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Kolumnist: Ralf Flierl

Eines ist sicher …




10.06.21 10:43
Ralf Flierl

… was die Politik anfasst, geht daneben.

Die Sache mit der Rente


„Eines ist sicher: Die Rente“ plakatierte der langjährige Arbeitsminister Norbert Blüm einst sogar kamerawirksam höchst persönlich. Schon damals waren sich Kenner der Materie einig, dass die Rente durch solche Aktionen wohl nicht sicherer werde. Selbst als reine Beruhigungsmaßnahme machte das wenig Sinn. Denn im Gegensatz zu Bankkonten, wo es im Zweifel zu einem Bankrun kommen kann, ist ein Rentenrun schlicht unmöglich. Selbst wer zutiefst davon überzeugt ist, dass die Leistung des staatlichen Rentenmonopolisten nicht annähernd dem entspricht, was sich die zwangsverpflichteten Beitragszahler wünschen würden, haben sie keine Chance, das System zu verlassen. Das ist ein bisschen wie mit dem sogenannten öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den man auch dann nicht abbestellen kann, wenn man keinerlei Ambitionen hat, diesen zu nutzen. Dass dem so ist, erfährt gerade Georg Thiel, der als Nicht-Nutzer und, was in diesem Zusammenhang wichtiger ist, als Nicht-Zahler dieser Veranstaltung vor nunmehr drei Monaten (!) in Beugehaft genommen wurde und noch immer im Gefängnis sitzt. Unter dem Hashtag #FreeGeorgThiel hat sich in den sozialen Medien allerdings zwischenzeitlich breite Unterstützung für den GEZ- pardon Beitragsservicerebellen gebildet. Als freies Medium halten wir ebenfalls nichts davon, Leser zu Abos zwangszuverpflichten, die sich nicht wollen. Wer den Smart Investor aber aus freien Stücken will, kann ihn hier abonnieren.


Schröpfen nach Expertenmanier


Aber wir schweifen ab. Bei der Rente, genauer gesagt bei den Beiträgen zur Rente, gibt es für Otto Normalangestellte also ebenfalls kein Entrinnen. Dass die Kasse in der Vergangenheit durch beitragsfremde Leistungen um viele Milliarden geplündert wurde, hätte bei einem privaten Versicherer die Aufsicht auf den Plan gerufen, mit dem absehbaren Ergebnis einer Schließung des ganzen Betriebs. Bei Staatsunternehmungen läuft das anders: Fehlt dort Geld – und dort fehlt es eigentlich immer –, dann ist es wiederum der Bürger/Kunde selbst, der die Suppe für falsche Konzepte, Missmanagement und Postenschiebereien auslöffeln darf. Dazu lässt man üblicherweise ein Expertengremium aufmarschieren, dass dann apodiktisch feststellt, dass – leider, leider – tiefer in die Taschen gegriffen werden muss – in Ihre versteht sich! Im vorliegenden Fall soll also die Erhöhung des Renteneintrittsalters und/oder die Absenkung des Rentenniveaus „alternativlos“ sein. Trotz Pandemie werden die Menschen nämlich einfach viel zu alt, um sie länger von eben jenem Geld finanzieren zu können, dass sie selbst über Jahrzehnte brav eingezahlt haben. Dieses Geld wurde nämlich längst verfrühstückt – Umlageverfahren mit Bundeszuschuss und einer starken Tendenz Richtung Einheitsrente, womit der Rentenbeitrag dann endgültig zu einer weiteren Form der Einkommensbesteuerung geworden wäre.


