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Kolumnist: Ralf Flierl

Cui Bono?




09.11.17 12:15
Ralf Flierl



Dunkle Wolken über dem Paradies
Voyeurismus auf hohem Niveau

Reiche Sportstars, große Konzerne und Politiker – all ihnen wird mit der Veröffentlichung der sogenannten „Paradise Papers“ kräftig eingeheizt. Schließlich belegen mehr als 13 Mio. Dokumente, dass jede Menge „Reiche“ sogenannte Offshore-Firmen für ihre Zwecke nutzten. Damit hat es sich allerdings auch schon mit den konkreten Vorwürfen. Der Rest ist im Großen und Ganzen Voyeurismus in der Privatsphäre der Betroffenen. Denn konkrete Straftaten können die Journalisten in den wenigsten Fällen nachweisen. Was sie allerdings nicht daran hindert, ihre Enthüllungen – basierend auf gestohlenen Unterlagen – als Beleg für eine weit verbreitete Unmoral bei „denen da oben“ sowie den internationalen Großkonzernen zu verwenden. Aber sind diese tatsächlich unmoralischer als der „kleine Mann auf der Straße“?

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Da wird z.B. Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton in einem eigenen Artikel der SZ als notorischer Steuervermeider hingestellt. Im Jahr 2013 habe er mit seinem neu erworbenen Privatflieger ganz bewusst einen Zwischenstopp auf der Isle of Man eingelegt, um von den dortigen Steuergesetzen zu profitieren. Im Resultat habe sich Hamilton durch ein Geflecht an Offshore-Firmen die Mehrwertsteuer auf das Flugzeug gespart – bei einem Wert von 20,3 Mio. EUR immerhin eine Summe von 4 Mio. EUR. Nun besitzen nicht alle einen Privatflieger, mit dem sich solche Regelungen in Anspruch nehmen lassen. Allerdings hat vermutlich fast jeder einmal am Flughafen in einem Duty-Free-Laden eine Stange Zigaretten oder eine Flasche Parfüm gekauft und von der dortigen Mehrwertsteuerbefreiung profitiert. Ohne schlechtes Gewissen, darf man annehmen.

Anderes Beispiel: Der Apple Konzern wird von den Enthüllungsjournalisten der SZ kritisiert, weil er seine irischen Steuersparmodelle aufgrund einer dortigen Rechtsänderung mit einer neuen Offshore-Gesellschaft in einer nicht näher bekannten Steueroase absichern wollte. Als die Kanzlei Baker McKenzie für Apple mögliche Standorte auf deren Geeignetheit abklopft, stellen die Anwälte durchaus nachvollziehbare Fragen. Ist die dortige Steuerbefreiung von den Behörden bestätigt worden, welche Informationen sind öffentlich einsehbar und gibt es eine Opposition im jeweiligen Land, die die geltenden Regelungen kippen könnte? Klar ist, dass hier einer der wertvollsten Konzerne der Welt die geltenden Regelungen bis zur äußersten Grenze zu seinen Gunsten nutzt. Eine Straftat können die „Paradise Papers“-Journalisten jedoch auch Apple nicht im Ansatz nachweisen. Zwar beschäftigt nicht jeder ein findiges Beraterheer wie Apple, aber auch die Mehrheit der deutschen Steuerzahler dürften jedoch bereits bei einem Steuerberater gesessen haben, um sich über mögliche Gestaltungsmöglichkeiten beraten zu lassen.

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Altruismus oder Agenda

Die wirklich interessante Frage ist also, wer hinter den „Paradise Papers“ steckt und wem diese Veröffentlichung nützt. Wie bereits bei den 2016 veröffentlichten „Panama-Papers“ sollen auch diesmal die Unterlagen der Süddeutschen Zeitung zugespielt worden sein. Diese habe die Millionen an Dokumenten schließlich gemeinsam mit International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington ausgewertet. Dieses „internationale Recherchenetzwerk“ soll eine gemeinnützige US-Organisation sein, die auch durch Spenden finanziert wird. Zu den Spendern zählten in den letzten Jahren Stiftungen aus Australien, Großbritannien, den Niederlanden und den USA, u.a. die Ford Foundation und die von George Soros gegründete Open Society Foundation. Daneben sind auch öffentlich-rechtliche Sender wie der NDR oder der WDR in die Recherche eingebunden – auf Kosten der Zwangs-Beitragszahler der ehemaligen GEZ. Nun ist es schwierig zu vermuten, wer hier welche Interessen vertritt. Klar ist aber, dass es sich um das Gegenteil von unabhängigem Journalismus handelt. Dubios ist daneben der ganze Ablauf des Leaks. Wie bereits bei den „Panama-Papers“ habe der Informant von der Süddeutschen kein Geld bekommen. Womit er sich deutlich von nahezu allen Informanten unterscheidet, die in der Vergangenheit für Millionenbeträge sogenannte „Steuer-CDs“ an die Finanzbehörden verkauften. Ob Altruismus oder vielleicht doch eine bestimmte Agenda dahinter steckt, lässt sich schwer beurteilen.


