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Kolumnist: Geldanlage-Report

Gekaufte Ruhe: Wo bleibt die Inflation?




07.10.13 14:47
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de


 


Lieber Geldanleger,


weltweit wurden in den fünf Jahren seit Ausbruch der letzten Finanzkrise Billionen von Euro, Dollar und Yen von den Notenbanken der reichen Welt in marode Banken gepumpt.


Diese riesige Geldvermehrungs-Maschinerie nährt die Investitionen, sie verführt zum Spekulieren und zum Schulden machen.


Wie lange soll das alles noch gut gehen? Und vor allem: Was ist aus dem guten, alten ökonomischen Grundsatz geworden, wonach zu viel Geld im Markt die Preise treibt und die Währungen entwertet? Kurz gefragt:


Was ist mit der Inflation?


Angeblich sei diese weiter kein Problem, betont die internationale Politik und kann sich dabei auf harte Zahlen berufen. Beispiel Eurozone: Hier stiegen die Lebenshaltungskosten in den 17 Staaten im September so wenig wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.


Der Preisanstieg lag bei 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und fiel damit so gering aus wie zuletzt im Februar 2010, teilte das Europäische Statistikamt Eurostat in Brüssel mit.


Im August hatte der Preisanstieg noch bei 1,3 Prozent gelegen, im September 2012 bei 2,6 Prozent. Hauptursache für den geringen Preisanstieg sollen laut Eurostat sinkende Energiepreise sein.


Komisch nur, dass wir Verbraucher einen ganz anderen Eindruck haben.


Wieso gibt es offiziell kaum Inflation, und dennoch haben wir immer weniger im Geldbeutel und müssen immer mehr für die Dinge des täglichen Bedarfs ausgeben?


Tatsächlich ist es mit der Inflation so „wie mit den Tomaten im Sommer“, schrieb plastisch einmal die Frankfurter Allgemeine Zeitung: Werden viele Tonnen der leckeren roten Früchte zur selben Zeit reif, sind sie auf dem Markt billig zu haben. Mit Geld verhält es sich nicht anders: Je mehr es gibt, desto billiger wird es, desto tiefer sinkt seine Kaufkraft.“


Will heißen: Es gibt bei der Inflation einen Verzögerungseffekt. Wie die Tomatenfrüchte heranreifen müssen, „reift“ auch eine Inflation. Sie entsteht schleichend.


Zunächst lösen sich Probleme mit wachsendem Geld im Markt scheinbar wie von selbst. Und der Wirtschaft geht es gut. Das liegt übrigens auch daran, dass Inflation in ihrem Wesen sogar „gesund“ ist – sofern die Teuerung im Rahmen bleibt.


Wenn aber die Geldmenge deutlich schneller steigt als die Produktion von Gütern, die sich damit kaufen lassen, können Blasen entstehen. Bestimmte Objekte steigen allein deshalb schnell im Wert, weil immer mehr Geld da ist, um sie zu bezahlen (siehe die Immobilienpreise in einigen Metropolen). Dann dauert es nicht mehr lange – und die Inflation galoppiert.


Was wir Verbraucher bis zum Ende dieses „Reife-Prozesses“ an Preiserhöhungen bemerken, ist nichts, was beispielsweise Banken tangiert bzw. in beachtlichem Maße Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat. Der gewöhnliche Brot- und Butterkäufer kommt eben nicht an den Tresen einer Zentralbank, wo es Geld für Nullzins gibt.


Es gibt einen weiteren Punkt, der Inflation lange „in Schach halten“ kann und verhindert, dass diese „gefährlich“ wird: Allein eine hohe Geldmenge reicht meist nicht, um Geldentwertung in einem größerem Ausmaß auszulösen.


Die Geldmenge muss auch die Geldwirtschaft erreichen und das genau tat sie lange nicht. Anders gesagt: Es war zwar die letzten Jahre genug Geld im Umlauf, es wird – oder wurde zumindest lange Zeit – von den Banken gehortet. Die peppten so ihre Bilanzen auf.


Je länger dieser Zustand jedoch anhält, die „offizielle“ (nicht die tatsächliche, von uns Verbrauchern „gefühlte“) Inflation nur künstlich gedeckelt wird, aber nichts gegen sie unternommen wird, desto schwerer können die Folgen sein.


Kommt es ganz schlimm, kann der hemmungslose Einsatz der Druckerpressen in absehbarer Zeit dazu führen, dass Themen wie Abwertungswettläufe, Währungs- oder Handelskriege wieder auf der Agenda stehen. Das sage nicht ich, sondern der ehemalige Chef-Volkswirt der mächtigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Zentralbanken.


White warnt: „Darüber hinaus zerstört der Versuch der Notenbanken, die untragbaren Schuldenberge mittels negativer Realzinsen etwas wertloser machen zu wollen, auch den Anreiz zum Sparen und ruiniert obendrein die Altersvorsorgepläne der Bevölkerung.


Gleichzeitig sehen sich die mit überreichlicher Liquidität versorgten Investoren auf der Jagd nach Rendite gezwungen, immer größere, aber aufgrund der interventionsverzerrten Preise kaum noch abschätzbare Risiken einzugehen.“


Tatsächlich verlieren die deutschen Normalsparer Jahr für Jahr einen kleinen Teil der Kaufkraft ihrer Vermögen. Anlage-Experten sprechen deshalb von einer lautlosen Enteignung. Profiteur dieser Entwicklung sind all jene, die hoch verschuldet sind – allen voran die Staaten, die auf diese Weise den Sparer am Entschuldungsprozess beteiligen.


