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Kolumnist: HypoVereinsbank onemarkets

Fed: Wie steil wird der Zinsanhebungszyklus?




04.05.22 14:33
HypoVereinsbank onemarkets

Aktien- und Rentenmärkte hatten sich im Vorfeld der heutigen FOMC-Entscheidung gerade beruhigt, da kam EZB-Direktorin Isabel Schnabel mit Einschätzungen, die auf einen frühestmöglichen Beginn der Zinsanhebungen seitens der Notenbank bereits im Juli schließen ließen. Und so steht der Bundmarkt heute früh auf sehr schwachen Füßen, die 10J-Rendite klettert wie bereits gestern Vormittag wieder über die 1,00%-Marke. Mit Blick auf die FOMC-Entscheidung heute Abend stellt sich vor allem die Frage, inwieweit es dem Fed-Vorsitzenden Jerome Powell überhaupt möglich ist, die sehr sportlichen Leitzinsanhebungserwartungen im Markt noch zusätzlich anzuheizen. Unserer Ansicht nach ist dies unwahrscheinlich, weshalb wir im Nachgang zu der Fed-Ankündigung sogar eine kleine Erleichterungs-Rallye im UST-Markt für möglich halten.


Vonseiten der Europäischen Zentralbank hatten wir in den vergangenen Tagen relativ wenig vernommen, öffentliche Stellungnahmen waren rar gesät. Nun aber weckte EZB-Direktorin Isabel Schnabel die Marktteilnehmer mit einem Interview im Handelsblatt auf. Es stehe „außer Zweifel“, dass höhere Lohnforderungen kommen werden, sollte die Inflation längere Zeit so hoch bleiben, meinte Schnabel. Dies war nuanciert formuliert, sprach sie doch von Lohnforderungen, und nicht von Lohnabschlüssen. Wir erinnern uns, vor rund einer Woche kündigte die IG Metall an, mit einer Lohnforderung von 8,2% bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten in die Verhandlungen für die rund 75.000 Beschäftigten in der nordwest- und ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie gehen zu wollen. „Jetzt reicht es nicht mehr zu reden, wir müssen handeln.“ Dieser Satz stammt aber nicht von der IG Metall, sondern von Isabel Schnabel. „Aus heutiger Sicht“ erachtet die Volkswirtin es für angemessen, die Anleihekäufe im Rahmen des APP bereits im Juni zu beenden und im Juli das erste Mal die Leitzinsen anzuheben.


„Aus heutiger Sicht“ ist eine angemessene Einschränkung. Bis zur Ratssitzung der EZB am 21. Juli sind es noch mehr als zweieinhalb Monate. Diese Zeitspanne entspricht ziemlich genau der bisherigen Dauer des Kriegs in der Ukraine. In den nächsten zehn Wochen kann noch viel passieren, was nicht nur Isabel Schnabel, sondern auch andere EZB-Ratsmitglieder zu einer Neueinschätzung ihrer Aussichten veranlassen könnte. Heute früh kündigte EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein „geordnetes Embargo“ russischer Öllieferungen an. Die politische Diskussion dürfte sich nun wieder verstärkt der Frage der Gaslieferungen zuwenden. Insgesamt ist der Ausblick für die geldpolitische Entwicklung in der Eurozone von enorm hohen Unsicherheiten gekennzeichnet.


In den USA ist dies nicht der Fall. Bezüglich der Leitzinspolitik der Fed geht es eigentlich eher um verschiedene Variationen als um die generelle Stoßrichtung. Die Fed wird den Leitzins in den kommenden Monaten zügig auf ein neutrales Niveau von rund 2½% anheben, und es bedarf schon eines erheblichen Konjunktureinbruchs, um die Notenbank von diesem Weg abzubringen. Fraglich ist, wie schnell der Zinsanhebungspfad tatsächlich beschritten wird. Wir erwarten ein „2+4“-Muster aus zwei 50-Bp-Anhebungen und vier 25-Bp-Anhebungen. Der Markt preist hingegen ein „4+2“-Szenario ein. Wir erwarten, dass die Fed nach Erreichen eines neutralen Leitzinsniveaus keine weiteren Zinsanhebungen mehr ankündigen wird, der Markt sieht weitere Anhebungen bis in den restriktiven Bereich. Einige Marktteilnehmer argumentieren, die Fed werde den Leitzins letztlich noch viel stärker anheben müssen, bis auf 4% oder 5%. Eine derart restriktive Gangart halten wir hingegen für nicht erforderlich.


Die vielleicht wichtigste Frage vor der heutigen FOMC-Entscheidung lautet, ob der Fed-Vorsitzende auch Zinsanhebungen im Ausmaß von 75 Basispunkten ins Auge fasst. Ein solch großer Zinsschritt ist selbst in den ansonsten sehr sportlich gepreisten Geldmarkt-Forwards noch nicht gespiegelt. Wir denken allerdings, dass die Risiken einer noch zügigeren Gangart deren mutmaßlichen Nutzen übersteigen würden, und Powell dürfte diesbezüglich eine ähnliche Meinung vertreten. Insofern besteht unserer Ansicht nach für den Fed-Vorsitzenden kaum Spielraum, die Markterwartungen auf der hawkishen Seite zu übertreffen. Sollten wir mit dieser Einschätzung richtig liegen, dürfte der US Treasurymarkt im Nachgang zur heutigen FOMC-Pressekonferenz ab 20.30 Uhr sogar in eine Erleichterungs-Rallye übergehen. Im Bundmarkt könnte die 10J-Rendite morgen früh dann wieder unter die 1,00%-Marke rutschen…


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