Kolumnist: Max Otte

Gold und guter Wein




06.07.18 14:46
Max Otte

Ist LeBron James ein Vorbild für Privatanleger?


von Max Otte


Eins ist sicher: Ich habe in den Family Offices der Reichen und Superreichen wesentlich mehr Kapitalverwalter und Bürokraten des Kapitals als echte Investoren kennengelernt. Sparen ist die Bildung von Kapital durch Konsumverzicht. Bei den Superreichen, die ihre Erträge allerdings nach normalen Maßstäben nicht mehr annähernd sinnvoll konsumieren können, hält sich der Konsumverzicht in Grenzen. Deswegen eignen sich Kunst, Oldtimer und komplizierte Sachwerte vor allem für die Reichen und Superreichen, die es durchaus als Beimischung für ihre Depots sehen.


Schauen wir uns beispielsweise den aktuell wohl besten Basketballspieler der Welt an…


So gibt LeBron James seine Millionen aus


Zur kommenden Saison wechselt er von den Cleveland Cavaliers zu den Los Angeles Lakers. 154 Millionen Dollar soll er dort in den kommenden vier Jahren verdienen – mehr als aktuell jeder andere NBA-Star. Dabei gehört der dreifache NBA-Champion bereits zu den reichsten Menschen im Weltsport. Sein Geld investiert er auch in Wein. Auf Instagram lässt er seine rund 40 Millionen Fans regelmäßig an dieser Passion teilhaben.


„King James“ als Investoren-Vorbild?


Solche Sammlermärkte sind sehr speziell und sehr illiquide. Wenn Sie also an Ihr Vermögen müssen, ist nicht gesagt, dass Sie auch herankommen. Für Menschen wie LeBron James sieht es anders aus: Da sind Weinflaschen, Kunst- und Sammelobjekte durchaus eine Beimischung.


So gibt es in England ein altes Bergwerk, das zum Weinlager umgebaut wurde. Hier lagert Wein im Wert von mehreren Milliarden Euro. Noch dazu hat das Lager den Status eines Zollfreilagers, sodass die Reichen ohne Zölle kaufen und verkaufen können, ohne dass der Wein das Lager verlässt. Gut für sie. Für Menschen aus der Mittelschicht eher unerreichbar.


Das Sammeln ist ein Hobby, eine schöne Leidenschaft. Doch eine Vermögenssicherung für krisenhafte Zeiten ist es für Normalverdiener nicht. Ist die Wirtschaft am Boden, werden oft nicht die einstmals noch so hohen Liebhaberpreise gezahlt. Es ist viel Fachwissen gefragt und auch Glück im Spiel.


Gold für Privatanleger


Anders sieht es beim Thema Gold aus. Dieses gehört durchaus in ein Privatanleger-Depot gehört – jedoch zu Absicherungszwecken, nicht zu Rendite- oder Spekulationszwecken. Man hat Gold wie eine Versicherung. Insbesondere bei Krisen oder bei einem Zusammenbruch des Papiergeldsystems wird Gold im wahrsten Sinne des Wortes glänzen.


Gestern erreichten mich via Whatsapp gleich zwei interessante Fragen zu diesem Themenkomplex.


Abonnentin Sabine L. fragte:


„Sind Goldminenaktien nicht eine gute Ergänzung zur Liquidität? Ich denke da an Bankrun, Schuldenschnitt, Bargeldbegrenzung und die schwache Einlagensicherung.


Generell gilt: Die beste Krisenwährung ist das Metall selbst. Man kann es mitnehmen, in die Hosentasche stopfen, verstecken und tauschen. Wenn Sie nur an der Preisentwicklung teilhaben wollen, können Sie auch Goldminenaktien kaufen. Allerdings können solche Papiere in einer Wirtschaftskrise schnell eingefroren werden. Sie wären dann nicht liquide.


Zudem enthalten Goldminen einen Hebel, da eben die gesamten Reserven und die gesamte Produktion von der Börse bewertet werden. Der Gewinn hängt bei Goldminen ja nicht am Goldpreis, sondern an der Differenz zwischen Goldpreis und Förderkosten. Liegt zum Beispiel der Goldpreis bei 1.200 Dollar je Unze und fördert das Unternehmen für 1.000 Dollar, so würde ein Anstieg des Goldpreises um 100 Dollar, also 8,3 Prozent, den Gewinn des Unternehmens um 50 Prozent steigen lassen.


Steigt Gold, können Goldminen unter Umständen überproportional steigen, fällt Gold, dann stürzen Minentitel umso schneller ab. Letztlich gilt: Goldminentitel sind wie Rohstofftitel zu bewerten. Sie sind sehr volatil und haben nicht dieselben Eigenschaften wie das Metall selbst.


Vage Hoffnungen


Natürlich gibt es Explorationsgesellschaften, die irgendwann auf eine Goldader treffen und ihren Aktionären traumhafte Renditen erwirtschaften. Aber bei einer kleinen Explorationsgesellschaft investieren Sie in der Hoffnung auf zukünftige Gewinne. Im Prinzip kaufen Sie eine hochriskante Option, keine Aktie. Ihre Goldinvestments sollten keine Spekulation sein, sondern Ihrem Vermögen die notwendige Sicherheit geben. Lassen Sie sich nicht durch das Gold blenden, sondern machen Sie es wie immer beim Investieren in Aktien: Überprüfen Sie, ob das Unternehmen Gewinne abwirft und eine beständige Geschichte hat.


Beispiel Glencore


Diese Minengesellschaft hat sich auf Industriemetalle spezialisiert: Nickel, Kobalt, Kupfer und einige andere.





Unser Testleser Fritz W. fragte mich via Whatsapp:


Glencore hat mittels Geldwäsche die Waschmaschine angeschmissen. Jetzt liegt das KGV nur noch bei 10. Interessant oder Finger weg?


Meine Analysten und ich weisen bei Minenunternehmen generell keine Inneren Werte mehr aus, da die „Fremdbestimmtheit“ durch die Rohstoffe gegeben ist. Glencores Management kann zwar gut sein, ist aber dennoch dem Zyklus unterworfen.


Auch bei Glencore greift die alte Minenregel: Im Wirtschaftsaufschwung steigen die Rohstoffpreise, im Abschwung fallen sie. Das KGV von 10 ist zudem nicht wirklich aussagekräftig, weil keinerlei Planbarkeit gegeben ist. Wenn die Preise etwas heruntergehen, dann kann durch den Hebel schnell mal ein 30er KGV daraus werden.


Meine Quintessenz


Gold (und auch Silber) als physisches Metall gehört in jedes Privatanleger-Depot – zur Absicherung, nicht als Spekulationsobjekt.


Wann kommt der Crash?


Der liberale Denker Ralf Dahrendorf prognostizierte im Jahr 1998: „Der Euro spaltet Europa.“ Falls die Analyse zutrifft, die mein geschätzter Kollege Dr. Markus Krall in seinem aktuellen Buch präsentiert, und sich die Krise entfaltet, wird Dahrendorf recht behalten. Und das ist für jeden, dem Europa als Heimat lieb und teuer ist, mehr als nur bedauerlich.


Die politische Großwetterlage verschlechtert sich. Auch als Privatanleger sollten wir dem Rechnung tragen. Es ist Zeit für uns, auf Liquidität zu achten. Die Märkte sind und werden teurer. Vermögensschutz wird wichtiger. Wann aber die seit Jahren schlummernde Krise wieder aus ihrem Rettungspaket-Dornröschen-Schlaf erwachen wird, kann niemand genau sagen.


Auf gute Investments,


Ihr


Max Otte


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