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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Fonds: Keine Heimatliebe




03.08.17 11:46
Redaktion boerse-frankfurt.de


International investierte Aktienfonds finden derzeit mehr Abnehmer als Portfolios mit deutschen Unternehmen - angesichts der jüngsten DAX-Schwäche kein Wunder. Außerdem kommen Tech-Fonds gut an. 2. August 2017. (FRANKFURT) Börse Frankfurt. Wegen der zuletzt enttäuschenden Entwicklung am deutschen Aktienmarkt wenden sich Anleger wieder verstärkt ausländischen Werten zu: "Internationale Fonds werden viel gekauft, während deutsche und europäische Titel eher verkauft werden", berichtet Andreas Kehnen von der Baader Bank. 

Von seinem Allzeithoch bei 12.951,54 Punkten hat sich der DAX mittlerweile weit entfernt, am Mittwochmittag liegt der Index bei 12.230 Punkten, Anfang dieser Woche waren es im Tief nur 12.100 Zähler. In den USA kletterte der Dow Jones am gestrigen Dienstag hingegen auf ein neues Allzeithoch und verfehlte nur knapp die 22.000 Punkte-Marke. Der S&P 500 hatte vergangene Woche ein Rekordhoch erreicht. Auf dem DAX lasten derzeit der starke Euro und die Querelen um die Autoindustrie - Deutschlands wichtigster Branche.

Insgesamt sind die Umsätze im Fondshandel saisonal bedingt zurückgegangen. Ivo Orlemann von der ICF Bank berichtet von einem ruhigen Handel. "Das liegt an den Sommerferien." Das sieht auch Kehnen so. "Außerdem fehlen die Impulse."


OrlemannOrlemann   Durststrecke für deutsche Aktienfonds  

Auf den Verkaufslisten stehen etwa der DekaFonds CF (WKN 847450) und der Allianz Nebenwerte Deutschland (WKN 848176), wie Kehnen beobachtet hat. Zugegriffen werde allerdings beim MainFirst Germany (WKN A0RAJN) und beim DWS Aktien Strategie Deutschland (WKN 976986). Der DWS-Fonds wurde zum 17. Juli wieder für Anleger geöffnet. Im März 2016 war er geschlossen worden, nachdem die Kapazitätsgrenze des Fondsvolumens erreicht worden war.


KehnenKehnen   In der Gunst der Anleger weit oben steht Orlemann zufolge der Apus Capital ReValue (WKN A1H44E), der auf europäische Nebenwerte setzt. "Das war auch in den vergangenen Wochen so", ergänzt der Market Maker. Der Fonds von Hansainvest, der eine Value-Strategie verfolgt, kommt laut Morningstar im laufenden Jahr schon auf ein Plus von 26,7 Prozent. Auf Sicht von drei Jahren sind es 22,5 Prozent, auf Sicht von fünf Jahren 20,1 Prozent jährlich. 

Kunden der Baader Bank steigen beim weltweit investierenden Siemens Global Growth (WKN 977265) und beim Morgan Stanley Global Opportunity (WKN A1H6XK) ein. 

Ebenfalls begehrt ist ein gänzlich anderes Konzept, der ETF-Dachfonds Easyfolio 50 (WKN EASY50). "Das liegt wohl auch an den niedrigen Gebühren", meint Kehnen. Der Robo-Advisor Easyfolio setzt auf Einfachheit und bietet daher genau drei Anlagestrategien an: Easyfolio 30, Easyfolio 50 und Easyfolio 70. Dabei entsprechen die Zahlen im Fondsnamen dem prozentualen Aktienanteil. 

Darüber hinaus waren an der Börse Frankfurt in den vergangenen vier Wochen die Umsätze mit Anteilen des DWS Top Dividende (WKN 984811) und des DWS Deutschland (WKN 849096) hoch. 

Kauffreude bei Tech-Fonds


Der Höhenflug der US-Technologiewerte macht sich auch im Fondshandel bemerkbar: Orlemann sieht sehr viel Nachfrage nach dem Fidelity Funds Global Technology (WKN 921800). Der investiert weltweit in Unternehmen, die aller Voraussicht nach besonders von neuen technologischen Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen profitieren werden. Das Fondsmanagement konzentriert sich dabei auf Wachstumsunternehmen, die etablierte Marktführer sind, sowie Unternehmen, die in aufstrebenden Marktnischen Fuß gefasst haben. Seit Anfang des Jahres liegt die Rendite laut Morningstar - wegen des schwachen US-Dollars - "nur" bei 7,3 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren waren es aber 20,1 Prozent im Jahr. 

"Auch Biotech-Unternehmen, die lange kein Thema waren, werden wieder mehr beachtet", ergänzt der Händler. Als Beispiele nennt er den Credit Suisse Global Biotech Innovators (WKN 762220) und den SEB Concept Biotechnology (WKN 542164). Die Baader Bank meldet zudem Zuflüsse im DWS Water Sustainability (WKN DWS0DT). 

Immer rege gehandelt: Immobilienfonds


Sehr umsatzstark präsentieren sich weiter Immobilienfonds. "Bei uns wurden vor allem der Hausinvest, der UniImmo Deutschland sowie der UniImmo Europa (WKN 980551) viel gehandelt", stellt Orlemann fest. Auch an der Börse Frankfurt stehen die Immobilienfonds auf der Umsatzliste für die vergangenen vier Wochen weit oben, etwa der Deka Immobilien Europa (WKN 980956), der Grundbesitz Europa (WKN 980700), der Hausinvest (WKN 980701), der Fokus Wohnen Deutschland (WKN A12BSB), der Grundbesitz Global (WKN 980705) und der UniImmo Deutschland (WKN 980550). 

Wieder erwachtes Interesse an Asien


Etwas belebt hat sich der Handel mit Fonds für asiatische Aktien. "Lange Zeit war ja hier gar nichts los, das ist jetzt anders", stellt Kehnen fest. Anleger positionierten sich etwa im UBS Equity Fund China Opportunity USD (WKN 986579), im Comgest Growth Greater China Euro (WKN 756455) und im Fidelity Funds Asian Smaller Companies (WKN A1JTXT). Viel gehandelt wurde an der Börse Frankfurt der Aberdeen Global Asian Smaller Companies (WKN A0HMM3). 

Manche Mischfonds ziehen immer


Unter den Mischfonds bleibt der Flossbach von Storch Multiple Opportunities (WKN A0M430) Favorit der Anleger, wie Orlemann erklärt. "Der wird meist gekauft, manchmal auch verkauft." Ebenfalls eher Käufe sieht er bei der ausschüttenden Variante des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (WKN A1JSWP), der schwerpunktmäßig auf kleine und mittlere Werte aus dem deutschsprachigen Raum setzt. Von der thesaurierenden Version (WKN A0M8HD), dem sehr beliebten Klassiker, können neue Investoren bis auf Weiteres keine Fondsanteile mehr erwerben. Altinvestoren können im Rahmen dieses "Soft Closing" allerdings weiter kaufen. 

Kaum Zuspruch für Minenfonds


Kaum Anhänger finden Kehnen zufolge derzeit Minenfonds. Der Goldpreis selbst ist zuletzt wieder etwas gestiegen, schwankt aber weiter um 1.250 US-Dollar je Feinunze, am Mittwochmittag sind es 1.266 US-Dollar. "Vielleicht wird lieber direkt auf Gold gesetzt." Zuflüsse auf niedrigem Niveau sieht Kehnen allenfalls im BGF World Mining (WKN A0RFC4). 

von: Anna-Maria Borse 
2. August 2017, © Deutsche Börse AG



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