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Kolumnist: Geldanlage-Report

Fällt der DAX auf 4.175 Punkte?!




28.07.06 19:50
Geldanlage-Report

Lieber Geldanleger,


 


eigentlich bin ich ja der komplett falsche Mann für eine Kolumne zum Thema Markt-Timing. Denn - das sage ich Ihnen ganz ehrlich - ich habe keine Ahnung, ob der Markt morgen, in einer Woche oder in einem Monat höher stehen wird als heute.


 


Trotzdem glaube ich, dass Ihnen die folgenden Zeilen weiter helfen, als die unzähligen Prognosen so mancher Marktauguren und Charttechniker.


Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Im Gegensatz zu letzteren hab ich einen Vorteil: Ich weiß, dass ich nichts weiß (wie schon Sokrates wußte) und bin damit dem Großteil der Börsianer schon einen Schritt voraus.


 


Keine Angst: Ich werde mich jetzt nicht als Hobbyphilosoph versuchen, aber wenn ich in den über 10 Jahren, während derer ich das Börsengeschehen intensiv verfolge, eine unumstößliche Überzeugung erlangt habe, dann ist es die Tatsache, dass sich die Entwicklung des Gesamtmarktes prinzipiell nicht prognostizieren läßt.


 


*Das Geschäft mit der Neugier - und der Vergesslichkeit


 


Ich könnte Ihnen unzählige Beispiele für die Richtigkeit dieser Aussage nennen. Eines der anschaulichsten ist folgendes: Die frappierende Ungenauigkeit der Prognosen der Banker zu Jahresbeginn, wo denn der DAX am Jahresende stehen wird. Die hochbezahlte Elite der deutschen Investment-Szene liegt mit erstaunlicher Regelmäßigkeit meilenweit daneben!


 


Das könnte jeder selbst nachprüfen - wenn er sich denn die Mühe machen würde. Er würde schnell merken, dass die Analysten lediglich deswegen jedes Jahr von neuem nach ihrer Meinung gefragt werden, weil sie von der Vergesslichkeit der Leute profitieren: Am Jahresende wollen alle nur wissen, was im kommenden Jahr passiert. Für die Prognosen aus dem Dezember/Januar des Vorjahres interessiert sich da keiner mehr. Ist ja auch klar: Bei der Informationsflut, die auf den gemeinen Börsianer - nicht zuletzt durch den Siegeszug des Internets - inzwischen tagtäglich einprasselt, ist es schwierig den Wald vor lauter Bäumen noch zu sehen.


 


Den Auswirkungen dieses "Information Overload" ist es wohl auch zuzuschreiben, dass Aktien-Gurus, die den Leuten scheinbar Orientierung vermitteln, nach wie vor Hochkonjunktur haben. Aber das ist ein anderes Thema.


 


*Nüchterne Fakten bringen es an den Tag


 


Einige nüchterne Zeitgenossen, wie beispielsweise Marc Hulbert, der in den USA einen Börsenbrief verfasst, der die Performance anderer Börsenbriefe unter die Lupe nimmt, hat 25 Jahre lang den Erfolg von so genannten Markt Timern getestet. Die Fragestellung lautete: Können Börsenbriefe durch gezieltes Verändern ihres Investitionsgrades, den Erfolg ihrer Strategie verbessern? Unabhängig davon, ob dieses Timing nun anhand charttechnischer oder fundamentaler Kriterien oder einer Mischung aus beiden erfolgt war, waren die Ergebnisse vernichtend. Eine simple Buy&Hold-Strategie (in der der Cash-Anteil dieser Briefe in jeder Phase einfach durch ein Indexzertifikat ersetzt wurde) hätte in über 95 Prozent der untersuchten Fälle eine bessere Rendite erwirtschaftet.


 


*Hilflos den Schwankungen des Marktes ausgeliefert?


 


Bleibt uns also letztlich nichts anderes übrig, als ein Indexzertifikat zu kaufen, sich schlafen zu legen und nach 20 Jahren wieder aufzuwachen und zu hoffen, dass die Märkte dann höher stehen? Schließlich deutet der Siegeszug dieser indexbasierten Produkte (die in den USA die Fondsgesellschaft Vanguard im letzten Jahrzehnt zu einem der Aufsteiger in der Szene gemacht hat) darauf hin, dass es immer mehr Leute so machen bzw. machen wollen.


