternehmen ihre Entwicklung im 2. Quartal. Hierbei stellt sich jedes Mal von neuem die Frage, ob die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung dem aktuellen Sentiment Stand halten kann. Zeit für einen fundamentalen Blick auf die Unternehmen!


 


Während die großen Tech-Schwergewichte Alphabet, Amazon, Apple und Co. in den USA größtenteils deutliche Umsatz- und unter anderem aufgrund der Steuerreform starke Gewinnsteigerungen vermelden konnten, fällt das Bild in Deutschland bislang etwas gemischter aus. Stand heute haben 22 von 30 DAX-Unternehmen ihre Bücher geöffnet, genau die Hälfte konnte mit Gewinnsteigerungen glänzen. Umsatzseitig waren es zumindest 13 der 22 Firmen, die ihr Ergebnis verbessern konnten - größere negative Entwicklungen waren hier Mangelware.


 


Belastungen kann man vor allem bei den gewichtigen Autowerten finden, die vom aktuellen Umbruch in der Branche belastet sind und bei den Erträgen Verluste gegenüber dem Vorjahr hinnehmen mussten. Trotzdem sind auch positive Entwicklungen deutlich sichtbar, beispielsweise bei Covestro und der Deutsche Börse AG mit jeweiligen Umsatz- und Gewinnsteigerungen von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


 


Europäische Kursindizes im Blick


 


Während die Umsätze und Gewinne der globalen, europäischen, aber auch der deutschen Unternehmen in den vergangenen zwanzig Jahren mit einer wachsenden Weltwirtschaft tendenziell gestiegen sind, kann man diese Entwicklung - trotz eines globalen Bullenmarkts - von mehr als neun Jahren zumindest in Europa noch nicht wirklich an den Kursen ablesen. Der DAX-Kursindex bewegt sich weiterhin mit etwas mehr als 5.800 Punkten knapp 10 Prozent unter dem Wert vom Januar dieses Jahres. Noch beeindruckender sind die Zahlen, wenn man sich die Stände Anfang 2015 und vor 18 Jahren im Hype-Jahr 2000 anschaut, die beide über dem aktuellen Niveau lagen. Die Weltwirtschaft ist besser geworden, in den deutschen Kursen aber noch nicht wirklich eingepreist. Noch extremer zeigt sich das Bild, wenn man die europäische Ebene betrachtet: Der Euro Stoxx 50 ist weit weg von den Ständen in 2007 und 2000. Die Eurokrise hat ihre Spuren hinterlassen.


 


Globale Diversifikation zählt noch immer


 


Betrachtet man die aktuellen Quartalszahlen und vergangenen Kursentwicklungen, so zeigt sich wieder einmal, dass nur Anleger den globalen Bullenmarkt in seiner eigenen Performance erlebt, die auch global investiert ist. Wer psychologischen Denkfehlern, insbesondere dem sogenannten "Home-Bias" unterliegt, kann auf Dauer nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit aktienmarkttypische Renditen mit dem eigenen Depot verwirklichen. Das Ergebnis sind jährlich erscheinende Statistiken über die Renditen deutscher Anleger, die in der Regel im Schnitt zwischen 2 und 3 Prozent liegen. Der Markt ist langfristig extrem positiv, aber überängstliche Investoren sabotieren ihre eigene Rendite.


 


Fazit


 


Das fundamentale Umfeld ist sehr gut, was wieder einmal in den Quartalszahlen der großen, global agierenden Unternehmen deutlich wird. Die tatsächliche Entwicklung der Weltwirtschaft ist noch gar nicht vollständig in den Kursen angekommen. Die Bewertungen in Deutschland und vor allem Europa sind weiterhin geprägt von Krisen auf Länder- und Sektorenebene und besitzen mit sinkender Unsicherheit eine Menge Aufholpotential. Trotzdem ist eine globale Aufstellung aus Risikogesichtspunkten unvermeidlich. Ihr Depot wird es Ihnen danken.


 


von Thomas Grüner


9. August 2018 © Grüner Fisher


 


Über den Autor


Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.


 


Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.



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