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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Das Ende beginnt mit dem neuen Allzeithoch




06.10.17 10:43
Sven Weisenhaus

Nicht nur die Konjunkturdaten aus der Eurozone deuten auf eine erstarkende Wirtschaft hin, auch in den USA sehen wir derzeit äußerst gute Zahlen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich stieg beispielsweise von 55,3 Zählern im Vormonat auf 59,8 Punkte. Das Ergebnis ist ein 12-Jahres-Hoch (!), welches zuletzt im August 2005 zu sehen war.


ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich der USA
(Quelle: Tradingeconomics.com)


Dazu kommt noch, dass auch die US-Einkaufsmanagerindizes vom IHS Markit Institut im September weiter anstiegen. Sie befinden sich nun alle über dem Bereich von 50 Punkten und signalisieren damit ebenfalls ein zukünftiges Wirtschaftswachstum. Sowohl in der Eurozone als auch in den USA scheint die Wirtschaft wieder zu florieren. Für steigende Kurse an der Börse ist das also die perfekte Grundlage?


Wenn nicht jetzt, wann dann?


Passend dazu erhielten wir von einem unserer Leser eine Nachricht, dass es durchaus zu erwarten war, dass sich unter den Teilnehmern des Stockstreet-Trader-Sentiments in der aktuellen Umfrage Optimismus breit machte. „Wann, wenn nicht jetzt sollte man optimistisch werden?“, fragte der Leser und zählte auf:
- der „schlechte“ September ist rum
- die Lage in Nordkorea scheint sich zu entspannen
- der DAX hat wesentliche charttechnische Marken mit Bravour genommen.


Daran ist natürlich nichts falsch. Man sollte aber auch nicht das alte Prinzip vergessen: Kaufe, wenn die Welt unterzugehen scheint und verkaufe, wenn die Welt rosig aussieht. Diese optimistische Stimmung macht die Menschen schnell blind gegenüber Risiken. Und das ist es, was einem zu denken geben sollte!


Der Anfang vom Ende


Für das Jahr 2017 rechnete ich mit einer zwischenzeitlich scharfen Korrektur. Im DAX hat diese tatsächlich stattgefunden. In den relativ überbewerteten US-Indizes kam es aber noch nicht dazu. Ich erwarte aber nach wie vor, dass es dazu kommen wird. Das oben genannte Prinzip hat nämlich folgendes Problem: Gerade Übertreibungsphasen können länger dauern, als man denkt. Die Hausse (Rally) nährt dann die Hausse - und eben das führt zu „Übertreibungen“..


Umso heftiger wird es, wenn in solchen Phasen die US-Indizes einbrechen. Dies dürfte dann auch den DAX beeinträchtigen. In dem Fall ist es also nicht so, dass der aktuelle Anstieg des DAX auf ein neues Allzeithoch einen neuen Aufwärtstrend im DAX eingeleitet hat, sondern dass dieser Anstieg den laufenden Aufwärtstrend vollendet und beendet.


Ich möchte in diesem Zusammenhang an dieser Stelle nochmal zur Erinnerung meine Elliott-Wellen-Analyse vom Jahresbeginn (siehe Börse-Intern vom 10. Januar) erneuern. Ganz genau hielt sich der DAX zwar nicht an meinen (aus der Saisonalität abgeleiteten) erwarteten Kursverlauf (siehe schwarze Pfeile im folgenden Chart). Immerhin liegt er aber nah dran. Mit einem neuen Allzeithoch hatte ich im Rahmen der Welle 5 (blaue Ziffern im Chart) gerechnet.


DAX - Elliott-Wellen-Analyse


Wenn Sie auch meine vorangegangenen Elliott-Wellen-Analysen gelesen haben, dürften Sie wissen, dass am Ende einer Welle 5 der jeweilige Aufwärtszyklus komplett ist und eine(ABC-)Korrektur folgt.


Die fraktale Struktur der Elliot-Wellen


Diese könnte den DAX sogar wieder auf ein vierstelliges Niveau herunterziehen. Vor der großen (ABC-)Korrektur könnte sich aber noch eine kleinere - gefolgt von einem neuen Allzeithoch – bilden. Wirft man einen genaueren Blick auf das Wellenmuster der (blauen) Welle 5 im DAX, ergibt sich folgendes Bild (siehe schwarze Ziffern).


DAX - Elliott-Wellen-Analyse


Es ist nämlich so, dass Elliott-Wellen eine fraktale Struktur haben (siehe folgende Grafik). Das bedeutet, dass sich das 5-gliedrige Muster der übergeordneten Wellen auch in den untergeordneten Wellen wiederfinden lässt:


fraktale Struktur der Elliott-Wellen


Deshalb besteht jede der Aufwärtswellen 1, 3 und 5 auch wieder aus 5 untergeordneten Wellen. Im DAX-Chart oben sind diese untergeordneten Wellen mit den schwarzen Ziffern markiert. Entsprechend befinden wir uns aktuell in der (schwarzen) Welle 3 der übergeordneten (blauen) Welle 5.


Im Falle einer Korrektur, sollte sich die (schwarze) Abwärtswelle 4 bilden. Auf diese folgt dann noch eine (schwarze) Aufwärtswelle 5. Das Ende dieser (schwarzen) Aufwärtswelle 5 markiert dann auch das Ende der übergeordneten (blauen) Welle 5.


Es wird nochmal besser, dann geht es erst abwärts


Natürlich kann man diese fraktale Struktur auch in der untergeordneten (schwarzen) Welle 3 entdecken. Anhand der gelben Ziffern im folgenden Chart lässt sich gut erkennen, wie die aktuell laufende Welle 3 (schwarz) in 5 untergeordnete Wellen (gelb) unterteilbar ist.


DAX - Elliott-Wellen-Analyse


Der aktuelle Anstieg des DAX auf ein neues Allzeithoch ist also nicht der Beginn eines neuen Aufwärtstrends. Es handelt sich nur um die Fortsetzung der gelben Welle 5 bzw. der schwarzen Welle 3. Bleiben die Elliott-Wellen-Regeln auch diesmal in Kraft, wird eine größere ABC-Korrektur folgen. Mit „Größer“ meine ich an dieser Stelle, dass der DAX wohl noch einmal unter das Tief der Sommerkorrektur zurückgedrängt wird (roter Pfeil). Anschließend sollte es dann nochmals aufwärts (grüner Pfeil) gehen im Rahmen der schwarzen und blauen Welle 5. Erst dann könnte es richtig düster werden – denn erst dann kommt die große ABC-Korrektur.


Wie die Elliott-Wellen zur fundamentalen Entwicklung passen


Dabei passt diese charttechnische Prognose nach der Elliott-Wellen-Theorie übrigens ganz hervorragend zur Entwicklung der Konjunktur und Geldpolitik, also zu den fundamentalen Rahmenbedingungen. Wenn Sie wissen wollen, wieso das so ist, auf diesen Zusammenhang werde ich in der kommenden Ausgabe eingehen. Bleiben Sie also gespannt!


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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