Nein sicher nicht, denn verschiedenste wissenschaftlich relevante Untersuchungen zeigen, dass Value-Strategien auf die Dauer den Markt immer schlagen. Insbesonders solche, die gute Fundamental-Daten mit charttechnischen Aufwärtstrends kombinieren. Letztlich ist es gar nicht so wichtig, wie diese Strategie nun im Detail aussieht. Wichtig ist nur, dass Sie Anteile von guten Unternehmen zu attraktiven Preisen kaufen.


*Die aktuelle Lage


 


Kommen wir aber nun zur aktuellen Lage: Viel wird geschrieben über den steigenden Ölpreis, die Spannungen im Nahen Osten und die negativen Auswirkungen, die sich dadurch auf die Börse ergeben würden. Meiner Ansicht nach sind das alles nur Nebenschauplätze, schließlich steigt der Ölpreis schon seit über zwei Jahren von einem Hoch zum nächsten und im Nahen Osten reiht sich seit Jahren eine Krise an die andere - ohne dass das die Aktienkurse am Steigen gehindert hätte.


 


Was tatsächlich Einfluss auf die Börsenentwicklung hat, ist das Spannungsfeld zwischen anziehender Inflation (wozu teilweise - zugegebenermaßen - auch der Ölpreis beiträgt) und Zinserhöhungszyklus. Wir haben in den USA nun 17 (!) Zinserhöhungen in Folge gesehen, um die Inflation einzudämmen. Langsam aber sicher werden die Zinsen wieder zu einer größeren Belastung für diejenigen Unternehmen, die durch Investitionen relativ hoch verschuldet sind - und davon gibt es vor allem in den USA nicht wenige. Ein größerer Teil des Ertrags aus dem operativen Geschäfts muss so für die Schuldentilgung aufgewendet werden, was wiederum auf die Nettogewinne drückt (und in der Folge die Investitionsbereitschaft dieser Unternehmen und die Konjunktur an sich drosselt).


Die Kunst der US-Notenbank besteht nun darin, einerseits die Inflation im Zaum zu halten, andererseits aber die Wirtschaft nicht abzuwürge. Ein so genanntes "Soft Landing", also quasi eine kontrollierte Abkühlung und anschließende Restimulierung der Konjunktur, ohne dass es zu einer Rezession kommt, wäre das optimale Szenario.


 


*Das Bewertungs-Dilemma


 


In den Wirtschaftszyklen der jüngeren Vergangenheit ist dies der US-Notenbank ganz gut geglückt. Dadurch entwickelten sich die Gewinne der US-Unternehmen in den letzten 15 bis 20 Jahren (im Vergleich zum historischen Durchschnitt) sehr gut und die Aktienmärkte erlebten so in den 90er-Jahren einen der größten Bullenmärkte aller Zeiten. Aktien wurden in der Folge immer beliebter und - wie immer, wenn eine Anlageklasse über einen längeren Zeitraum sehr beliebt ist - auch immer teurer.


 


Der US-Wirtschafts-Professor Robert Shiller hat zur genaueren Quantifizierung von "teuer" eine Kennzahl entwickelt, die Sie ja bereits aus den Hauptausgaben des Geldanlage-Reports kennen: Das KGV10. Deshalb zur Auffrischung (bzw. für die vielen neuen Leser) an dieser Stelle nur eine kurze Wiederholung: Das Markt-KGV an sich setzt die Jahresgewinne aller in einem Index enthaltenen Unternehmen (in den USA z.B. die des S&P 500) ins Verhältnis zur Gesamtkapitalisierung dieses Index. Daraus läßt sich errechnen, mit dem wieviel-fachen Gewinn die Aktien im Durchschnitt aktuell bewertet werden. Je höher das Vielfache, umso teurer die Aktien.


 


So weit, so schlecht. Denn das Problem ist, dass die Unternehmensgewinne von einem Jahr zum anderen extrem schwanken können (z.B. waren die Gesamtgewinne im S&P 500 2003 über 50% höher als 2002) und deshalb dieses normale Markt-KGV im Prinzip gar nichts über das aktuelle Bewertungsniveau von Aktien aussagt.


