Kolumnist: Sven Weisenhaus

Fed senkt den Leitzins und beendet die Bilanzverkürzung




02.08.19 09:19
Sven Weisenhaus

Die US-Notenbank hat vorgestern den Leitzins, wie von den Märkten mehrheitlich erwartet, um 25 Basispunkte gesenkt. Die Fed Funds Target Rate liegt damit künftig in einer Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent.


Leitzins der US-Notenbank


Im Statement zum Zinsentscheid wurde dies nur durch einige wenige Änderungen im Wortlaut begründet. Der entscheidende Satz aber lautet: „Angesichts der Auswirkungen der globalen Entwicklungen auf die Konjunkturaussichten sowie des gedämpften Inflationsdrucks beschloss der Ausschuss, die Zielspanne für den Leitzins auf 2,0 bis 2,5 % zu senken“.


Zudem beschloss das Federal Open Market Committee (FOMC), den Abbau der Wertpapierbestände bereits ab dem gestern beginnenden August und damit zwei Monate früher als bislang angegeben zu beenden. Abgesehen davon gab es keine weiteren wesentlichen Änderungen im Statement.


Fed-Chef Jerome Powell hält der Notenbank alle Türen offen


In der Pressekonferenz zum Zinsentscheid bestätigte Fed-Chef Jerome Powell dann die Meinung, dass die moderate Zinssenkung lediglich eine „Versicherung“ gegen globale Abwärtsrisiken sein soll (siehe auch „Bei diesen Daten ist eine Fed-Leitzinssenkung kaum zu rechtfertigen“). Sie solle zudem eine schnellere Rückkehr der Inflation zum 2%-Ziel unterstützen.


Was weitere Zinsschritte angeht, so war Powell aus meiner Sicht bemüht, die wirtschaftliche Entwicklung der USA relativ optimistisch darzustellen und die offenbar zu hohen Zinssenkungserwartungen zu dämpfen. Den aktuellen Zinsschritt nannte er auch eine "mid-cycle"-Zinssenkung, was bedeute, dass man nicht am Beginn eines längeren Zinssenkungszyklus stehe, so Powell. Er hielt der Notenbank alle Türen offen, indem er sowohl eine weitere Zinssenkung als auch eine Zinserhöhung nicht ausschloss. Und er betonte mehrfach, dass der Ausblick für die Wirtschaft positiv sei.


Die Fed wird sich laut Powell bei zukünftigen Entscheidungen weiterhin an den bis dahin hereinkommenden Daten orientieren. Und diese gilt es daher in den kommenden Wochen und Monaten zu beobachten, um daraus Erkenntnisse für die weitere Geldpolitik der US-Notenbank zu erhalten.


Zinssenkungserwartungen wurden gedämpft


Mit Blick auf die Aktienkursentwicklung gelang es Powell auch ganz gut, den Märkten den Zinssenkungs-Zahn zu ziehen. Denn die US-Indizes ließen während der Pressekonferenz ordentlich Federn. Vom Tageshoch bis zum Tief verlor der Dow Jones zum Beispiel ganze 562 Punkte bzw. mehr als 2 %. Der Index ist damit nun recht klar von der oberen Linie der möglichen trompetenartigen Formation abgeprallt.


Dow Jones - Chartanalyse


Und so haben sich die US-Indizes genauso verhalten, wie es zu befürchten war („buy the rumors, sell the facts“ – siehe Börse-Intern vom 5. Juli). Allerdings kam es anschließend auch zu einer ordentlichen Kurserholung. Und so muss man nun wohl erst einmal abwarten, für welche Richtung sich die Märkte letztlich entscheiden, wenn sie das vorgestrige Ereignis vollständig verarbeitet haben.


EUR/USD mit überraschender Kursreaktion


Das gilt wohl auch für den EUR/USD, der vorgestern eine etwas überraschende Entwicklung zeigte. Eigentlich belasten Zinssenkungen die entsprechende Währung der jeweiligen Notenbank, weil bei niedrigeren Renditen Investitionen in dem Währungsraum unattraktiver werden. Doch trotz der vorgestrigen Zinssenkung der US-Notenbank zeigte der Dollar Stärke – der EUR/USD gab weiter nach und erreichte sogar ein neues Korrekturtief (siehe roter Pfeil im folgenden Chart).


EUR/USD - Chartanalyse


Damit hat sich die zwischenzeitliche Kurserholung (grüner Trendkanal) lediglich als Gegenbewegung im Abwärtstrend herausgestellt. Doch auch hier muss man noch abwarten, ob die neue Abwärtsdynamik nun nachhaltig ist. Zumal der Wechselkurs schon eine nächste Unterstützungslinie erreicht hat – die untere Linie der Keilformation (blau). Kommt es hier zu einer ordentlichen Gegenbewegung, könnte sich auch lediglich die moderate Abwärtstendenz fortsetzen, in die der Wechselkurs Ende 2018 eingeschwenkt ist.


Fazit


Kurzfristig liegen sowohl bei den Aktienindizes als auch im EUR/USD nun bearishe Signale vor. Man könnte daher neue Short-Trades platzieren. Allerdings kann es Sinn machen, noch abzuwarten, ob die jüngsten Marktbewegungen nachhaltig sind und neue Trends einleiten oder ob die Märkte nach dem Verdauen des vorgestrigen Zinsentscheids nicht doch ihre bisherigen Tendenzen einfach fortsetzen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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