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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Der DAX zum großen September-Verfallstag




07.09.21 09:21
Sven Weisenhaus

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,


in der nächsten Woche, am Freitag, 17.09.2021, ist der große September-Verfallstag. Bis dahin sind noch fast zwei Wochen Zeit. Doch aufgrund der Bedeutung des September-Verfallstags werfen wir bereits jetzt einen Blick auf die Konstellation zu diesem Verfallstag an der Terminbörse.


Warum der September-Verfallstag bedeutsam werden kann


Warum ist der September-Verfallstag mitunter so bedeutsam? Zum einen ist der September der statistisch schlechteste Börsenmonat (siehe auch die saisonalen Charts auf der Stockstreet-Webseite). Der große Verfallstag im September ist daher prädestiniert für eine Wende im Kursverlauf. Vor allem in schlechten September-Monaten markiert er oft die Tiefpunkte vor einer folgenden Erholung oder Jahresendrally, weil danach bekanntlich auch die Belastungen durch die Verfallstagskonstellation wegfallen.


Zum anderen beginnt in den Wochen nach dem September-Verfallstag die Berichtssaison zum 3. Quartal. Diese geht in der Regel mit ersten Prognosen der Unternehmen zum Folgejahr einher. Oft hellt das die Stimmung – die durch vorherige Kursverluste ohnehin übermäßig getrübt wird – wieder auf, so dass auch dadurch die Aktienmärkte wieder freundlicher tendieren.


Verfallstage und Fed-Meetings


Und in jüngerer Zeit ist ein weiterer Faktor hinzugekommen: Üblicherweise findet in der Verfallstagswoche oder kurz danach das wichtige September-Meeting des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Zentralbank Fed statt. Dabei werden stets auch neue Projektionen der Fed-Volkswirte veröffentlicht, die ebenfalls stärker auf das kommende Jahr fokussiert sind.


Allerdings werden nicht alle Entscheidungen der Fed positiv von den Anlegern aufgenommen, so dass dieser Faktor bestenfalls neutral ist. In diesem Jahr wird z.B. bei diesem Termin womöglich die Entscheidung über die Reduzierung der Anleihekäufe („Tapering“) getroffen.


Das könnte die Märkte unter Druck bringen oder aber beflügeln – falls die Entscheidung erneut vertagt wird, wie einige Beobachter mutmaßen. Da jedoch das FOMC-Meeting in diesem Jahr erst nach dem Verfallstag (am 21./22.9.) stattfindet, könnte ein möglicher „Verfallstags-Wendeeffekt“ erst mit Verzögerung einsetzen.


Der Blick auf das Verfallstagsdiagramm


Aber hier bewegen wir uns schon im Bereich der Spekulationen. Halten wir uns an die Fakten, wie sie uns die aktuelle Positionierung an der Terminbörse liefert. Dazu das entsprechende Verfallstagsdiagramm:


Verfallstagsdiagramm DAX September 2021 


Die Positionsverteilung ist doch eher ungewöhnlich. Abgesehen von den beiden größten Positionen bei 16.400 (Call = blaue Balken) und 15.000 Punkten (Put = rote Balken) sind die Positionen im relevanten Kursbereich dazwischen sehr gleichmäßig verteilt, ohne auffällige Spitzen. So fehlen dort z.B. völlig größere Positionen oberhalb eines Open Interest (OI) von 10.000, wie man sie sonst oft bei großen Verfallstagen sieht.


Immerhin sehen wir die übliche Zweiteilung der Positionen in einen überwiegend blauen und roten Bereich, aber alles andere wäre auch zu ungewöhnlich. Etwas herausgehobener erscheinen nur die beiden blauen Call-Positionen bei 15.800 und 16.000 Punkten, aber auch das nur, weil dazwischen nur wenige Positionen liegen. Die Konzentration auf diese beiden Kursniveaus dürfte auch daher rühren, dass diese in den vergangenen Wochen eine große Bedeutung für den DAX hatten und immer noch haben (siehe auch den Chart weiter unten).


Gegenwind für die Bullen durch die Stillhalter


Welche Erkenntnisse liefert uns nun dieses Verfallstagsdiagramm? Die Positionsverteilung zwischen den beiden größten Positionen folgte fast einer Idealen Glockenkurve (siehe gelber Bogen im Diagramm oben). Aus Sicht der Stillhalter wäre also ein Abrechnungskurs unmittelbar im Hoch dieser Kurve ideal, also bei 15.800 Punkten.


Nach der Max-Pain-Kurve im unteren Diagrammteil liegt der optimale Abrechnungskurs sogar noch etwas tiefer, bei 15.500 Punkten. Aber diesem Wert messe ich in der aktuellen Konstellation nicht allzu viel Bedeutung bei. Er dient nur als grobe Orientierung, wonach bis zu diesem Wert niedrigere Kurse für die Stillhalter wünschenswert sind.


Nach oben wird der DAX ab 15.800 Punkten zunehmend gedeckelt, da die Stillhalter ein Interesse daran haben, die beiden Call-Positionen bei 15.800 und 16.000 Punkten nicht ins Geld laufen zu lassen. Daher haben die Bullen bis zum Verfallstag Gegenwind durch die Stillhalter.


