Kolumnist: Benjamin Summa

MIT GOLD DAS „INFLATIONSGESPENST“ VERTREIBEN




17.07.21 09:48
Benjamin Summa

Newroom: Inflation

Während Notenbanker die Inflationsgefahren tendenziell beschwichtigen, mehren sich immer mehr warnende Stimmen. Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung geht zum Beispiel davon aus, dass die deutsche Inflation 2021 in der Spitze auf bis zu vier Prozent steigen kann.


Gold kostet keine Strafzinsen

Die Kieler Forscher weisen darauf hin, dass sich die negativen Realzinsen (inflationsbereinigte Zinsen) bislang auf einem moderaten Niveau bewegt haben. Nach dem kräftigen Anstieg der Inflation in diesem Jahr kann davon mittlerweile keine Rede mehr sein. Im Monat Juni hat sich die deutsche Teuerung zwar von 2,5 auf 2,3 Prozent p. a. reduziert, doch angesichts der extrem mageren Renditen deutscher Bundesanleihen leiden immer mehr Sparer unter negativen Realzinsen und Strafzinsen. Laut dem Internetportal biallo.de berechnen gegenwärtig knapp 500 Banken und Sparkassen Negativzinsen auf Guthaben. Es gab einmal Zeiten, als von Gold mit folgenden Argumenten abgeraten wurde: „Gold zahlt keine Zinsen.“ Heute kann man mit Fug und Recht behaupten: „Gold kostet keine Strafzinsen.“


In der Vergangenheit wünschten sich sowohl die Fed-Verantwortlichen als auch die Entscheidungsträger bei der EZB eine Teuerungsrate von zwei Prozent. Mittlerweile wollen beide Notenbanken ein Überschreiten dieser Hürde tolerieren, schließlich sei die beschleunigte Geldentwertung lediglich als vorübergehendes Phänomen anzusehen. Ein bisschen fühlt man sich mit Blick auf die aktuelle Geldpolitik an Johann Wolfgang von Goethes „Zauberlehrling“ erinnert. Schon 1797 formulierte dieser in seiner Ballade: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“


Laut einer Befragung deutscher Finanzexperten durch das ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) wurde die konjunkturelle Lage in Deutschland und der Eurozone im Juni ausgesprochen optimistisch eingeschätzt. Dies war vor allem auf den Impffortschritt in Europa und Nordamerika zurückzuführen. Zugleich ging es aber auch mit den Inflationsängsten nach oben. Für Deutschland prognostizierten im Juni 84,9 Prozent der befragten Finanzexperten höhere Inflationsraten. Mit Blick auf die Eurozone fiel die Quote mit 83,9 Prozent etwas niedriger aus.


Auf „Knopfdruck“ lässt sich eine hohe Inflationsrate sicherlich nicht abstellen, schließlich erlebten wir in den vergangenen Jahrzehnten das größte geldpolitische Experiment aller Zeiten. Es ist völlig nachvollziehbar, wenn Anleger die Wertaufbewahrungsfunktion von ungedeckten Währungen infrage stellen. Im Grunde genommen basiert werthaltiges Geld in erster Linie auf dem Vertrauen, auch auf lange Sicht Waren und Dienstleistungen mit Geld bezahlen zu können. Weil das Wesen von Fiat-Geld wie dem Euro darin besteht, aus dem Nichts Geld zu schaffen, scheint mit Blick auf die explodierenden Geldmengen, Staatsschulden und Bilanzsummen der Notenbanken Skepsis durchaus angebracht zu sein. Nur ein Beispiel: Im Krisenjahr 2009 pendelte die EZB-Bilanzsumme im Bereich von zwei Billionen Euro. Mittlerweile sind wir bei 7,7 Billionen Euro angelangt – Tendenz stark steigend.