 


*Historisch teure Aktienmärkte


 


Shiller hat nun aber herausgefunden, dass sich diese Schwankungen glätten lassen, in dem man bei der Berechnung nicht die Gewinne der letzten 12 Monate heranzieht sondern den Durchschnitt der Jahresgewinne der letzten 10 Jahre. Deshalb KGV 10. Und schon funktioniert das Ganze! Leider nicht kurzfristig aber immerhin im mittel- und langfristigen Bereich. Konkret heißt das: Auf hohe KGV10s waren in den folgenden 10 bis 15 Jahren nur unterdurchschnittliche Renditen zu erzielen und umgekehrt. Dieser Zusammenhang ist statistisch über mehr als ein Jahrhundert signifikant nachgewiesen.


Der historische Durchschnitt in den letzten 100 Jahren lag bei 17, aktuell liegt das KGV10 in den USA aber bei 23 und weltweit immer noch bei überdrchschnittlichen 21,4 (lt. den neuesten Daten der Huber-Portfolio AG aus dem Juni). Die Aktienmärkte sind also historisch betrachtet teuer.


 


*Die doppelte Gefahr


 


Nun muss das nicht zwangläufig heißen, dass die Märkte deswegen einbrechen. In den vergangenen paar Jahren lag das KGV10 nämlich teilweise noch wesentlich höher, ohne dass es in den USA zu einem Crash gekommen wäre. Durch die stark steigenden Gewinne wurde das hohe KGV10 bisher nach und nach über die Gewinnachse bei einem insgesamt seitwärts tendierenden Markt abgebaut.


Sollte allerdings das "Soft Landing" nicht funktionieren, dann droht die doppelte Gefahr: Wenn nämlich einbrechende Unternehmensgewinne auf eine historisch hohe Bewertung treffen, dann wird den Märkten quasi ein 1-2-Punch versetzt, der quasi zwangsläufig zum technischen K.O. führen würde. Und dann kann es durchaus auch zu crashartigen Kursbewegungen kommen.


 


*Fällt der DAX auf 4.175 Punkte?


 


Charttechnisch betrachtet läge gegebenenfalls beim DAX eine massive Unterstützungszone nach unten erst wieder im Bereich von 4.175 Punkten. An dieser Marke war der DAX 2004 nämlich mehrmals gescheitert. Und besonders starke Widerstände dienen ja laut Charttechnik 1x1 anschließend als starke Unterstützungen. Interessanterweise liegt das bei Charttechnikern ebenfalls viel beachtete 50%-Retracement (=50%-Korrektur, klingt nur professioneller) der Rallye-Bewegung vom Korrekturtief bei 2.188 in 2003 zum vorläufigen Hoch bei 6.162 Punkten aus dem Mai ebenfalls exakt an dieser Marke. Wir haben hier - um im Jargon zu bleiben - also eine massive Kreuzunterstützung.


 


MEIN FAZIT:


 


Fällt der DAX also auf 4.175 Punkte? Wenn Sie an Charttechnik glauben, dann stehen die Chancen nicht schlecht. Wenn Sie - so wie ich - nicht daran glauben, können Sie diese Prognose einfach vergessen!


Nicht vergessen sollten Sie aber die Tatsache, dass die Aktienmärkte historisch betrachtet hoch bewertet sind und sich daraus potenzielle Gefahren für den Aktienmarkt und eine niedrigere zu erwartende Gesamtmarkt-Rendite in den kommenden Jahren ergeben wird. Umso mehr Wert sollten Sie auf die Auswahl der Einzelwerte legen.  Wir helfen Ihnen dabei!


 


Lesen Sie darüber hinaus in der aktuellen Ausgabe des Geldanlage-Reports:



 


-          Continental: Hält der Aufwärtstrend?


-          Wo gibt’s die besten Zinsen?


 


 


 


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Viel Erfolg an der Börse wünscht Ihnen


 


Ihr


Armin Brack


Chefredakteur Geldanlage-Report


www.geldanlage-report.de


 


 


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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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