Kolumnist: Johannes von Rüden

Erstattungsrechner: Berechnen Sie Ihren Schadensersatz im Dieselskandal




09.09.21 15:04
Johannes von Rüden

Diverse Gerichte – so auch Deutschlands höchstes Zivilgericht, der Bundesgerichtshof (BGH) – haben entschieden, dass Haltern von Diesel-PKW ein Schadensersatz zusteht, wenn sie vom Abgasskandal betroffen sind. Doch wie hoch kann diese Entschädigung ausfallen?


 


Die deutschen Autohersteller haben nachweislich betrogen: In Millionen Dieselfahrzeugen vieler Marken – wie VW, Mercedes, Audi oder Opel – wurden illegale Abschalteinrichtungen zur Manipulation der Abgaswerte verbaut. Die Motoren dieser PKW reinigen die Abgase nicht ausreichend, sodass die Autos während der Fahrt mehr Emissionen freisetzen als gesetzlich erlaubt. Viele Dieselfahrer hätten ein solches Fahrzeug nicht gekauft, wenn sie von der Manipulation gewusst hätten. Daher steht ihnen ein Schadensersatz zu, der vor Gericht eingeklagt werden kann.


 


Formel zur Berechnung des Schadensersatzes im Abgasskandal


 


Für die Berechnung des Schadensersatzes im Dieselskandal hat sich mittlerweile eine Formel durchgesetzt, die Gerichte in der Regel anwenden, wenn die genaue Summe berechnet wird, die der Autohersteller dem geschädigten Verbraucher zahlen muss. Diese Formel setzt sich aus dem gezahlten Kaufpreis, den gefahrenen Kilometern und der geschätzten Gesamtlaufleistung des Fahrzeugs zusammen.


 


Bei der Gesamtlaufleistung handelt es sich um die Kilometerzahl, die das Auto vermutlich maximal fahren kann – bis es aufgrund großer Defekte aus Altersschwäche nicht mehr nutzbar ist. Aktuell rechnen die Richter in Abgasskandal-Fällen mit drei verschiedenen Werten: 250.000, 300.000 oder sogar 400.000 Kilometer Gesamtlaufleistung. Die Richter wählen den passenden Wert anhand Fahrzeug-Marke, -Modell und bisherigen Erfahrungswerten aus. Die Fahrzeug-Werte werden dann in die folgende Formel eingegeben:


 


Kaufpreis – (Gefahrene Kilometer ÷ Gesamtlaufleistung x Kaufpreis) = Schadensersatz für Dieselhalter


 


Rückerstattungsrechner zeigt Entschädigung im Dieselskandal an


 


Einfacher ist es, den möglichen Schadensersatz mithilfe eines Erstattungsrechners online berechnen zu lassen. Alle drei Werte für die Gesamtlaufleistung sind im Rückerstattungsrechner für den Dieselskandal hinterlegt. Nach Eingabe von Kaufpreis, Kilometer bei Kauf und aktuellem Kilometerstand wird in einer Tabelle die mögliche Höhe des Schadensersatzes, wie ihn Gerichte in der Regel berechnen, angezeigt. So können betroffene Dieselhalter unkompliziert berechnen lassen, wie eine Entschädigung aussehen kann. Allerdings ist diese Berechnung nur eine vorläufige Summe. Vor Gericht können weitere Faktoren berücksichtigt werden: etwa Zinsen oder Finanzierungskosten, wie bei einem Kauf des Diesels auf Raten, die der Hersteller zusätzlich an den Autofahrer zahlen muss.


 


Die Nutzung des Erstattungsrechners ersetzt jedoch keine anwaltliche Beratung im Abgasskandal. Wer einen manipulierten Diesel besitzt und sogar von einem amtlichen Rückruf betroffen ist, sollte sich dringend an einen Anwalt wenden. In einem kostenlosen Erstgespräch wird erklärt, welche rechtlichen Möglichkeiten und Chancen der betroffene Verbraucher im Dieselskandal hat. In den meisten Fällen ist die individuelle Klage gegen den Autohersteller eine lukrative Alternative zum eher verlustreichen Weiterverkauf des vom Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeugs.


 


Johannes von Rüden, Rechtsanwalt und Gründer der Kanzlei VON RUEDEN


 



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