Ansprüche als Verfügungsmasse


Die sogenannten Rentenansprüche sind also gar keine, sondern eine politische Verfügungsmasse. Da helfen auch Regelbindungen wenig, weil diese jederzeit von der Politik einseitig geändert werden können. Und da haben wir über die Inflation noch gar nicht gesprochen, mittels derer jeglicher reale Rentenanspruch einfach abgeschmolzen werden kann. Sie verstehen, warum Sie hier zwangsweise Mitglied sind?! Schließlich wäre niemand so verrückt, einen solchen „Generationenvertrag“ freiwillig abzuschließen. In der Privatwirtschaft würde man wohl spätestens nach der Ankündigung einer „Rente mit 68“ sein Sonderkündigungsrecht aufgrund des Wegfalls der Geschäftsgrundlage wahrnehmen, um sich nach Konkurrenten umzusehen, die es besser können, oder Konzepten, die besser sind.


Fragen über Fragen


Wenn nun vorgerechnet wird, dass der Bundeszuschuss zur Rente perspektivisch praktisch ins Unermessliche wachse und schon von daher ein Umsteuern dringend geboten sei, dann drängt sich doch die eine oder andere Frage auf: Wie lösen unsere europäischen Partner eigentlich das Problem mit ihren überwiegend früheren und dann auch noch höheren Verrentungen? Sind sie blind für die Gefahren, können sie es besser, oder zapfen sie geheime Geldquellen an und welche mögen das wohl sein? Warum werden in einer EU, die sich sogar über einheitliche Regeln bei der Krümmung von Gurken Gedanken macht, nicht auch das Renteneintrittsalter und die Rentenhöhe der staatlichen Zwangsversicherungen auf einen einheitlichen Nenner gebracht? Wann eigentlich wird jene Stabilisierung der Sozialsysteme einsetzen, die uns mit dem massiven Zustrom junger, leistungsbereiter Fachkräfte in Aussicht gestellt wurde? Demographische Entwicklungen lassen sich von allen Problemlagen mit am besten und am weitesten im Voraus berechnen. Ist der Vorlauf vielleicht sogar zu groß, so dass die jeweiligen Regierungen das Problem einfach immer ihren Nachfolgern überlassen? Und schließlich, wenn selbst eine Krise mit deutlichster Ansage nur auf dem Rücken und auf Kosten der Bürger „bewältigt“ werden kann, wundert sich dann noch jemand über das Politik- und Staatsversagen in einer Ad-hoc-Krise wie der Corona-Pandemie?



Von der Windel bis zur Bahre


Immerhin scheint sich die Privatwirtschaft wesentlich besser auf die Vergreisung der Gesellschaft einzustellen. Seit Jahren gelten die Aktien jener Unternehmen als rationale Wahl, die irgendwas mit Alten machen. Egal ob Pflegeeinrichtungen, Seh- und Hörhilfen oder Pharmaunternehmen, das Alter ist ein todsicheres Geschäft. Die Musik spielte in den letzten Tagen freilich am anderen Ende des Spektrums. Der Kurs von windeln.de (WKN: WNDL20, akt. Kurs: 4,40 EUR) erhöhte sich in weniger als einer Woche in der Spitze um rund 750%. Während sich Strategen über die Rückkehr von Value Gedanken machen und viele gute Begründungen finden, warum die Luft für reine Momentum-Plays zunehmend dünner wird, machte dieser MicroCap, der mit dem Thema Value rein gar nichts zu tun hat, mal eben eine Performance, die Normalsterbliche nicht einmal über ihre komplette Anlegerkarriere erzielen – und zwar nachrichtenlos. Zwar gab es in der Aktie eine Kapitalherabsetzung, das eigentlich Trading aber scheint vor allem technisch motiviert zu sein, denn die Kursexplosion stoppte fast Cent-genau auf dem Niveau eines markanten früheren Hochs – zumindest vorläufig (vgl. Abb.).

