Kolumnist: Ralf Flierl

Glas… Go!?




18.11.21 15:12
Ralf Flierl

Der Klimagipfel und die Märkte

Das Klima und der Kompromiss


Der UN-Klimagipfel COP26 ist nach knapp zwei Wochen zu Ende gegangen und das Echo hätte kaum gemischter ausfallen können. Klimaaktivisten zeigten sich naturgemäß unzufrieden. Da sie im Wesentlichen auf ein Thema fixiert sind, ist ihnen der Kompromiss fremd. Der aber ist notwendiger Weise das Ergebnis, wenn viele ihre Köpfe zusammenstecken und diese vielen auch noch höchst unterschiedliche Interessenlagen haben. Die wenigsten Regierungen können es sich nämlich erlauben, eine reine Ein-Themen-Politik zu verfolgen. Selbst wenn eine Regierung der Überzeugung wäre, dass der Klimawandel das wichtigste Thema überhaupt ist, so muss sie in aller Regel gleichzeitig mit vielen Bällen jonglieren, um sich überhaupt an der Macht halten zu können. Aktuell seien da beispielsweise Corona, Inflation, Versorgungsengpässe oder Migration benannt, die unterschiedliche Regionen auch noch in ganz unterschiedlichem Ausmaß betreffen.


Herrschaft des Dogmas?


Der klassische Klimaaktivist, wird dem entrüstet entgegenhalten, dass all dies nur untergeordnete Problemchen seien, wenn es auf der anderen Seite doch um nicht weniger als den baldigen Hitzetod des ganzen Planeten gehe. Unabhängig von solchen Glaubensgewissheiten, die regelmäßig auch als Hinweis auf einen eher überschaubaren Horizont angesehen werden können, ist die Entscheidungssituation in der Politik regelmäßig genau umgekehrt: Hier wiegt das zeitlich näherliegende und konkrete Thema stärker als das in der Zukunft liegende abstrakte. Eine Regierung, die diese Grundtendenzen ignoriert, würde schnell ihr Mandat verlieren – und könnte entsprechend auch nichts mehr bewirken. Diese Mechanik der Macht lässt Klimaaktivisten sogar an der Demokratie verzagen. Manche wünschen sich gar eine Art Diktatur der Wissenschaft, ganz so, als ob die Geschichte der Wissenschaft nicht im Wesentlichen auch eine Geschichte des Irrtums gewesen wäre. Würde sich aus einer Herrschaft der Wissenschaft gar eine solche des Dogmas entwickeln – und das ist bei einer Verbindung von Wissenschaft und Staatsmacht gar nicht so unwahrscheinlich –, dann wären wir unversehens in einer echten Dystopie gelandet.


Unsere Erfolge, eure Misserfolge


Insofern ist es sehr gut nachvollziehbar, dass alle Regierungen, die die Absichtserklärungen des COP26-Gipfels mittragen, diese auch irgendwie als (ihren) Erfolg bewerten. Sie saßen schließlich selbst an den Verhandlungstischen. Allenfalls kann man noch mit dem Finger auf jene Länder zeigen, die sich nicht ausreichend in die gewünschte Richtung bewegt haben. Der Elefant im Raum ist dabei natürlich China, das im Wesentlichen freundliche Worte beiträgt, aber schon deshalb kaum offen kritisiert wird, weil die Abhängigkeit vieler Länder von China zu groß ist. Kritisiert werden die Ergebnisse dagegen vor allem von den Oppositionsparteien, insbesondere von den grün angehauchten. Es ist das Privileg der Opposition Forderungen aufzustellen, ohne konkrete Verantwortung übernehmen zu müssen. In dieser Hinsicht sind die eingangs erwähnten Klimaaktivisten als eine Art Fundamentalopposition zu charakterisieren, wobei sie gegenüber der parlamentarischen Opposition den zusätzlichen Vorteil genießen, sich keiner Wahl stellen zu müssen. Deren monothematische Aufstellung hat allerdings auch einen entscheidenden Nachteil: Sobald alle Forderungen einmal erfüllt wären, und nicht eiligst neue nachgeschoben werden, verschwindet die Geschäfts- und Existenzgrundlage. Schon von daher können professionelle Aktivisten eigentlich nie mit solchen Gipfelergebnissen zufrieden sein, würde dies doch die Rückkehr in den angestammten Beruf bedeuten, so sie denn einen haben.


