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Kolumnist: Stefan Hofmann

Der Dunning-Kruger-Effekt und die Börse




10.01.19 12:10
Stefan Hofmann

Als Dunning-Kruger-Effekt wird die systematische fehlerhafte Neigung relativ inkompetenter Menschen bezeichnet, das eigene Wissen und Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen.

Der Begriff geht auf eine Publikation von David Dunning und Justin Kruger zurück, die 2000 den Nobelpreis für Psychologie erhielten. Dunning und Kruger hatten in vorausgegangenen Studien bemerkt, dass etwa beim Erfassen von Texten, beim Schachspielen oder Autofahren Unwissenheit oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen.


Dunning und Kruger zeigten, dass schwache Leistungen mit größerer Selbstüberschätzung einhergehen als stärkere Leistungen.



Der Dunning-Kruger-Effekt wird auch als "Mount Stupid" bezeichnet.


„Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, sind genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“ David Dunning


Sie haben den Dunning Kruger-Effekt wahrscheinlich schon an Menschen beobachtet. Beispielsweise bei Autofahrern, die ihre Fahrkünste als besonders gut einschätzen. Zu diesem Schluss gelangen, je nach Umfragen, ungefähr 90% aller Autofahrer. Besonders ausgeprägt ist diese Selbstüberschätzung auch bei Anlegern an der Börse. Bei einer Umfrage unter Wall Street Analysten gelangten ebenfalls 90% aller befragten Analysten zu dem Schluss, dass sie in ihrer Analysefähigkeit besser seien als ihre Kollegen. Klar, dass maximal 50% besser sein können als der Durchschnitt.


Der Dunning-Kruger-Effekt ist in allen Lebensbereichen zu sehen und kann peinliche und teilweise gefährliche Folgen haben. „Was wir wissen ist, dass die Leute mit etwas Wissen meist sehr zuversichtlich sind, aber erst nach einiger Zeit merken, dass sie weniger wussten, als sie dachten“.


"Der Narr hält sich für weise, während ein weiser Mann sich als Narr versteht" Shakespeare 


Dunning-Kruger und die Börse



Das Investieren ist einer der Bereiche, in welchem sich sehr viele intelligente Menschen gleichzeitig bewegen und sich voller Selbstvertrauen auf ihre eigenen Fähigkeiten verlassen. Aber in Wahrheit haben die meisten Anleger keinen Vorteil gegenüber jedem anderen Spekulanten.


Die Tatsache, dass die grosse Mehrheit der Profis den Markt nicht schlagen können, sollte Ihnen sagen, dass die Aktienauswahl ein Unterfangen ist, das nur bei sehr wenigen mit Erfolg gekrönt wird. Es sei in diesem Artikel nur am Rande erwähnt, dass die Geldanlage an der Börse nur wenig mit Intelligenz zu tun hat.


Besonders gut lässt sich die Selbstüberschätzung von Anlegern anhand des jüngsten Hypes um Kryptowährungen veranschaulichen.


Viele der Leute, die Ende 2017 Bitcoin und Co. kauften, schienen sehr wenig über das Investieren an sich zu wissen und investierten nur aufgrund der Angst etwas zu verpassen.


Bei einigen Personen handelte es sich um selbsternannte Kryptowährungsexperten, die trotz einer geringen Erfahrung mit Marktzyklen, immer höhere Gewinne bei gleichzeitig zunehmender Überzeugung voraussagten.


Ein paar dieser Anleger lernte ich in meinem beruflichen Umfeld, sowie im Bekanntenkreis kennen. Bei einigen hiervon standen bereits erstaunliche Gewinne zu buche. Niemand davon hatte jedoch einen Plan, wann oder wie sie ihre Gewinne realisieren würden. Im Gegenteil: Es konnte nur weiter nach oben gehen.


Heute notieren die meisten Kurse, der durch diese Anleger genannten Kryptowährungen, unter ihren ursprünglichen Einstandspreisen. Vermutlich haben viele dieser Investoren ihr Wissen darüber, wie Kryptowährungen funktionieren, mit dem Wissen darüber, wie Finanzmärkte funktionieren, verwechselt.


Das Paradox der Sachkenntnis


"Je breiter und tiefer Ihr Wissen ist, desto eher werden Sie bereit sein zu sagen: "Ich weiss es nicht", wodurch Sie typischerweise zu der Überzeugung gelangen, dass Ihr Wissen begrenzt und oberflächlich ist." Jason Zweig


Der Kapitalmarkt ist einer der Bereiche, in denen der Begriff "Experte" irreführend sein kann.


Es gibt viele Finanzkommentatoren, die als Experten bezeichnet werden, weil sie mit grosser Zuversicht und Überzeugung über die Zukunft sprechen können. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie häufiger recht als unrecht hätten.


Viele dieser Marktkommentatoren könnte man besser als "Verkäufer im Geldanlagebereich" bezeichnen. Die Tatsache, dass diese über viele Marktthemen sprechen können, macht es für für Sie als Anleger nicht einfacher, da Sie nie wissen können, ob diese über echte Expertise verfügen oder unter dem Dunning-Kruger-Effekt leiden.


Wertvoller ist die Identifizierung von Experten, die bereit sind zu sagen: "Ich weiss es nicht". Auf diese Weise können Sie, sobald diese eine Meinung haben, eher sicher sein, dass sich diese sich auch wirklich in ihrem Kompetenzbereich befinden.


"Es ist ein schrecklicher Fehler zu glauben, man müsse zu allem eine Meinung haben."Warren Buffett


Wissen Sie, wie viel Sie wissen


Selbstüberschätzung verleitet dazu, unvernünftig grosse Risiken einzugehen und zu oft und zu rasch Wertpapiere zu kaufen und auch wieder abzustossen.


Das wertvollste Wissen, dass Sie als Anleger haben können, ist nicht, ob die Märkte steigen oder fallen werden. Dies ist nicht möglich. Wissen Sie stattdessen, wie viel Sie wirklich wissen.


Es ist in Ordnung wenig zu wissen. Solange Sie es merken. Am wichtigsten ist, dass Sie genau einschätzen können, wo Ihre Unwissenheit beginnt und sich nicht dazu bringen zu lassen zu glauben, dass Sie mehr wissen als andere.


Verfolgen Sie Ihre Anlagestrategien mit Disziplin und lassen Sie sich in keiner Marktphase verunsichern. So stellen Sie eher sicher, gängige Anlegerfehler zu vermeiden, die zwangsläufig zu einem schlechten Ergebnis führen.


GASTAUTOR:


Björn Heissenberger


Heissenberger Vermögensverwaltung AG


www.h-vv.ch


info@h-vv.ch




Der Autor stellt hier lediglich Informationen zur Verfügung, es erfolgt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögensanlagen. Anlagegeschäfte beinhalten Risiken, so dass die Konsultierung professioneller Anlagenberater empfohlen wird. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Engagement in Aktien (auch Hot Stocks oder Penny Stocks), Zertifikate, Fonds oder Optionsscheine zum Teil mit erheblichen Risiko verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden.

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