Inflation: Der Unsicherheitsfaktor

Zur Erinnerung: In den vergangenen 50 Jahren gab es dreimal temporäre Phasen mit jährlichen Inflationsraten von über fünf Prozent. Im Gegensatz zu heute verdiente man damals mit deutschen Bundesanleihen allerdings mehr als die Inflation. Die große Frage lautet: Was passiert, falls sich die Geldentwertung erneut auf fünf Prozent beschleunigen sollte? Die Wahrscheinlichkeit, dass im Zuge einer solchen Entwicklung die Zinsen deutlich angehoben werden können, tendiert gegen null, weil aufgrund der regelrecht explodierten Schuldenberge weder Staaten und schon gar nicht Unternehmen stark steigende Finanzierungskosten verkraften würden. Es ist daher davon auszugehen, dass Sparer weiterhin die Inflationierung der Schulden bezahlen müssen.


Beim Thema Inflation und Währungsreformen haben Deutsche durch die Hyperinflation vor 100 Jahren ausgesprochen leidvolle Erfahrungen mit der Geldentwertung gemacht. Diese scheinen sich in das kollektive Gedächtnis deutscher Anleger regelrecht eingebrannt zu haben. Weltweit haftet ihnen deshalb der Ruf an, extrem risikoavers und inflationsverängstigt zu sein. Laut einer Statistik der Deutschen Bundesbank verfügten deutsche Privathaushalte Ende Dezember über mehr als 2.800 Milliarden Euro in Form von Bargeld und Einlagen. Deshalb sollte sich jeder Bundesbürger über folgenden Sachverhalt stets bewusst sein: Wer Bargeld in Höhe von bspw. 100.000 Euro besitzt, würde pro Jahr einen Kaufkraftverlust von 2.500 Euro erleiden, falls die von den Kieler Wirtschaftsforschern prognostizierte jährliche Inflation von 2,5 Prozent tatsächlich eintreten sollte. Bei fünf Prozent Inflation würde sich der Verlust sogar auf jährlich 5.000 Euro verdoppeln. Wer diesen vorprogrammierten Vermögensverlust vermeiden möchte, ist gezwungen, Risiken einzugehen und Geld in andere Anlageklassen einzutauschen. Über Generationen hinweg hat sich vor allem die Anlageklasse Gold als Inflationsschutz besonders gut bewährt.


Deutsche vertrauen vor allem auf Gold

Der World Gold Council hat im Jahr 2019 eine Goldumfrage veröffentlicht, bei der 18.000 Konsumenten aus China, Russland, Indien, Deutschland, Kanada und den USA hinsichtlich ihrer Meinung zu Gold befragt wurden. Unter den mehr als 2.000 deutschen Umfrageteilnehmern waren 64 Prozent der Meinung, dass Gold eine gute Absicherung gegen Inflation und Währungsschwankungen sei. Außerdem zeigten sich 61 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass Gold auf lange Sicht niemals seinen Wert verlieren werde. Ebenfalls interessant: 57 Prozent vertrauen eher Gold als Währungen. Daran scheint sich nichts Wesentliches geändert zu haben, schließlich weisen die diesjährigen Ergebnisse der von pro aurum in Auftrag gegebenen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa in dieselbe Richtung. Laut einer repräsentativen Befragung unter mehr als tausend erwachsenen Bundesbürgern, stimmten zum Beispiel 73 Prozent der Befragten der These zu, dass Gold eine gute Ergänzung zu anderen Geldanlagen darstelle. Einen hohen Zuspruch von 71 Prozent verzeichnete zudem das Statement, dass Gold als sichere Geldanlage anzusehen sei. Bei der Frage nach der Geldanlage mit der auf Sicht von drei Jahren höchsten Gewinnperspektive landete Gold mit einer Quote von 23 Prozent direkt hinter Aktien (32 Prozent) auf Rang zwei.


Eines sollten Anleger dabei stets im Hinterkopf behalten: Totalverluste sind bei Aktien deutlich wahrscheinlicher als bei Goldbarren oder -münzen. Selbst DAX-Werte sind nicht über alle Zweifel erhaben, wie Wirecard 2020 bewiesen hat.


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