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Kolumnist: Sebastian Hell

Garantierte Stopps: Sinn oder Unsinn?




25.01.17 12:41
Sebastian Hell

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,


die französische Börsenaufsicht AMF gab vor Kurzem bekannt, dass Binäroptionen im Land verboten werden sollen. Zudem fordert man für den CFD-Handel einen Ausschluss der unbegrenzten Nachschusspflicht für Trader sowie einen garantierten Stop-Loss, der unbedingt vor Eröffnen des Trades gesetzt werden muss.


Garantierter Stop-Loss? Gut oder schlecht für Trader?


Während ich den Ausschluss der unbegrenzten Nachschusspflicht als gut heiße (das BaFin in Deutschland fordert dasselbe), ist die Forderung, dass Trader unbedingt einen Stop-Loss setzen müssen ein grober Eingriff in den Handel der Trader. Es gibt viele Strategien, die ohne Stop-Loss funktionieren und stattdessen auf Hedging in anderen Werten setzen.


Zudem gibt es etliche Trader die lieber mit mentalen Stopps oder auch charttechnischen Stopps arbeiten. Ich halte die Forderung einer Börsenaufsicht, dass Trader mit Stopps arbeiten müssen für einen zu schweren Eingriff in den Handel der Privatleute.


Die Konsequenzen?


Aufgrund der Tatsache, dass Stopps gesetzt werden müssen, gehe ich davon aus, dass französische Trader bei jedem Trade einen sehr weiten SL setzen werden. Die Aufsicht schreibt nämlich nicht nur vor, dass ein Stopp gesetzt werden muss, sondern dass dieser auch nur in Richtung der Gewinne verschoben werden darf.


Also nicht in die entgegengesetzte Richtung, um den Spielraum zu erhöhen. Ergo muss am Anfang bei jeder Position ein sehr weiter Stopp eingegeben werden, wie bspw. 1.000 Punkte im DAX oder 400 Pips im Euro. Danach kann man dann den SL anpassen oder als Notfall-Stopp bestehen lassen mit sehr weitem Abstand.


Problem der garantierten Stopps!


Garantierte Stopps gab es bis vor 5 Jahren in Deutschland noch bei einigen Brokern. Die meisten haben das Angebot eingestellt, da die Trader einen garantierten Stop-Loss nicht angenommen haben. Der Grund war, dass Konten mit Stopp-Garantie einen deutlich höheren Spread hatten als normale Konten. Dies ist auch logisch, da der Broker das gesamte Risiko eines Gaps (Kurslücke) tragen muss und daher eine Risikoprämie in Form eines höheren Spreads erhebt.


Unter dem Strich fahren meiner Erfahrung nach Trader besser mit normalen Konten, die die Marktbedingungen widerspiegeln, da der garantierte Stopp meist nicht genutzt wird, man aber die erhöhte Risikoprämie (sprich Spread) an den Broker bezahlt. Die Folge wird sein, dass Trader in Frankreich aufgrund der Forderung des garantierten Stopps mit höheren Spreads rechnen müssen.


Insgesamt muss ich sagen, dass unsere deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin mit der Forderung des Ausschluss der Nachschusspflicht Weitsicht bewiesen hat. Trader werden vor einem unkalkulierbaren Risiko geschützt, können aber auf ihren Konten handeln wie sie wollen. So sollte es auch bleiben!


Ihr Sebastian Hell


Geschäftsführer QTrade


www.qtrade.de




P.S.: Mein Kollege Lars Erichsen, auch bekannt das „Der Tadermacher“, hat zum Thema Stop-Loss ein sehr gutes Video veröffentlicht: „Stop-Loss Orders: Ruin auf Raten?“: https://www.youtube.com/watch?v=CrJhfkh02bU



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