Kolumnist: Benjamin Summa

GOLD: SPREAD UND AUFGELD UNTER DER LUPE




16.05.20 10:05
Benjamin Summa

Wer physisches Gold in Form von Barren oder Münzen kauft, sollte sich über zwei besonders wichtige Kennzahlen stets im Klaren sein. Dabei handelt es sich zum einen um das Aufgeld gegenüber dem reinen Materialwert und zum anderen um die Differenz (oder: Spread) zwischen An- und Verkaufspreisen des jeweiligen Edelmetallprodukts.


Definition und Bewertung des Spreads

Die meisten Edelmetallhändler veröffentlichen für eine bestimmte Münze oder einen konkreten Barren in normalen Marktphasen stets zwei unterschiedliche Preise. Den niedrigeren Geldkurs (Ankaufspreis) bietet er dem Kunden, der das jeweilige Edelmetallprodukt bereits besitzt und dieses wieder verkaufen möchte. Den höheren Briefkurs (Verkaufspreis) müssen Anleger bezahlen, wenn sie das jeweilige Produkt erwerben möchten. Die Differenz zwischen beiden Preisen wird Spread genannt und wird in absoluten Eurobeträgen oder in Prozent angegeben.


Grundsätzlich können die Käufer von Gold hinsichtlich der Kennzahl Spread auf folgende Faustregeln vertrauen:


  • Je schwerer ein Barren oder eine Münze, desto geringer der prozentuale Spread
  • Je leichter ein Barren oder eine Münze, desto höher der prozentuale Spread
  • Je höher der prozentuale Spread, desto stärker muss der Goldpreis ansteigen, um mit dem gekauften Produkt in die Gewinnzone zu gelangen
  • Je geringer der prozentuale Spread, desto schneller kann mit dem gekauften Produkt die Gewinnzone erreicht werden
  • In „stressigen“ Marktphasen fallen die prozentualen Spreads in der Regel höher aus als bei „ruhiger“ Marktlage

Viele Anleger gehen fälschlicherweise davon aus, dass der Spread die Gewinnmarge des Edelmetallhändlers darstellt. Dies wäre aber nur dann der Fall, wenn der Händler sämtliche Barren oder Münzen, die von seinen Kunden nachgefragt werden, von anderen Kunden beziehen kann. Dem ist natürlich nicht so, da die Anleger meist auf derselben Seite stehen – entweder wollen fast alle kaufen oder es wollen fast alle verkaufen. Bei pro aurum kaufen wir beispielsweise auf Gesamtjahressicht weniger als zehn Prozent der vertriebenen Krügerrand-Münzen im Gesamtgewicht von rund 200.000 Unzen von unseren Kunden über den direkten Ankauf. Über 90 Prozent müssen also vom Produzenten in Südafrika geordert werden. Dabei fallen neben den Präge- und Herstellungskosten auch noch Transport- und Versicherungsaufwände sowie Kosten für die Absicherung gegen Kursschwankungen an. Letztere sind während der Corona-Krise pro Feinunze Gold in der Spitze auf 98 Dollar angestiegen. Zum Vergleich: In „normalen“ Marktphasen bewegen sich diese Absicherungskosten bei rund 30 bis 40 Cent.


Definition und Bewertung des Aufgelds

Als zweite wichtige Kennzahl gilt im physischen Edelmetallhandel das Aufgeld. Dieses bemisst den Aufpreis gegenüber dem aktuellen Edelmetallpreis. Besonders aussagekräftig wird die Kennzahl, wenn sie in Prozent angegeben wird. Wichtig zu wissen: Edelmetalle in Form von Barren oder Münzen weisen stets Aufgelder gegenüber den aktuellen Börsenpreisen auf und schwanken in Abhängigkeit von den aktuellen Marktverhältnissen.


Gold: Spread und Aufgeld unter der Lupe


Fazit: Das Aufgeld fällt bei Barren in der Regel geringer als bei Münzen aus, da bei der Münzproduktion höhere Kosten entstehen. Je schwerer ein Barren ist, desto geringere Kosten müssen für Produktion, Logistik und Vertrieb einkalkuliert werden. Aus diesem Grund sind kleine Stückelungen oder geringe Gewichtseinheiten gegenüber dem reinen Materialwert des Edelmetalls teurer als große.


Grundsätzlich können die Käufer von Gold hinsichtlich der Kennzahl Aufgeld auf folgende Faustregeln vertrauen:


  • Aufgrund niedrigerer Produktionskosten bieten bei identischem Feingewicht Barren niedrigere Aufgelder als Münzen
  • Je schwerer ein Barren oder eine Münze, desto geringer das prozentuale Aufgeld
  • Je leichter ein Barren oder eine Münze, desto höher das prozentuale Aufgeld
  • Bei Münzen kann in Abhängigkeit vom jeweiligen Jahrgang (Rarität) das Aufgeld unter Umständen höher ausfallen

Im Zuge der Corona-Krise haben sich die Preise am physischen Edelmetallmarkt in den vergangenen Krisenwochen stark von den Papiermärkten abgekoppelt. Das heißt: Die Aufgelder sind deutlich angestiegen. Verantwortlich waren für diese Entwicklung mehrere Faktoren. An erster Stelle ist hier sicherlich die Knappheit der zur Verfügung stehenden Münzen und Barren zu nennen. Des Weiteren haben sich aber auch diverse Kosten deutlich erhöht. So verteuerten sich zum Beispiel über Nacht die Zinsen für die Refinanzierung von Edelmetallleihen um das Achtfache. Außerdem zogen die Frachtraten für internationale Flüge gegenüber dem Vorkrisenniveau in der Spitze um den Faktor 40 an. Und auch die deutlich gestiegene Volatilität, die noch immer viel höher als gewöhnlich ausfällt, verursachte bei den Händlern markant höhere Absicherungskosten. Zudem konnten sich Edelmetallhändler an manchen Tagen mangels Ware nicht mehr bei den primären Produzenten (wie beispielsweise der Rand Refinery für den Krügerrand) eindecken, sondern mussten die Edelmetalle auf dem Sekundärmarkt (andere Händler, Banken etc.) zu deutlich höheren Einkaufspreisen erwerben.


Die derzeit hohen Aufgelder können erst dann wieder signifikant sinken, wenn die oben beschriebenen Faktoren an Bedeutung verlieren und alle Markteilnehmer innerhalb von überschaubaren Zeiträumen wieder die gewünschten Produkte beziehen können, die sie für die Befriedigung der Kundennachfrage benötigen. Aufgrund der anhaltenden Marktunsicherheiten wird dies höchstwahrscheinlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen.


Bildrechte: ©pro aurum



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