Die Sicht der Märkte


Unter den vielen Themen des COP26 fiel dem angestrebten Ausstieg aus der Kohle die prominenteste Rolle zu. Wie die Absichtserklärungen in diesem Bereich zu bewerten sind, sollte sich auch in den Aktienkursen der betreffenden Unternehmen zeigen. Schließlich versuchen die Märkte, die jeweils wahrscheinlichste Form der Zukunft einzupreisen. Auch sollten sich dann bei den Alternativen zur Kohle entsprechende Gegenbewegungen zeigen. „Alternativ“ darf hier nicht im etwas eingeengten deutschen Verständnis als „regenerativ“ missverstanden werden. Im internationalen Maßstab war und ist auch die Kernenergie eine wichtige Alternative zur Kohle. Dazu müssen wir auch gar nicht ins ferne China schauen, ein Blick über die Grenze nach Frankreich genügt.


Totgesagte rauchen länger


In Abb. 1 finden Sie die Kursentwicklung während des Jahres 2021 eines Vertreters der Kohleindustrie, die chinesische (!) Yanzhou Coal Mining (schwarz; WKN: A0M4ZG; akt. Kurs: 1,28 EUR), der Kernindustrie, die kanadische Cameco (rot; WKN: 882017; akt. Kurs: 23,66 EUR) und der alternativen Energien, die chinesische JinkoSolar (grün; WKN: A0Q87R; akt. Kurs: 56,15 EUR). Erstaunlich genug, hatte ausgerechnet die totgesagte Kohlegrube über weite Teile des Jahres die Nase vorn. Nachdem sich der Kurs bis Mitte September nahezu verdreifacht hatte, geriet die Aktie ins Stocken und verdaute erst einmal die Gewinne. Kontinuierlich nach oben entwickelte sich der weltgrößte Uranförderer Cameco mit einem Plus von zuletzt rund 120%, und damit der eigentliche Gewinner dieses ganz besonderen Energiemixes. Abgeschlagen lag dagegen JinkoSolar, die es erst jüngst überhaupt über die Nulllinie schafften. Die beiden grünen Vertikalen geben den Zeitraum der COP26 in Glasgow an. Der Rückgang des Kohletitels im unmittelbaren Vorfeld der Konferenz dürfte auch mit der extrem negativen Presse gegenüber fossilen Brennstoffen zu tun haben, die zur üblichen Begleitmusik solcher Konferenzen gehört. Das könnte auch den Auftrieb von JinkoSolar vor der Konferenz unterstützt haben. Mit Beginn der Konferenz wurden beide Trends aber erst einmal beendet. Offenbar setzte sich an den Märkten rasch die Erkenntnis durch, dass China so schnell nicht auf Kohle verzichten werde. Das Ganze ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass es – vorsichtig formuliert – nicht zwangsläufig zu einer optimalen Asset Allocation führt, wenn man sich bei der Geldanlage im Wesentlichen von weltanschaulichen Motiven leiten lässt.


Impfen, was das Zeug hält


Die in den letzten Monaten aufgekommene Impfeuphorie flaut inzwischen etwas ab. Da wäre zum Beispiel die deutlich schneller nachlassende Wirkung der Impfstoffe als ursprünglich verkündet. Zu Anfang war von zwei Pieksen die Rede, und dann wäre man sicher. Jetzt gilt es wohl als gesichert, dass die Impfungen nur etwa ein halbes Jahr wirklich gut schützen, und dann? Dann wäre also die Auffrischung notwendig. Im Prinzip wurde damit die Bevölkerung – zumindest derjenige Teil davon, der diesen Weg mitgegangen ist – in ein Impfabonnement gelockt, welches vorher nicht so kommuniziert wurde. Bisschen dumm für die Geimpften, immerhin sind sie das Risiko einer Nebenwirkung eingegangen, um dafür was zu bekommen? Einen Schutz für ein halbes Jahr?! Und mit jedem weiteren Booster gibt es wieder ein weiteres Risiko einer Nebenwirkung. Aus den USA gibt es Zahlen, dass die (schweren) Nebenwirkungen der Corona-Impfungen der letzten neun Monate inzwischen die Zahl aller (!) früheren Impfungen der letzten 15 Jahre schon überstiegen haben. Ob das alles so sinnvoll ist, wollen wir mal dahingestellt sein lassen. Für die Hersteller dieser Impfstoffe ist es aber eigentlich ein gutes Zeichen, würde es doch für sie weiteren garantierten Umsatz und damit einen Riesenreibach bedeuten.

