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Kolumnist: H. Weygand

Derivateblase angestochen ? - Wie weit ? - Zahlt die nächste Generation...?




06.02.09 00:59
H. Weygand

Fed-Chef Ben Bernanke und US-Präsident Barack Obama bieten nun Lösungen an, die zum Ziel haben, die Fehler einer Generation mit Billionen von US-Dollar auszubügeln. Die Zeche sollen nachfolgende Generationen zahlen, so jedenfalls ist es geplant. Doch wir bezweifeln, dass es dazu kommen wird.

Die folgenden Zahlen liegen durchaus außerhalb des menschlichen Vorstellungsvermögens, doch sie verdeutlichen das Ausmaß der Finanzkrise:

1. Der Marktwert aller weltweit gehandelten Aktien liegt bei rund 30 Billionen US-Dollar.

2. Das weltweite Bruttosozialprodukt aller Länder beträgt rund 50 Billionen US-Dollar.

3. Die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten liegt ebenfalls bei rund 50 Billionen US-Dollar.

4. Die weltweiten Ersparnisse betragen etwa 130 Billionen US-Dollar.

5. Weltweit sind Derivate im Wert von rund 750 Billionen (!) US-Dollar im Umlauf.


Und jetzt sehen Sie sich bitte die nachfolgende Übersicht an. Abgebildet sind einige Kennzahlen der größten US-Banken, Citigroup (US-Kürzel C), Bank of America (US-Kürzel BAC) und JP Morgan (US-Kürzel JPM). Die Werte sind jeweils in Milliarden US-Dollar angegeben (eine amerikanische Billion = eine Milliarde).

Einige Fakten, die sich aus der Übersicht ableiten lassen: Bank of America und Citigroup verfügen gemeinsam über Assets in Höhe von 3,9 Billionen US-Dollar. Dieser Wert ist etwa um den Faktor 43 (!) größer als das Rettungspaket in Höhe von 90 Milliarden US-Dollar, das die US-Regierung für die beiden Häuser bislang geschnürt hat. Die ausstehenden Credit Default Swaps, die riskantesten Papiere in den Bankbilanzen überhaupt, übersteigen das Rettungspaket etwa um den Faktor 90.

Um den FAKTOR neunzig, nicht etwa um 90 Prozent.

Bank of America und Citigroup haben nach JP Morgan von allen US-Banken die größten Derivate-Positionen ausgewiesen. Der Wert von 78 Billionen US-Dollar übertrifft die Position bei Lehman Brothers vor deren Pleite um das Zehnfache(!). Schon heute sind zahlreiche Forderungen dieser Banken (Hypothekenforderungen, Kreditkartenforderungen, Studentenkredite, Ausleihungen für Autokäufe) vom Ausfall bedroht. Da derzeit keinerlei Anzeichen für ein Ende des konjunkturellen Abschwungs erkennbar sind, ist zu befürchten, dass der Abschreibungsbedarf der großen US-Finanzhäuser noch stark zunehmen wird. Und Vorsicht vor dem Argument, dies sei in den Kursen bereits enthalten: Das haben viele Strategen im Sommer 2007 schon einmal gedacht – und dann wieder im Sommer 2008. Andererseits wurden gerade die Aktien der Finanzwerte in den vergangenen Monaten total zusammengefaltet.

Und wir wären schlechte Antizykliker, wenn wir darin nicht auch eine Chance sehen würden. Eine Commerzbank etwa bekamen Sie in dieser Woche für 3,30 Euro. Im Sommer vergangenen Jahres wurden noch 20 Euro für die Aktien bezahlt. Die Commerzbank ist übrigens der einzige DAX-Titel, bei dem einige Insider im Januar zugegriffen haben.

Tradingorientierte Anleger mit Mut zum Risiko, könnten hier jetzt die eine oder andere Position wagen. Aber vergessen Sie den Stopp-Loss nicht!

Gründe für eine mögliche technische Erholung des Finanzsektors sind schnell ausgemacht: Die Anleger lassen sich von der Aussicht auf eine „Bad Bank“ blenden. Diese soll die faulen Kredite der Banken aufkaufen - und die Börsianer jubeln. Die Rede ist von Vermögenswerten im Wert von bis zu einer Billion Dollar, die auf einer solchen „Müllhalde“ abgeladen werden sollen.

Wie bitte? Eine Billion Dollar?

Sehen Sie sich bitte nochmals die Tabelle weiter oben an. Allein JP Morgan hat ausstehende Derivate-Positionen in Höhe von 91 Billionen US-Dollar. Wer da glaubt, dass die Idee einer „Bad Bank“ der ganz große Wurf sein soll, der wird sich schon bald sehr wundern.

Das war seit Beginn dieser Krise immer so: Erst wurden phantastische Summen in den Ring geworfen und alle dachten, na, das wird schon reichen um die Sache zu bereinigen. Und ein paar Monate später stellte sich heraus, dass der tatsächliche Kapitalbedarf um ein Vielfaches über der ursprünglich veranschlagten Summe lag.