Der Klimazirkus ist in der Stadt

Es ist wieder einmal so weit, der Klimazirkus ist in der Stadt. Diesmal hat es Bonn erwischt. Nicht etwa, weil die Bundesrepublik oder Bonn turnusgemäß mit der Austragung dieses Events an der Reihe gewesen wären, sondern weil sich der derzeitige Vorsitz, die Republik Fidschi, außer Stande sah, eine solche Konferenz auszurichten. Deutschland ist daher „Technischer Gastgeber“ – und wir dürfen vermuten, auch „wirtschaftlicher“, also jene Nation, deren Bürger das Stelldichein im Wesentlichen finanziert. Während viele Unternehmen die traditionellen Reisebudgets ihrer Mitarbeiter zusammengeschmolzen haben, schöpfen die rund 25.000 Klimabewegten im Bonner COP23-Biotop weiter aus dem Vollen. Den fetten CO2-Fußabdruck für solche Eitelkeiten auf großer Bühne finanzieren direkt und indirekt die Steuerzahler. Es ist schon ein wenig dreist, sich unter solchen Voraussetzungen als „Klimaretter“ zu inszenieren. Wäre da nicht noch die Möglichkeit in vertraulichen Gesprächen am Rande der Konferenz den einen oder anderen Scheck anzufordern, eine schlichte Videokonferenz hätte es wohl getan. Denn echte Tagesordnungspunkte sind kaum auszumachen. Dem Vernehmen nach will man sich vergewissern, dass auch nach dem Ausstieg der USA noch immer der gute Klimageist von Paris wehe. Im Jahr 2015 wurde beim Pariser Gipfel bekanntlich noch mit Ach und Krach jenes Dokument verabschiedet, dessen wesentliche Aufgabe darin bestand, nicht mit leeren Händen auseinander gehen zu müssen. Die bereits abgewählte SPD-Noch-Umweltministerin Hendricks „schockte“ die Öffentlichkeit mit der Aussage, dass keine deutsche Regierung in den letzten 20 Jahren genug für die Klimaziele getan habe – für die letzten vier Jahre dieser Spanne zeichnet sie übrigens selbst verantwortlich. Ihr bloßes Übergangsmandat hinderte sie freilich nicht daran, noch etwas Scheckbuch-Politik zu betrieben. Weitere 50 Mio. EUR Steuerzahlergeld dürfen es diesmal sein – für den sogenannten Anpassungsfonds der Vereinten Nationen. Ausgabentitel: „Deutschland steht den Menschen, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, solidarisch bei.“ Auf gut deutsch: „Ich mache auf Solidarität, Ihr zahlt.“ Man darf gespannt sein, wieviel von diesem Geld seinen Weg tatsächlich zu Menschen außerhalb des Klimaklüngels finden wird. Und noch gespannter darf man sein, in welcher Funktion uns Frau Hendricks künftig noch begegnen wird.


Nachlese Edelmetallmesse

Ende vergangener Woche fand in München zum dreizehnten Mal die Internationale Edelmetall- & Rohstoffmesse statt. Smart Investor war wiederum mit einem eigenen Stand vor Ort. Viele Leser und Interessenten nutzten die Möglichkeit zum Gedankenaustausch mit unseren Redakteuren. Die Stimmung für Edelmetalle war allerdings eher mau. Selbst langjährige Edelmetallfans gaben sich zurückhaltend. Durchhalteparolen, die am Anfang der Abwärtsbewegung in den Jahren 2012 und 2013 noch gang und gäbe waren, suchte man vergebens. Auf der Metaebene ist diese Form der Resignation fast schon ein positives Signal. Was dagegen die Gemüter erhitzte, war der Bitcoin und seine mittlerweile mehr als 1.000 Krypto-Brüder und -Schwestern. Wer sich in dieses Thema einlesen möchte, dem sei unsere Beilage „Gold vs. Bitcoin“ im aktuellen Smart Investor 11/2017 empfohlen.


„Uffpasse!“

Beim DAX gab es gestern den ersten negativen Handelstag seit Wochen. Wir sehen ein sogenanntes „Bearish Engulfing Pattern“ (vgl. Abb., rote Markierung). Der Handelsverlauf dieses Tages umhüllte nicht nur die Kursspanne des Vortages, sondern die von insgesamt drei Tagen. Der Kursschluss in der Nähe des Tagestiefs unterstrich das negative Bild. Das soll nun nicht bedeuten, dass der Markt unmittelbar kollabieren muss. Aber es ist eben auch eine deutliche Erinnerung daran, dass Aktien keine Einbahnstraße sind. Insofern sehen wir hier ein Stück Normalität, die lediglich etwas in Vergessenheit geraten war. Der DAX kann durchaus noch etwas weiter fallen, zumal auf dem Weg nach oben zwei markante Gaps (vgl. grüne Rechtecke) aufgemacht wurden, von denen zumindest das obere wahrscheinlich geschlossen werden dürfte. Erst die daran anschließende Kursentwicklung wird dann Aufschluss über die weitere Richtung liefern, insbesondere das Kursverhalten bei einer möglichen erneuten Annäherung an das bisherige Allzeithoch. Einzig wenn es nun zeitnah zu einem Gap nach unten käme, würde eine sehr negative Inselumkehr im Kursbild entstehen, der dann weitere Kursverluste folgen sollten. Seinem saisonalen Muster, das haben schon die Monate September und Oktober gezeigt, folgte der DAX bislang jedenfalls nicht. Vielleicht sollte man von daher auch nicht allzu viel von einer Jahresendrally erwarten.


Musterdepot Aktien & Fonds

Lesen Sie im Musterdepot von dieser Woche ein Update zu Tesla sowie Gilead Sciences. Mehr dazu erfahren Sie im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf unserer Homepage. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.


Fazit

Die „Paradise Papers“ sollen unmoralisches Verhalten anprangern – und betreiben doch nur Voyeurismus auf hohem Niveau. Die Reichen und Mächtigen werden vorgeführt, ohne dass klar ist, vor wessen Karren sich die Journaille spannen lässt.

Christoph Karl, Ralph Malisch



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