Das Ganze erinnert an die Kurskapriolen der Aktien von Gamestop und AMC Entertainment, die vom reddit-Anlegerschwarm „wallstreetbets“ auf schwindelerregende Höhen getrieben wurden. Dieser Schwarm umfasst derzeit rund 10,4 Millionen „Degenerierte“ – so nennen sich die Nutzer selbst – und ist weiter aktiv. Die Idee dahinter war ursprünglich in massiv geshorteten Aktien die Kurse so lange nach oben zu treiben, bis die Leerverkäufer aufgeben und die Aktien schließlich zu exorbitanten Kursen eindecken müssen. Dadurch, dass das Risiko auf sehr viele Schultern verteilt war, konnten selbst Kleinanleger auf diese Weise die Profis der Gegenseite in Bedrängnis bringen. Das Ganze klingt in der Theorie allerdings besser als es in der Praxis ist. Die Achillesferse dieses informellen Kaufkartells war der Exit. Denn wenn alle durch die gleiche Tür wollen, klappt der Kurse mitunter genauso schnell wieder in sich zusammen, wie er zuvor anstieg.


Bitcoin-Schaukel


Wer heftige Kursschwankungen sucht, der wird auch weiter beim Bitcoin fündig. Einer der Haupteinflussfaktoren ist weiter Elon Musk mit seinen oft kursbewegenden Tweets. Einige davon sind ziemlich interpretationsfähig, wobei die Tweets vom 4. Juni als negative Anspielung aufgefasst wurden. Der Kurs ging erneut zurück. Auch die Signale aus China sind zweideutig: Einerseits will man Minern und Börsen das Leben schwerer machen, andererseits gibt es zarte Signale, dass private Anleger wohl weitestgehend in Ruhe gelassen werden. Positiv ist dagegen die Ankündigung des Präsidenten von El Salvodor, der den Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel machen will. Aktuell wird dort der US-Dollar genutzt, weil das zentralamerikanische Land gar keine eigene Währung mehr hat. Aufhorchen lässt die Begründung: Man wolle sich nicht nur unabhängig von der Politik der US-amerikanischen Notenbank machen, es gehe auch explizit darum, eine Digitalwährung zuzulassen, deren Wert von marktwirtschaftlichen Kriterien – also von Angebot und Nachfrage – abhängig sei. Bei so viel marktwirtschaftlicher Gesinnung kann man sich in dem Land, das Ludwig Erhard einst zu wirtschaftlicher Größe führte, heute nur noch die Augen reiben.


In eigener Sache / Urlaubszeit


In dieser Woche ist unser Büro leider weiter nur schwach besetzt. Darunter kann tageweise der Telefondienst etwas leiden. Wir bitten Sie, das zu entschuldigen, aber auch Smarties müssen manchmal kurz in den Urlaub gehen. In der Zwischenzeit bitten wir Sie, uns Ihre Anliegen vorzugsweise per Mail mitzuteilen. Diese werden baldmöglichst bearbeitet und für die Einhaltung eventueller Fristen zählt selbstverständlich das Datum des Maileingangs. Ab dem 14.6. sind wir dann wieder voll besetzt und auch persönlich wie gewohnt gut zu erreichen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.


Musterdepots & wikifolio


In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung in unserem wikifolio „Smart Investor Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.


Fazit


Das nun auch medial neu aufklaffende Rentenloch zeigt einmal mehr, wie staatliches Management funktioniert: Erst werden unbequeme Themen so lange wie möglich ausgesessen. Wenn sie dann schlagend werden, löst man sie auf dem Rücken derjenigen, von denen am wenigsten Gegenwehr zu erwarten ist – diesmal sind es die Rentner.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
2,38 € 2,77 € -0,39 € -14,08% 17.06./19:45
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000WNDL201 WNDL20 7,04 € 0,54 €
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
2,38 € -14,08%  19:44
Hannover 2,71 € -3,56%  08:10
Xetra 2,40 € -12,09%  17:38
Stuttgart 2,36 € -13,55%  19:30
München 2,52 € -13,99%  11:25
Berlin 2,38 € -14,70%  17:46
Frankfurt 2,37 € -17,13%  18:41
Hamburg 2,40 € -17,24%  13:55
Düsseldorf 2,36 € -17,48%  17:39
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