Wir alle zahlen also massiv für die Krise in anderen Staaten und dafür nimmt die Politik hierzulande Inflation in Kauf. Nur wird diese kleingeredet und das wiederum wird auch mit Statistiken unterfüttert.


Sie wissen aber ja, wie das mit Statistiken ist: „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“, lautet ein berühmter Satz von Winston Churchill. Obwohl es umstritten ist, ob der britische Kriegs-Premier diesen Satz jemals wirklich gesagt hat, bringt er eines auf den Punkt:


Der blinde Glaube an Statistik ist gefährlich


Finanzexperte White, er berät heute die OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development, eine Vereinigung von 34 Mitgliedsländern auf der ganzen Welt, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen) warnt vor einer dramatischen Schieflage des weltweiten Finanzsystems und hält die Situation (nicht nur in Europa) für schlimmer als vor dem Bank-Zusammenbruch von Lehman.


Vor allem die Schuldenlast der G20-Staaten sei beunruhigend, sagt er. Es sei auch kaum vorstellbar, dass all diese Schulden bedient und jemals zurückgezahlt werden. Das ganze System kann unter dieser Schuldenlast zusammenbrechen.


Auch Whites Ex-Arbeitgeber, die BIZ hatte übrigens jüngst in ihrem Vierteljahresbericht gewarnt, dass das viele billige Geld und die niedrigen Zinsen in Europa und Nordamerika viele Investoren in riskante Anlagen drängen. „Das Phänomen erinnert an die Situation vor der Finanzkrise“, warnte die Bank in dem Bericht und beschwor eine „Hyper-Inflation“.


Wir Deutschen wissen genau, was das ist, wie sich das anfühlt. Vor exakt 90 Jahren, im Jahr 1923, brachte die Reichsbank mehr und mehr Banknoten in Umlauf – und nach einiger Zeit nicht nur sie. Im Grunde genommen druckte bereits nach wenigen Wochen jeder, der wollte, Geld.


Großunternehmen wie Hoechst oder Thyssen stellten einfach neue Scheine her, um ihren Arbeitern den Lohn in die Hand drücken zu können. Anfangs zahlten sie die Löhne noch wöchentlich aus, dann täglich.


Und sie zahlten immer mehr, weil der Wert des Geldes umso schneller verfiel, je mehr davon in Umlauf kam. Am Ende wollte niemand mehr Geld in der Hand halten, weil es schon nach einer Stunde an Wert eingebüßt hatte.


Welchen Ist-Zustand haben wir aktuell? Bleiben wir weiter in Europa. So pessimistisch wie White, die BIZ und auch die OECD ist man bei der Europäische Zentralbank (EZB) nicht. Auch ich halte Katastrophenszenarien für nicht hilfreich.


Es ist jedoch bedenklich, dass man bei der EZB auch lange nicht so optimistisch ist, wie sich hierzulande viele Politiker geben, die schon von einem Ende der Eurokrise fabulieren. Im Gegenteil.


Angesichts der anhaltend schwachen Konjunkturentwicklung ist man bei der EZB entschlossen, notfalls alle Möglichkeiten auszuschöpfen.


Er sei bereit, „alle Instrumente einzusetzen, die zur Verfügung stehen“, sagte z.B. EZB-Chef Mario Draghi. Was er damit meint, ist klar: Weitere Zinssenkung und die Möglichkeit neuer milliardenschwerer Geldspritzen für Europas Banken.


Draghi bekräftigte, dass die EZB den Leitzins noch eine längere Zeit extrem niedrig lassen werde. Grund: Die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone sei nur „schwach und fragil“, Länder wie Griechenland stünden weiterhin am Abgrund.


MEIN FAZIT:


Seit Jahrzehnten wurde an den Universitäten eine ganz einfache Methode zur Berechnung der Inflation gelehrt: Geldmengenwachstum minus Wirtschaftswachstum = Inflation. Ich glaube, dass das noch immer stimmt und andere Theorien mit Vorsicht zu genießen sind.


Grund: Der Tauschwert des Geldes schwindet notwendigerweise, wenn die Geldmenge steigt. Das ist fast ein Naturgesetz.


Die Geldschwemme kaschiert jedoch allenfalls die Symptome des Problems. Wenn es eine Lehre gibt, so ist es die: Mehr Geld macht eine Volkswirtschaft nicht reicher, sondern ärmer.


Auch gilt: Nur weil derzeit die Inflation nicht mit derselben Geschwindigkeit steigt, wie die Euroretter ihre Währung mit immer mehr Geld weiter verwässern, heißt das noch lange nicht, dass es keine Inflation gäbe. Ohnehin ist die Ermittlung der Inflationsrate mittels eines definierten Warenkorbs mindestens diskutabel.


Ich kann die Zusammenstellung in einem Warenkorb schließlich ja immer so ändern, dass ich von den Dingen, die teurer werden, einfach weniger in den Warenkorb lege und dafür mehr von jenen Dingen, deren Preise fallen.


Die Entwicklungen der vergangenen Wochen bzw. Monate geben übrigens den vielen Mahnern Recht: Nach Turbulenzen auf den Märkten der Schwellenländer, hat die FED in den USA zunächst trotz entsprechender Ankündigung darauf verzichtet künftig weniger Anleihen aufzukaufen. Das zeigt: Das weltweite Finanzsystem ist weiter instabil.


Dennis Snower, der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft fürchtet, dass die jetzt noch kleingehaltene (oder kleingeredete) Inflation bald rapide und für jeden unübersehbar steigen wird, wenn EZB, FED und andere Notenbanken es nicht schaffen, ihre Geldschleusen wieder zu schließen.


Das jedoch wird mit jedem Tag, in dem nicht gegengesteuert wird, schwerer.



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