Zur Erinnerung: Ranghöchste US-Politiker wie Ben Bernanke und Henry Paulson verbreiteten im Sommer 2007 das Märchen, 100 Milliarden US-Dollar würden ausreichen, um die Finanzkrise zu den Akten zu legen. Mit der „Bad Bank“ und den Summen, die in diesem Zusammenhang jetzt herumgereicht werden, ist eine weitere Enttäuschung vorprogrammiert.

Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs. -- --------------------------------------------- BörseGo AG Balanstraße 73 Haus 11 / 3. OG D-81541 München Tel: +49-89-767369-0 Fax: +49-89-767369-290 E-Mail: weygand@boerse-go.de Internet: http://www.godmode-trader.de http:/www.boerse-go.de http://www.boerse-go.ag Risikohinweis und Haftungsausschluss gemäß § 13 AGB BörseGo AG § 13a Haftung für Informationen BörseGo AG (nachfolgend BörseGo) übernimmt keine Haftung für bereitgestellte Handelsanregungen. Diese stellen in keiner Weise einen Aufruf zur individuellen oder allgemeinen Nachbildung, auch nicht stillschweigend, dar. Handelsanregungen oder anderweitige Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder derivativen Finanzprodukten dar. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen der veröffentlichten Inhalte ist somit ausgeschlossen. Die Redaktion bezieht Informationen aus Quellen, die sie als vertrauenswürdig erachtet. Eine Gewähr hinsichtlich Qualität und Wahrheitsgehalt dieser Informationen kann gleichwohl nicht übernommen werden. Leser, die aufgrund der veröffentlichten Inhalte Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln in vollem Umfang auf eigene Gefahr und auf eigenes Risiko. BörseGo übernimmt keine Haftung für die erteilten Informationen. Insbesondere weist BörseGo hierbei auf die bei Geschäften mit Optionsscheinen, Derivaten und derivativen Finanzinstrumenten besonders hohen Risiken hin. Der Handel mit Optionsscheinen bzw. Derivaten ist ein Finanztermingeschäft. Den erheblichen Chancen stehen entsprechende Risiken bis hin zum Totalverlust gegenüber. Nur Verbraucher, die die gem. § 37d WpHG bei Banken und Sparkassen ausliegende Broschüre "Basisinformationen über Finanztermingeschäfte" gelesen und verstanden haben, sowie das Formular "Wichtige Information über die Verlustrisiken bei Finanztermingeschäften" gelesen und unterschrieben haben, sind berechtigt, am Handel mit Optionsscheinen und sonstigen Finanztermingeschäften teilzunehmen. Der Kunde handelt gleichwohl auf eigenes Risiko und auf eigene Gefahr. § 13b Haftung für Erfüllungsgehilfen BörseGo haftet bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen für jedes Verschulden ihrer Mitarbeiter und der Personen, die sie zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen hinzuzieht. Hat der Kunde durch ein schuldhaftes Verhalten zu der Entstehung eines Schadens beigetragen, bestimmt sich nach den Grundsätzen des Mitverschuldens, in welchem Umfang BörseGo und der Kunde den Schaden zu tragen haben. § 13c Haftung für höhere Gewalt BörseGo haftet nicht für Schäden, die durch höhere Gewalt, Aufruhr, Kriegs- und Naturereignisse oder durch sonstige von ihr nicht zu vertretende Vorkommnisse (z.B. Streik, Aussperrung, Verkehrsstörung, Verfügungen von hoher Hand im In- oder Ausland) oder auf nicht schuldhaft verursachte, technische Störungen (wie z.B. das EDV-System) zurückzuführen sind. Als höhere Gewalt gelten auch Computerviren oder vorsätzliche Angriffe auf EDV-Systeme durch "Hacker", sofern jeweils angemessene Schutzvorkehrungen hiergegen getroffen wurden. --- Das Dokument mit Abbildungen ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere des Nachdrucks, der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen sowie das Darstellen auf einer Website liegen, auch nur bei auszugsweiser Verwertung, bei der BörseGo AG. Alle Rechte vorbehalten. www.boerse-go.de © BörseGo AG --- Aktiengesellschaft mit Sitz in München - Registergericht: Amtsgericht München - Register-Nr: HRB 169607 - Vorstand: Robert Abend, Thomas Waibel, Harald Weygand - Aufsichtsratsvorsitzender: Theodor Petersen - Umsatzsteueridentifikationsnummer gemäß § 27a UStG: DE207240211 --- Diese Nachricht ist vertraulich. Sollten Sie nicht der vorgesehene Empfänger sein, so bitten wir höflich um eine Mitteilung. Jede unbefugte Weiterleitung oder Fertigung einer Kopie ist unzulässig. Diese Nachricht dient lediglich dem Austausch von Informationen und entfaltet keine rechtliche Bindungswirkung. Aufgrund der leichten Manipulierbarkeit von E-Mails können wir keine Haftung für den Inhalt übernehmen. This message is confidential and may be privileged. If you are not the intended recipient, we kindly ask you to please inform the sender. Any unauthorised dissemination or copying hereof is prohibited. This message serves for information purposes only and shall not have any legally binding effect. Given that e-mails can easily be subject to manipulation, we can not accept any liability for the content provided.
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