Kolumnist: Feingold-Research

Emerging Markets – Anleiheninvestoren aufgepasst




13.10.17 14:06
Feingold-Research

Am Donnerstag verkündete Mario Draghi, dass die Leitzinsen vorerst weiterhin bei Null bleiben werden. Viele Anleger suchen nach Anlagealternativen im weiter anhaltenden Niedrigzinsumfeld. Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die Schwellenländer, welche insbesondere als Schuldner für Unternehmensanleihen interessant sein können. Die Emerging Markets konnten im bisherigen Jahresverlauf ein stärkeres Wachstum als die großen Industrienationen vorweisen. Das makroökonomische Umfeld scheint in den meisten Schwellenländern weiterhin intakt zu sein. Wer nicht an Unternehmensanleihen interessiert ist, kann sich das Express-Zertifikat DB9UBV auf den MSCI Emerging Markets Index anschauen. Anleger, die ihr Geld lieber in einen ETF investieren finden bei Lyxor passende Fonds, wie beispielsweise LYX0BX.


 



Die Analysten von BMO GAM geben eine Einschätzung zum Thema Emerging Markets und Anleihen:


Anleihen von Schuldnern aus Schwellenländern bleiben im aktuellen Niedrigzinsumfeld eine Anlagealternative zu Unternehmensanleihen aus den entwickelten Volkswirtschaften. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des Vermögensverwalters BMO Global Asset Management (GAM). „Aus makroökonomischer Sicht sind wir weiter gedämpft optimistisch für die Emerging Markets“, sagt Jonathan Mann, Head of Emerging Market Debt bei BMO GAM. „Das Wirtschaftswachstum in den entwickelten Staaten – auch in der Eurozone – ist einigermaßen robust, was den Export der Schwellenländer stützt.“


Deren Wachstum ist nach Beobachtung von Mann in einigen Regionen wie etwa Südostasien ausgesprochen stark. „In den rohstoffreichen Ländern wie Brasilien, Russland Südafrika oder Nigeria hat es zumindest wieder eine stabile Basis gefunden, nachdem sich die Rohstoffpreise von ihren langjährigen Tiefständen erholt haben – auch wenn speziell der Rohölpreis aufgrund einer Reihe von Faktoren unter Druck bleiben sollte“, glaubt der BMO-Experte.


EZB_Frankfurt (2)Zusätzliche Dynamik erwartet er in China und Indien durch die Strukturreformen, die dort vorangetrieben werden. Dagegen seien wirtschaftlich eher kleinere Schwellenländer wie die Ukraine, Ägypten, Honduras oder die Mongolei durch die Hilfsprogramme des Internationalen Währungsfonds (IWF) politisch gut verankert. „Zudem ist die Außenhandelsbilanz vieler Länder mehr als ausgeglichen, so dass es kurzfristig von dort kaum Finanzierungsbedarf gibt, so dass der Zinsaufschlag, den Staatsanleihen aus Emerging Markets etwa gegenüber sicheren US-Staatsanleihen bieten, begrenzt ist“ prognostiziert Mann.


„Die Investoren werden nun sehr genau verfolgen, wie stark die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten ihre geldpolitischen Zügel anziehen werden – um dann zu beobachten, ob durch die schwindende Liquidität die schwankungsarme Phase an den Kapitalmärkten beendet wird. Noch aber treiben die niedrigen Zinsen in vielen entwickelten Volkswirtschaften die Nachfrage nach höher verzinsten Emerging-Markets-Anleihen.“


Mit der Zinspolitik der Notenbanken haben wir uns in unserem Webinar am Mittwoch ausführlich beschäftigt. Alle die unsere Finanzmarktrunde verpasst haben, können sich hier die Aufzeichnung anschauen. 


Das Angebot dafür ist vorhanden. Seit Jahresanfang sind aus den Emerging-Markets Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 108 Milliarden US-Dollar neu an den Markt gekommen. „In erster Linie, weil einige wichtige Schuldner wie etwa Argentinien größeren Finanzbedarf hatten“, erläutert Mann. Die Renditen von Staatsanleihen aus Schwellenländern liegen gemessen am JPMorgan EMBI Global Diversified Index etwa um 300 Basispunkte unter ihrem Durchschnitt seit Ausbruch der Finanzkrise. „Damit bewegen sie sich derzeit in etwa auf dem Niveau von US-Unternehmensanleihen mit vergleichbarem Rating.“


Ebenso wie bei den Unternehmenspapieren gibt es jedoch auch bei Emerging-Markets-Anleihen einige Risiken, die Investoren beachten sollten. „Kurzfristig gesehen ist das vor allem eine Eskalation des Konfliktes zwischen Nordkorea und den USA“, gibt der BMO-Experte zu bedenken. „Dies dürfte dann auch die Beziehungen zwischen den USA und China belasten.“


In den USA dagegen könnten höhere Inflationsraten aufgrund von Lohnsteigerungen oder unerwartete politische Fortschritte bei der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Steuerreform dem Dollar zu neuer Stärke verhelfen. „Das kann dann unter Umständen die Fed dazu animieren, die Zinsen schneller anzuheben als dies derzeit an den Märkten eingepreist wird“, so Mann. „Außerdem wird es darauf ankommen, ob die EZB den Ausstieg aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik schafft, ohne dass sie damit die globalen Kapitalmärkte in Bewegung bringt. Und es sollte nicht vergessen werden, dass hinter dem Wachstum in China immer noch ein Fragenzeichen steht.“


Quelle: BMO Global Asset Management, eigene Recherche



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