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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Darum dürfte die hohe Unsicherheit noch eine Weile anhalten




05.11.18 10:34
Sven Weisenhaus

Die Unsicherheit an den Börsen ist nach wie vor sehr hoch. Und das ist nur allzu verständlich. Schließlich mussten sich die Anleger nach den herben Kursverlusten mit möglichen Topformationen und Kurszielen auseinandersetzen, bei denen einem als Aktionär schwindelig werden konnte. Und nachdem es in der letzten Woche eine deutliche Kurserholung gegeben hat, insbesondere in den US-Indizes, wird nun in vielen Medien die Frage aufgeworfen, ob es sich dabei nur um eine Gegenbewegung im frischen Bärenmarkt handelt. Es wird also versucht, die zuletzt recht pessimistische Stimmung weiterhin zu bedienen.


Zweifel an den bearishen Szenarien


Auch wir haben uns in den vorangegangenen Ausgaben sehr intensiv mit den möglichen Topformationen und den vorhandenen Risiken auseinandergesetzt. Denn es wäre fahrlässig gewesen, diese nicht genau zu beobachten und unsere Leser darauf hinzuweisen. Doch wir hatten von Beginn an einen skeptischen Blick auf die pessimistischen Perspektiven.


So haben wir frühzeitig darauf hingewiesen, dass die vermeintliche SKS-Formation im DAX nicht regelkonform ausgebildet wurde und daher hier eher ein Diamant in Frage kam (siehe unter anderem Börse-Intern vom 8. Oktober). Aber auch was diesen angeht, haben wir wiederholt geschrieben, dass es an der nötigen Symmetrie mangelt (siehe zum Beispiel Börse-Intern vom 17. Oktober). Daher habe ich stets an meinem Szenario festgehalten, wonach sich lediglich eine große Konsolidierung auf hohem Niveau ausbilden sollte.


Mit der Börse-Intern perfekt durch die Korrektur


Aufgrund dieser Erwartung wurden Sie bereits auf fallende Kursen eingestellt, als die US-Indizes noch neue Allzeithochs markierten und die Stimmung entsprechend bullish war. Und nach dem ersten Kursrutsch wurden Sie (u. a. mit der Börse-Intern vom 17. Oktober) vor einer zweiten Abwärtswelle gewarnt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der DAX nur das Mindestziel einer Gegenbewegung bei 11.840,78 Punkten abgearbeitet. Und anschließend gab der Index tatsächlich noch einmal dramatisch bis auf rund 11.000 Punkte nach - fast 7 % innerhalb von nur 7 Handelstagen.


Doch mit dem Tief am 26. Oktober konnte man an diesem Tag in der Börse-Intern lesen, dass eine Gegenbewegung ansteht. Und mit dem Kursverlauf vom 02. November haben die US-Indizes inzwischen schon ca. 50 % ihrer seit den Allzeithochs erlittenen Kursverluste aufgeholt, wie der folgende Chart des Dow Jones exemplarisch zeigt (S&P 500 und Nasdaq100 bislang nur im außerbörslichen Handel).


Dow Jones - Chartanalyse


Mit der Börse-Intern wurden Sie also sehr gut durch die Korrektur geleitet.


Aktuelle Nachrichten passen zu der sowieso schon laufenden Kurserholung


Begründet werden die aktuellen Kursgewinne damit, dass US-Präsident Donald Trump von einem „guten Fluss“ der Verhandlungen mit China und einem „sehr guten“ Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping getwittert hat. Nach dem Telefonat soll Trump sein Kabinett mit der Formulierung eines eventuellen Handelsabkommens mit der Volksrepublik beauftragt haben. Mit diesem soll dann möglichst bis zu dem geplanten Treffen auf dem G20-Gipfel in Argentinien am 30. November und 1. Dezember eine Lösung des Handelsstreits herbeigeführt werden.


Anleger sehen darin angeblich eine Entspannung der Situation und haben sich daher wieder verstärkt in Aktien getraut. Das ist sicherlich nicht falsch. Doch die Erholungsbewegung hat bereits am Montag begonnen. Insofern passen die aktuellen Nachrichten lediglich zu dem Kursanstieg der vergangenen Tage. Es bleibt also beim altbekannten Spiel: Kurse machen Nachrichten.


Befindet sich die deutsche Wirtschaft schon in der Rezession?


Dabei hinkt der DAX den US-Indizes wieder einmal deutlich hinterher.


DAX - Fibonacci-Retracements


Den einfachen Grund dafür kennen Sie bereits: Die US-Wirtschaft entwickelt sich wesentlich dynamischer als die hiesige. Während die US-Wirtschaft im 3. Quartal 2018 noch um 3,5 % wachsen konnte, ist nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) das deutsche BIP im selben Zeitraum sogar bereits zum ersten Mal seit Anfang 2015 geschrumpft. „Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Quartal um etwa 0,3 Prozent gesunken sein“, teilten die Forscher des IfW mit.


Damit war meine Frage aus der Börse-Intern vom Mittwoch vergangener Woche, ob sich die Wirtschaft auf dem Weg in eine Rezession befindet, durchaus berechtigt. Allerdings gilt nach wie vor die damals gegebene Antwort auf diese Frage: Die Frühindikatoren sagen noch zukünftiges Wachstum voraus. Daher kann es auch sein, „dass wir aktuell nur eine Delle in der Stimmung bzw. der Wirtschaftsentwicklung sehen“, hieß es dazu in der Analyse vom vorletzten Mittwoch.


Denn der vom IfW berechnete Rückgang beim BIP ist wohl lediglich auf Sonderfaktoren zurückzuführen. So hat die Einführung neuer Abgasmessregeln zu vorrübergehenden Produktionsrückgängen in der Automobilindustrie geführt. Und wegen der niedrigen Pegelstände in den Flüssen haben Transportprobleme in der Binnenschifffahrt die Produktion in anderen Wirtschaftsbereichen behindert. Im 4. Quartal 2018 sind daher Aufholeffekte möglich. Und so werden wir im Jahr 2018 wohl noch keine Rezession erleben.


Die Unsicherheit dürfte hoch bleiben


Dennoch wird die Unsicherheit wohl noch eine ganze Weile anhalten. Denn eine große Seitwärtskonsolidierung zeichnet sich eben dadurch aus, dass sich Kursgewinne und Kursverluste abwechseln (und letztlich die Waage halten). Entsprechend wechselhaft wird auch die Berichterstattung der Medien bleiben.


Mein Rat lautet daher erneut, sich vom medialen Tagesgeschehen nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Behalten Sie dagegen den Blick auf dem großen Ganzen. - Eine Seitwärtstendenz kann man hervorragend nutzen, indem man am unteren Ende kauft und am oberen Ende verkauft.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage


Ihr
Sven Weisenhaus


(Quelle: www.stockstreet.de)



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