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Kolumnist: D. Kirschbaum

EZB legt die Karten auf den Tisch!




02.06.10 23:49
D. Kirschbaum

Nachdem die EU das Rettungspaket für Griechenland geschnürt hat, dürfte die Unsicherheit aus dem Markt sein hinsichtlich der Frage, ob und wie stark die Europäische Gemeinschaft seinem angeschlagenen Sorgenkind unter die Arme greift. Viele Analysten und Kommentatoren sehen darin, dass die Karten nun auf dem Tisch liegen, etwas Positives für den Markt, weil die bösen Spekulanten von diesem nach Außen demonstrierten Schulterschluss abgeschreckt werden und Vertrauen in die Stabilität der EU im Allgemeinen und Griechenland im Besonderen zurückkehren sollen. Wir sind in diesem Punkt gänzlich anderer Meinung. Die EU ist mit seinen Zusagen an die Grenze des wirtschaftlich und politisch Durchsetzbaren gegangen. Damit hat sie quasi ihr gesamtes Pulver in einem Schuss verschossen.


 


Der Akt, die Trümpfe jetzt auszuspielen, wird gerade neue Spekulationen auslösen, denn jeder kennt nun das Blatt der „großen Hand“. Jeder weiß nun, was die EU und Griechenland sich leisten können und was eben nicht.


 


Es gehört nicht viel Realitätssinn dazu, sich vorzustellen, dass die im günstigsten Fall bereitgestellten 45 Milliarden Euro für ein faktisch zahlungsunfähiges Land kein nachhaltiges Polster sind, wenn der Bedarf an frischem Kapital alleine im laufenden Jahr bei rund 30 Milliarden Euro liegt! Und jeder Euro Kapitalaufnahme vergrößert den ohnehin schon exzessiven Schuldenberg Griechenlands mitsamt den Zinsen. Griechenland ist ein Fass ohne Boden! Alles, was man vom jetzigen Zeitpunkt an noch in dieses Fass wirft geht ebenfalls verloren. Da es umgekehrt jedoch als ein politisches „No-Go“ angesehen wird, Griechenland zu „opfern“, wie die Europäische Union und mit ihr der Euro mit untergehen. Vielleicht noch nicht in den kommenden zwei bis drei Jahren. Aber der langfristige Schaden, der derzeit angerichtet wird, ist irreparabel.


 


Der Markt wird dieses Szenario vorwegnehmen. Gerade weil die Verhältnisse jetzt klar und die Rollen verteilt sind, haben die freien Marktkräfte leichtes Spiel, weil sie keine „bösen Überraschungen“ und keine ernsthafte Gegenwehr mehr von Seiten der Politik befürchten müssen. Wir sind überzeugt: Die Talfahrt des Euro wird sich fortsetzen und sich in den kommenden Monaten sogar beschleunigen. Bezeichnend, dass eine nennenswerte positive Reaktion auf den Devisenmärkten auf die Entscheidungen des Wochenendes gänzlich ausgeblieben ist. Allenfalls ein leichtes nervöses Zucken war zu erkennen. Der erhoffte stützende Effekt für die Gemeinschaftswährung ist erneut komplett verpufft. Wenn selbst solche Meldungen dem Euro kein neues Leben einhauchen, zeigt das, welch immens großer Druck auf ihm lastet.



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