Kolumnist: Feingold-Research

Damoklesschwert für den Euro – Frankreich und der Frexit




20.03.17 11:54
Feingold-Research

Im ersten Teil des Beitrags zur politischen Zukunft in Europa haben wir uns die Einschätzung der Analysten von JP Morgan zur  anstehenden Wahlen in Deutschland angeschaut. Aber auch in Frankreich stehen im April Präsidentschaftswahlen an, welche die politischen Gewichte in Europa verschieben und die Finanzmärkte aufwirbeln könnten. Trotz aller Prognosen, scheint ein Sieg der rechtsextremen Front National im Bereich des Möglichen. 

Am 23. April und am 7. Mai 2017 finden der erste und zweite Wahlgang der Präsidentschaftswahlen statt, um einen Nachfolger für François Hollande zu finden, der beschlossen hat, nicht noch einmal für eine fünfjährige Amtszeit anzutreten. Darüber hinaus findet am 11. und 18. Juni 2017 die Parlamentswahl statt, um die 577 Mitglieder der französischen Nationalversammlung (Assemblée nationale) zu wählen. Während die Parlamentswahlen vielleicht als etwas weniger bedeutend erachtet werden als die Präsidentschaftswahlen, sind sie doch wichtig, denn eine Mehrheit in der Nationalversammlung würde die Position des neuen Präsidenten erheblich stärken.


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Auch wenn viele Kandidaten am 23. April ihr Glück versuchen werden, deuten die jüngsten Umfragen darauf hin, dass lediglich drei Kandidaten eine wesentliche Rolle spielen werden:


  • Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National, die versprochen hat, dass Frankreich aus der EU austreten wird, falls sie gewinnt.
  • Emmanuel Macron, ehemaliger Wirtschaftsminister, der 2016 zurücktrat, um seine eigene politische Bewegung, En Marche!, zu gründen. Pro-europäischer Zentrist und Reformer.
  • François Fillon, Kandidat der Republikaner, der darauf abzielt, die Wirtschaft Frankreichs grundlegend zu reformieren, wieder für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen und Mitglied der EU zu bleiben.

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Breite Front gegen Le Pen

Frankreich_Paris_Eifelturm_2Allerdings hat gerade Fillon in den letzten Wochen mit sinkenden Umfragewerten und hohem Druck aus den eigenen Reihen zu kämpfen. Hintergrund sind Vorwürfe, er habe seine Frau seine Frau Penelope jahrelang nur zum Schein beschäftigt und dafür Hunderttausende Euro Steuergelder kassiert. Sollten Marine Le Pen und Emmanuel Macron aus dem ersten Wahlgang als Gewinner hervorgehen, wie die Umfragen derzeit nahelegen, oder sollte Francois Fillon dennoch Emmanuel Macron schlagen können, hat der Front National theoretisch nur eine kleine Chance, die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen für sich zu entscheiden.


Welche konkreten Auswirkungen die anstehende Wahl und ein möglicher Sieg Le Pens – trotz geringer Wahrscheinlichkeit – sonst noch auf den Euro hat, lesen Sie auch im Newsbereich der DZ-Bank.


In der Vergangenheit konnte der Front National trotz guter Ergebnisse im ersten Wahlgang nie die Präsidentschaft gewinnen. Wie etwa im Wahlkampf zwischen Jacques Chirac und Jean-Marie Le Pen im Jahr 2002 deutlich wurde, formen die anderen Parteien für die zweite Runde einen „Front Républicain“, mit dem sichergestellt wird, dass die Wähler der Linken für den Kandidaten der Rechten stimmen oder umgekehrt. Die jüngsten Umfragen bestätigen, dass sowohl Macron als auch Fillon in der zweiten Runde gegen den Front National gewinnen würden.


Festzuhalten bleibt, dass die französischen Präsidentschaftswahlen alles andere als eine ausgemachte Sache sind. Die Unwägbarkeiten nahmen unlängst sogar noch weiter zu. Angesichts dessen lässt sich der Wahlsieg eines euroskeptischen Kandidaten nicht vollständig ausschließen, obwohl die Wahrscheinlichkeit dessen recht gering bleibt. Das Risiko ist aber hoch genug, um zu Wachsamkeit zu raten, da eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, ganz zu schweigen von einem Austritt Frankreichs aus der EU, für Europa und die globalen Finanzmärkte dramatische Folgen hätte.


Quelle: JP Morgan Asset Management



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