Das sagt die Charttechnik


Wie schon erwähnt, sind diese beiden Niveaus auch aus charttechnischer Sicht sehr bedeutsam:


DAX - Tageschart seit März 2021


Die 15.800er Marke liegt unmittelbar an den Hochs vom Juni und Juli und ist das Niveau, um das der DAX seitdem fluktuiert. Die 16.000er Marke wurde mit dem Hoch von August erreicht und ist das nächste psychologisch wichtige runde Level für die Anleger.


Dass hier viele Call-Positionen liegen für den Fall, dass der DAX nach oben ausbricht, ist also verständlich. Aber im Gegenzug entsteht dadurch an diesen Marken auch ein Gegendruck nach unten durch die Reaktionen der Stillhalter.


Diese dürften allerdings bei 15.800 Punkten etwas geringer sein als bei 16.000 Punkten. Schließlich brennt erst oberhalb von 16.000 Punkten die Hütte (der Stillhalter), weil dann neue Hochs erreicht werden und die Gefahr besteht, dass die Call-Positionen massiv ins Geld laufen. Aus meiner Sicht dürften daher die Stillhalter zwischen 15.800 und 16.000 Punkten noch relativ gelassen bleiben und den DAX in diesem Bereich schwanken lassen – so wie es in den vergangenen Wochen ja öfter geschah.


Das wahrscheinlichste Szenario zum Verfallstag?


Charttechnisch läuft der DAX seit Freitag ohnehin wieder in einer Seitwärtsformation, die diesmal die Form eines symmetrischen Dreiecks hat (grau). Für die Stillhalter ist diese Formation perfekt, weil sie „ganz natürlich“ fast genau auf die 15.800er Marke zuläuft. Die Stillhalter werden also versuchen, den DAX bis zum Verfallstag in diesem Dreieck zu halten.


Selbst die Bullen könnten sich damit begnügen – schließlich ist ein symmetrisches Dreieck eine Fortsetzungsformation, das den vorangegangenen Trend (hier: aufwärts) fortsetzt, sofern sie nicht in die Gegenrichtung (hier: nach unten) verlassen wird. Und bis zum Verfallstag (senkrechte gestrichelte Linie) bliebe das Dreieck zudem relevant. (Das ändert sich erst, wenn der Kurs zu weit in dessen Spitze läuft.)


Und auch mit Blick auf das eingangs erwähnte Fed-Meeting ist eine Seitwärtsbewegung ein sehr wahrscheinliches Szenario.


Nicht nur auf eine Variante versteifen!


Aber wenn alle Indizien auf nur eine Variante hindeuten, ist es an der Börse oft so, dass es genau anders kommt. Zumal der September, wie erwähnt, eher negatives Überraschungspotenzial parat hält. Dabei spreche ich nicht von gelegentlichen Ausschlägen, die den Kurs aus dem Dreieck führen und daraus z.B. eine klassische Seitwärtsbewegung (Rechteck) machen.


Ein denkbares Alternativszenario wäre z.B. ein Kurseinbruch bis an die Unterkante des aktuellen blauen Rechtecks bei gut 15.400 Punkten. Schließlich konnte der DAX bisher die Rechteckmittellinie nicht nachhaltig überwinden, so dass ein Rückfall nach der Target-Trend-Methode jederzeit dazu führen kann, dass die Rechteckunterkante wieder angelaufen wird.


Das wäre aber für das übergeordnete bullishe Bild kein Beinbruch, weil die Aufwärtstendenz (höhere Hochs und Tiefs) intakt bliebe und im Bereich der unteren Rechteckkante auch zwei mögliche Aufwärtstrendlinien verlaufen, die dort bestätigt werden könnten.


Eine (kleine) Chance für die Bullen


Aber auch die Bullen haben noch eine kleine Chance. Sie könnten bei einem baldigen Ausbruch aus dem Dreieck versuchen, den DAX z.B. dem grün schattierten steilen Aufwärtstrend nach oben zu treiben. Allerdings stößt er danach sowohl auf die Oberkante des blauen Rechtecks als auch eine obere Trendlinie. Und spätestens dort dürften die Stillhalter dann massive Gegenmaßnahmen einleiten, um die Kurse wieder unter die für sie neuralgischen Marken zu drücken.


Ich räume daher dieser bullishen Variante auch nur eine geringe Wahrscheinlichkeit von maximal 20 % ein, während ich die beiden anderen Varianten (Seitwärtsbewegung, Rückfall) für etwa gleich wahrscheinlich halte.


Am kommenden Dienstag werde ich Ihnen ein kurzes Update über das weitere Geschehen bis zum Verfallstag geben.


Mit besten Grüßen


Ihr Torsten Ewert


(Quelle: www.stockstreet.de)



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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0008469008 846900 16.032 11.385
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
ARIVA Indikation Indizes
15.549,05 -0,80%  24.09.21
Xetra 15.531,75 - -0,72%  24.09.21
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