Einer der Entwickler der sogenannten mRNA-Impfstoffe ist Moderna (WKN: A2N9D9; akt. Kurs: 207,50 EUR), oder sollte man ihn besser als ModeRNA („Modifiziere die RNA“) aussprechen? Die Aktie konnte in ihrem relativ jungen Börsenleben (gestartet Ende 2018) einen fulminanten Weg hinlegen und erreichte im Sommer 2020 einen enormen Börsenwert von über 200 Mrd. USD. Wie der Kursverlauf in Abb. 1 aber zeigt, kam es zuletzt zu einem markanten Bruch des sehr steilen Aufwärtstrends (rote Linie von 20 bis 300 USD; Vorsicht logarithmische Skalierung!). Ein solch markantes Verkaufssignal deutet an, dass hier zumindest mal die Börsenparty (vorerst) beendet sein dürfte. Offensichtlich ist hier in sehr kurzer Zeit sehr viel Phantasie eingepreist worden und die starken Hände verabschieden sich nun aus der Aktie.


Wochenende der Metalle


Am vergangenen Wochenende waren Rohstoffe und vor allem (Edel-)Metalle das Thema bei zwei Veranstaltungen. Die legendäre Edelmetall- & Rohstoffmesse fand nach 2020 leider auch in diesem November nur virtuell statt – Corona sei Dank!

Zeitgleich am 12./13. November fand die Deutsche Goldmesse in Form einer Mining Investment Konferenz in Frankfurt statt. Führende Köpfe der Mining-Industrie und ausgewählte Unternehmen – vom jungen Explorer bis zum etablierten Produzenten – nahmen teil und präsentierten sich vor insgesamt rund 250 Teilnehmern. Smart Investor war vor Ort und führte mit zehn Unternehmensrepräsentanten, meist den Vorständen, Gespräche und ließ sich deren Firmen erklären.

„Die Anleger haben keine Geduld." beklagte sich dabei z. B. Philippe Cloutier, Vorstandschef von Cartier Resources, und das scheint bei weitem untertrieben. In extremen Hausse-Phasen wie im Sommer 2020 oder nach unerwartet guten Bohrergebnissen trieben gemäß Cloutier euphorisierte Investoren die Kurse von Minenaktien um einige hundert Prozent nach oben. Als der Hype vorbei war, stürzten die Kurse ab oder korrigieren in einem monatelangen, zähen Abwärtstrend. Die Anleger warfen teilweise die Stücke auf den Markt, als gingen demnächst die Lichter bei den entsprechenden Firmen aus. Zurzeit herrscht immer noch Depression. Viele der Unternehmen sind billig zu haben. Da ergeben sich gute Kaufgelegenheiten. Das können Value-Plays sein, heiße Wetten oder Turnaround-Geschichten, oder es geht einfach nur um das richtige Timing.

Die genannte Cartier Resources* (WKN: A0M056) und Western Copper and Gold (WKN: A1JMCZ) haben eines gemeinsam: Sie entwickelten in langjähriger Explorationsarbeit Minenprojekte in Kanada zur Produktionsreife und suchen dafür einen Käufer. Wenn das zu einem guten Preis gelingt, ist das ein schöner Gewinn für die Aktionäre – wenn nicht, dürften beide Aktien und mit ihnen die Aktionäre leiden. Bei Cartier geht es um die Chimo Mine: Aus einem stillgelegten Bergwerk wurde ein attraktives Projekt mit zwei Millionen Unzen Gold, für das es im Frühjahr 2022 die erste vorläufige Wirtschaftlichkeitsberechnung (PEA) geben dürfte. Western Copper and Gold besitzt mit dem Casino-Projekt eines der größten Kupfer- und Goldvorkommen Nordamerikas. Der Bau dieser Mine kostet aber satte 2,6 Mrd. USD, eine Summe, welche die kleine Gesellschaft natürlich nicht hat. Der Bergbau-Riese Rio Tinto stieg daher als Aktionär bei Western Copper and Gold ein und hat bis November 2022 Zeit zu entscheiden, ob und zu welchen Konditionen er das Projekt übernehmen will.

Dies war ein kleiner Ausschnitt aus unserem Bericht über die Goldmesse in Frankfurt, welchen Sie im kommenden Heft 12/2021 lesen können.


Musterdepots & wikifolio


In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen

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Fazit


Die Beurteilung der Ergebnisse des CO26-Gipfels in Glasgow fällt höchst unterschiedlich aus. Dass Regierungen darin eher Erfolge, Aktivisten aber ein Scheitern sehen, hätte man aufgrund der wohldefinierten Rollenverteilung auch vorher schon so erwarten können. Für die Märkte scheint sich dagegen mit der Kernkraft ein ziemlich eindeutiger Gewinner des künftigen Energiemixes herauszukristallisieren.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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