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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

ETFs: Europa-Skepsis treibt Nachfrage in die USA




13.06.18 13:15
Redaktion boerse-frankfurt.de


Ganz hat sich die Skepsis der ETF-Anleger gegenüber Europa noch nicht gelegt. Im Zweifel wird lieber auf US-Aktien gesetzt, auch gerne auf Technologiewerte. Deren Höhenflug geht nämlich weiter. 12. Juni 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Wogen an den Märkten haben sich nach den Querelen um die Regierungsbildung in Italien geglättet. "Die Welt ist wieder in den Fugen", stellt Oliver Kilian von der Unicredit Group fest. Laut Carsten Schröder von der Commerzbank wird derzeit allerdings eher abgewartet. "In dieser Woche stehen Sitzungen von EZB und Federal Reserve Bank an." Für die vergangene Woche meldet er noch knapp 38.000 Transaktionen - und einen Käuferüberhang von 55 Prozent. Auch laut Rick van Leeuwen von IMC Markets ist es mittlerweile ruhiger geworden. "Vielleicht ist es schon die beginnende Ferienzeit." 

Der DAX hat sich seit seinem Rücksetzer Ende Mai etwas erholt und liegt am Dienstagmorgen bei 12.833 Punkten. Das nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump erfolgreich verlaufene historische Gipfeltreffen mit Nordkoreas Führer sorgt für gute Laune. Auch aus Italien kommen positive Nachrichten: Der neue italienische Finanzminister Giovanni Tria hat sich klar für den Verbleib des Landes in der Eurozone ausgesprochen. 

Europäische Aktien: keine klare Richtung


Doch beschäftigt Italien ETF-Anleger weiter. "Wir beobachten ein höheres Handelsvolumen bei italienischen Aktien und Anleihen", berichtet Schröder. Allerdings hielten sich Käufe und Verkäufe mittlerweile die Waage. Die den italienischen Aktienmarkt abbildenden FTSE MIB-Tracker (WKN A0BLNG) haben nach dem Absturz im Mai zuletzt wieder zulegt, die Verluste sind aber noch nicht wieder wettgemacht.
 

Für die gesamteuropäischen Indizes ist das Bild ebenfalls durchwachsen: Die Commerzbank meldet einen Käuferüberhang in Euro Stoxx 50-ETFs, die Unicredit eher Verkäufe (WKN A14UTF, 935927), dafür aber Käufe in Indizes einzelner europäischer Länder (WKN DBX1DA, 593393, A0REJR) sowie Zu- und Abflüsse im MSCI EMU- und MSCI Europe-Trackern. Van Leeuwen zufolge trennten sich Anleger von europäischen Aktien. Beliebt sind laut Schröder derzeit auch die europäischen Minimum Volatility-Tracker von SPDR und iShares (WKN A1W8WD, A1J783). "Das ist wohl mit der Unruhe um Italien zu erklären."


Van LeeuwenVan Leeuwen  

USA: auch gerne mit Währungssicherung


US-Aktien werden hingegen überwiegend gekauft - Grund ist wohl die positive Kursentwicklung an der Wall Street. Der Dow Jones ging am gestrigen Montag mit 25.326 Punkten aus dem Handel, Ende Mai waren es noch 1.000 Punkte weniger. "Wir sehen deutliche Zuflüsse, vor allem in S&P 500-ETFs, auch in den währungsgesicherten Varianten", erklärt Kilian (A0YEDG, A2H573, A1C5E9). Auch die Commerzbank hat einen eindeutigen Käuferüberhang beobachtet. Van Leeuwen berichtet hingegen von Abflüssen aus US-Aktien, zugegriffen werde lediglich bei ETFs, die den Schweizer und den britischen Markt abbilden. Außerdem würden Small Caps aus Industrieländern gekauft, etwa mit dem SPDR MSCI World Small Cap (WKN A1W56P). 

In Bezug auf Schwellenländer fehlt der eindeutige Trend. Die Unicredit meldet Abflüsse, etwa aus dem iShares Core MSCI Emerging Markets IMI (WKN A111X9), dem Lyxor MSCI Emerging Markets (WKN LYX0BX) und dem Xtrackers MSCI Emerging Markets Swap (WKN DBX1EM). Auch bei der Commerzbank überwiegen die Abgaben. Käufe meldet hingegen IMC Markets. 

Technologiewerte überzeugen  

Der Höhenflug des Nasdaq lockt Anleger weiter in Technologiewerte. Der Nasdaq 100 hatte vergangene Woche einen neuen Höchststand von 7.212,45 Punkten erreicht, am gestrigen Montag waren es immerhin noch 7.161,50 Zähler. So wird Kilian zufolge direkt auf Nasdaq-Tracker gesetzt (WKN A0YEDL, 801498) oder aber auf klassische Branchen-ETFs wie den iShares S&P 500 Information Technology Sector (WKN A142N1). Dieser hat auf Sicht von zwölf Monaten um 28 Prozent zugelegt.



  Außerdem werden Immobilien-Indexfonds stark beachtet. Schröder meldet Abflüsse (WKN A0LEW8), Kilian Zu- und Abflüsse (WKN A2ACQZ, DBX0F1). Nicht mehr ganz so im Rampenlicht stehen die Banken (WKN 628930), die noch vor zwei Wochen im großen Stil verkauft worden waren. Laut Schröder werden jetzt beide Seiten gespielt, Kilian berichtet von Verkäufen. Bei IMC standen Grundstoff-ETFs auf den Verkaufslisten. "Insgesamt interessieren sich Anleger aber im Moment nicht sehr für gezielte Branchen-Engagements", meint van Leeuwen.

Weiter Positionierungen in US-Corporates


Von den Unternehmensanleihen kommen auf US-Dollar-lautende Bonds weiter extrem gut an, wie Kilian erklärt. Darunter seien auch High Yield-Anleihen, etwa mit dem iShares USD High Yield Corp Bond (WKN A1H5UN), aber auch klassische Papiere, etwa mit dem UBS Bloomberg Barclays US Liquid Corporates (WKN A110Q8). Schröder zufolge wurden europäische Anleihen mit Laufzeit von fünf bis zehn Jahren gekauft (WKN ETFL20), der ComStage Commerzbank Bund-Future Short (WKN ETF562) hingegen abgestoßen. 

von: Anna-Maria Borse 
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