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Kolumnist: Sven Weisenhaus

EZB bleibt zurückhaltend




08.09.17 16:32
Sven Weisenhaus

Wieder einmal ist die Sitzung des EZB-Rates zu einem Non-Event geworden. Weder beim Leitzins noch beim Anleiheprogramm gab es Veränderungen. Man übernahm sogar den genauen Wortlaut der Pressemitteilung zu den geldpolitischen Beschlüssen von der vorangegangenen Zinssitzung am 20.07.2017.


Entsprechend unspektakulär fielen die Kursreaktionen an den Märkten aus. Schließlich hatte auch kaum jemand mit einer Veränderung gerechnet. Interessanter wurde es erst, als der Präsident der EZB, Mario Draghi, die Überlegungen hinter den aktuellen Beschlüssen auf einer Pressekonferenz erläuterte:


Erwartungen wurden angepasst


So hat die EZB die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 von 1,9 % auf 2,2 % angehoben. Unverändert bei 1,5% bleibt dafür die Prognose für die Inflation für 2017. Für die Folgejahre senkte die EZB aber die Erwartungen von 1,3 % auf 1,2 % für 2018 und von 1,6 % auf 1,5 % für 2019.


Aufwertung des Euro zwingt zur Zurückhaltung


Die Reduktion der Inflationserwartung ist dabei auch auf den gestiegenen Euro-Wechselkurs zurückzuführen. Dessen höhere Volatilität ist ein Unsicherheitsfaktor, den es zunächst zu beobachten gilt. Es handle sich beim Wechselkurs zwar nicht um ein geldpolitisches Ziel, aber er müsse dennoch bei geldpolitischen Entscheidungen eine Berücksichtigung finden, so der EZB-Chef.


Zusammengefasst lässt sich also sagen: Das weitere Vorgehen beim QE-Programm wurde vertagt, weil der Euro stark aufwertete und die daraus resultierenden Effekte auf Wachstum und Inflation erst noch abgewartet werden müssen.


Im Oktober muss die Entscheidung fallen


Die Zeit dafür hat die EZB noch. Es spricht nichts dagegen erst bei der nächsten Sitzung im Oktober das weitere Vorgehen zu bestimmen. Und genau das hat die EZB laut Draghi vor: „This autumn we will decide on the calibration of our policy instruments beyond the end of the year, (...)“.


Im Oktober müssen dann Entscheidungen fallen. Schließlich läuft das QE-Programm Ende Dezember aus. Sollten bis zur nächsten Sitzung wieder neue Störfaktoren hinzukommen, könnte es eng werden, die Entscheidung nochmals zu vertagen. Denn dann wäre eine frühzeitige und behutsame Vorbereitung der Märkte auf ein Auslaufen oder eine eventuelle Verlängerung des Anleihekaufprogramms so gut wie unmöglich.


Unsicherheit mögen die Märkte kein Stück


Die Märkte mögen keine Unsicherheiten. Entsprechend könnte die Volatilität steigen, wenn auch auf der nächsten Sitzung keine Entscheidung getroffen werden sollte. Bislang ist nämlich noch nicht bekannt, ob das Programm wirklich zum Jahresende auslaufen oder doch verlängert wird (eventuell bei gleichzeitiger Reduzierung des monatlichen Ankaufvolumens). Fairerweise muss man sagen, dass so gut wie niemand davon ausgeht, dass es nicht zu einer Verlängerung kommt. Aber sicher ist natürlich nichts.


Haushaltsstreit in den USA nur vertagt


Zumal auch die USA nicht gerade hilft Unsicherheiten abzubauen. Zwar konnte man sich im Kongress auf eine Zwischenfinanzierung einigen. Diese reicht aber nur bis zum 15. Dezember. Ein Regierungsstillstand - einen sogenannten Government Shutdown - wurde bislang also nur auf später verschoben. Solange weiter verhandelt werden muss, bleiben die Risiken für die Finanzmärkte bestehen.


Sicherheit scheint vorzugehen


Entsprechend sahen die Marktreaktionen aus. So waren die sicheren Häfen wie Anleihen, Edelmetalle, Euro und Yen gefragt, während Aktien nach Ende der EZB-Pressekonferenz tendenziell verschmäht wurden. Die anhaltende Unsicherheit könnte entsprechend dafür sorgen, dass diese Tendenz in den kommenden Wochen bestehen bleibt. Dies könnte dann zu einer ausgedehnteren Korrektur an den Aktienmärkten führen. Zumal die abwartende Haltung der EZB sowie der drohende „Government Shutdown“ sowohl den DAX als auch die US-Indizes belasten.


Umkehrkerze könnte Ende der Gegenbewegung im DAX markieren


So kam es beim DAX nach der EZB-Sitzung bereits zu einem ersten bearishen Signal. Zuerst stieg der Kurs nämlich. Dann wurde im Anschluss an die Sitzung wieder vollständig verkauft. Dadurch bildete sich eine Tageskerze mit langem Docht (siehe roter Kreis im Chart).


DAX - Target-Trend-Analyse


Eine kurzfristige Trendwende kann durch eine solche Kerze eingeleitet werden. Es wird aber noch eine weitere bearishe Kerze benötigt. Sollte sich eben diese heute bilden, könnte das  vorgestern geschilderte Szenario einer ABC-Korrektur Realität werden. Außerdem wäre auch die Mittellinie bei 12.235 Punkten nach unten durchbrochen. Dies wäre dann auch nach der Target-Trend-Methode wieder ein bearishes Signal.



Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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